Museumstrip nach Frankfurt am Main: 5 Museen mit der Linie 5

Was zeigen die  Frankfurter Museen im Winter 2018/2019? Die Linie 5 besucht fünf Museen rund um die U-Bahnhaltestelle Dom/Römer.

Wie schön! Eine milchige Suppe hängt heute über Frankfurt. Es ist neblig und kalt, perfektes Herbstwetter für einen Museumsbesuch. Einen? