Blick auf Universitätsbibliothek und Stadttheater Freiburg

Fahr mal Linie 5 in Freiburg

Was fällt dir zu Freiburg ein? Unistadt, Ökos, das Münster und badischer Wein? Freiburg hat noch mehr Gesichter – und man kann sich an ihr auch reiben. Begleite mich auf meiner Fünfer-Tour durch die Stadt im Breisgau. Ich kaufe Bärlauch-Pesto beim Ökobauern, entdecke Münsterbausteine auf dem Hauptfriedhof, schüttle den Kopf über die Bautätigkeiten rund um die alte Güterhalle, bewundere das Graffitihaus und staune über die moderne Kirche im Rieselfeld. Das alles kannst du bei diesem besonderen Städtetrip mit der Straßenbahnlinie 5 erkunden.

Das Münster und der Münstermarkt

Straßenbahnlinie 5
Haltestelle Bertoldsbrunnen

Freiburg ohne Münster? Kaum vorstellbar! Das Münster ist das Herz der Altstadt und das Wahrzeichen Freiburgs. Deshalb beginnt meine Tour auch hier. Der Münsterturm ist mit 116 Metern nicht so hoch wie das Ulmer Münster (161 Meter), hat aber eine wunderschöne und filigrane Turmspitze und wird oftmals als „der schönste Turm des Christentums“ bezeichnet.

Der Blick von oben ist umwerfend und seit Mitte Oktober 2018 nach zwölf Jahren Sanierung wieder für alle offen! Leider konnte ich bei meinem Besuch diese Aussicht auf die Stadt noch nicht genießen, da ich just eine Woche vor der Turmeröffnung in Freiburg war. Der Termin hatte sich so ergeben, weil Jean-Luc das „Hack to the Future-Camp“ in Freiburg besucht hat. Ralph und ich haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt und parallel die Stadt besichtigt.

Begeistert hat mich das bunte Markttreiben rund um das Münster. Hier findet täglich der Münstermarkt statt und samstags fällt er besonders üppig aus. Äpfel, Birnen, Pfifferlinge, neuer Süßer, Herbstkränze, handgemachte Marmelade, Kürbisse, Feldsalat und Nüsse… Die Stände quellen über vor lauter Köstlichkeiten. Ja, Südbaden ist eine Genießerregion. Und dazu gehört natürlich auch ein badischer Wein, vor der Alten Wache schenken die Weingüter heute einen Weißburgunder aus, den probiere ich  (sehr fein) und danach stärken wir uns mit einer 35 Zentimeter „Langen Roten“ Rostbratwurst, die typisch für Freiburg ist.

Auf der Nordseite des Münsters, dort wo die regionalen Erzeuger verkaufen, fällt mir der Stand vom kauzigen „Peschtomann“ auf. Mit seinem Bart und dem tief in die Augen gezogenen Hut sieht er ein bisschen düster aus. Doch als ich ihn frage, ob ich fotografieren darf, ist er ganz freundlich. Harry Schröder heißt der Wildkräutersammler aus dem Zastlertal und mit seinen selbstgemachten Pestos und Chutneys ist er inzwischen zu einer Freiburger Institution geworden. Mit frisch erworbenem Bärlauch-Peschto in der Tasche ziehen wir weiter durch die schmalen Gassen.

Die Universität liegt mitten in der Innenstadt

Straßenbahnlinie 5
Haltestelle Stadttheater

Nachdem wir das Münster einmal umrundet haben, steigen wir am Bertoldsbrunnen wieder in die 5 und fahren eine Station weiter bis zur Haltestelle Stadttheater. Schon beim Aussteigen fallen mir die vielen Fahrräder und  jungen Leute auf. Schlägt hier das Herz der Studentenstadt? Nun, nur ein paar Schritte entfernt befindet sich die „alte Universität“ mit dem Uni-(mu)seum und gegenüber direkt an der Bertoldstraße liegt das  Kollegiengebäude II, dahinter schließt sich dann der Uni-Campus an.

Freiburgs Albert-Ludwig-Universität zählt zu den renommiertesten, ältesten und größten Unis in Deutschland. Mir gefällt besonders der Blick auf den Platz der alten Synagoge mit Unibibliothek und Stadttheater. Die Gebäude bilden einen schönen Kontrast zwischen alt und modern und symbolisieren für mich die Gegensätze der Stadt. Denn Freiburg ist auch ein wachsender und sich weiter entwickelnder Standort.

Im Stühlinger

Straßenbahnlinie 5
Haltestelle Eschholzstraße

Vom Stadttheater ist es nicht mehr weit bis zum Hauptbahnhof.  Und eh du dich versiehst ist die Straßenbahn schon auf der anderen Seite im Stühlinger gelandet. Dies ist ein beliebtes Wohn- und Ausgehviertel. Direkt an der Haltestelle Eschholzstraße befindet sich die alteingesessene Café-Bar Brasil und ein paar Schritte weiter das Café Satz, eine Mischung aus Antiquariat, Café und Buchhandlung.

Spaß macht es, über die blaue Wiwili-Brücke zu laufen. Erst habe ich gedacht, dass das ein alemannisches Wort ist – so wie Sächeli, Kleberli, Lädeli – aber weit gefehlt. Wiwili ist eine Stadt in Nicaragua und seit 30 Jahren Partnerstadt von Freiburg, deshalb wurde diese blaue Brücke nach ihr benannt.

 

Straßenbahnlinie 5
Haltestelle Hauptfriedhof

Hauptfriedhof – ein Stück Münster für die Ewigkeit

Nach dem quirligen Treiben in der Innenstadt genießen wir die Ruhe auf dem Hauptfriedhof. Er ist parkähnlich angelegt und hat ein imposantes Eingangsportal.  Rechts und links des Eingangs wachen zwei Engel über die Besucher. Schnurstracks läuft man geradewegs auf die Einsegnungshalle zu. Gleich neben der Hauptallee liegen die Gräber der Ehrenbürger Freiburgs. Uns fällt eine Parzelle auf, die dafür wirbt, alte Bausteine, die bei der Renovierung des Münsters ausgemustert werden, als Grabdenkmal zu nutzen. „Ein Stück Münster für die Ewigkeit“ – eine nette Idee wie wir meinen, und wir entdecken auch einige Gräber, die bereits damit geschmückt sind.

Am alten Güterbahnhof Nord

Straßenbahnlinie 5
Haltestelle Rennweg

Nördlich des Hauptfriedhofs ging es früher zugig zu, doch auf dem Gelände des Güterbahnhofs Nord werden Güterzüge schon längst nicht mehr verschoben. Nur die denkmalgeschützte Güterhalle ist von der Industriekultur übriggeblieben. Noch steht sie etwas verloren in dem riesigen Areal herum, doch die Baukräne ringsherum zeugen davon, dass sich das bald ändern wird. Das riesige Areal soll mit Wohnungen, Gewerbeeinheiten bebaut werden. Ich hoffe nur, dass keine Betonwüste entsteht, sondern noch was vom Charme der alten Zeit erhalten bleibt.

Straßenbahnlinie 5
Haltestelle Hornusstraße

Nicht wirklich schön ist die Gegend rund um die Hornusstraße, unserer Endstation.  Zu Spitzenzeiten fährt die 5 bis Zähringen, an diesem Samstag aber nicht. Wir fahren zurück und entscheiden uns, noch den Streckenabschnitt südlich des Bertoldsbrunnen zu erkunden.

Im Süden Freiburgs: Durchs Martinstor bis raus nach Rieselfeld

Vom Bertoldsbrunnen fährt die Linie 5 durchs Martinstor, am Holzmarkt vorbei und dann über die Dreisam. Kurz bevor sie in die Basler Straße einbiegt, steigen wir an der Johanneskirche aus und machen einen Spaziergang durch die Wiehre. Wir schauen uns die prächtigen Altbauten und Vorgärten an und sammeln Ideen, wie wir auch unseren Zaun zuhause mit Efeu begrünen können. An der Ecke Kirchstraße/Konradstraße entdecken wir das Graffitihaus.

Straßenbahnlinie 5
Haltestelle Johanneskirche

„Für die Kinder und die, die im Herzen jung geblieben sind“ (so steht es auf der Hauswand)  hat der Künstler Tom Brane dieses Haus mit Tieren und Pflanzen bemalt, das mich sofort an „Alice im Wunderland“ erinnert. Seit Herbst 2016 ist das Gemälde fertig und hat unter den Freiburgern  einen erbitterten Streit entfacht, ob das Haus so bunt noch denkmalgerecht in die Wiehre passt. Klar, es fällt auf, ist aber meines Erachtens das schönste Haus in der Kirchstraße. Am besten machst du dir selbst mal ein Bild davon.

An der Haltstelle Reiterstraße steigen wir wieder in die Tram und fahren mit der 5 am Pressehaus vorbei durch Haslach und Weingarten bis hinaus nach Rieselfeld.

Endstation Rieselfeld – Wohnen im Grünen und eine total moderne Kirche

Freiburgs jüngster Stadtteil liegt im Westen der Stadt und grenzt direkt an das gleichnamige Naturschutzgebiet, in dem neuerdings auch Wasserbüffel grasen. Rieselfeld ist nicht ganz so grün wie das Oko-Vorzeigequartierl Vauban, aber dennoch modellhaft für nachhaltiges und offenes Bauen. Viele junge Familien wohnen hier, und die Stadtbahnlinie 5 ist die wichtigste Verbindung in die Innenstadt.

Straßenbahnlinie 5
Haltestelle Maria-von-Rudloff-Platz

 

 

 

Die vorletzte Haltestelle „Maria-von-Rudloff-Platz“ ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Total modern mit viel Glas und Beton präsentieren sich hier zwei Gebäude. Das gibts ein Glashaus als Kulturzentrum und die Maria-Magdalena-Kirche.  Sie sieht mit ihren schiefen ineinander gebaut Sichtbetonwänden richtig archaisch aus und bildet als Abschluss unseres Städtetrips einen schönen Kontrast zum Münster. Zukunftsweisend finde ich auch die Nutzung des Gebäudes: die katholische und die evangelische Kirchengemeinde wohnen hier gemeinsam unter einem Dach.

Fazit dieses besonderen Städtetrips mit der Straßenbahn

Straßenbahnlinie 5
Alle Infos zur Strecke

Auf der Strecke liegen vier Kirchen, ein Friedhof, die Universität und die Innenstadt mit dem Münster. In Freiburg wird viel gebaut und bietet mehr als Gässle, Bächle und Münster. Und man kann sich an der Stadt auch reiben.

Diese Fahrt kannst du so noch bis zum Frühjahr 2019 machen, dann tritt eine neue Streckenführung in Kraft, über die man im Rieselfeld nicht besonders erfreut ist… aber das ist wieder eine neue Geschichte.

 

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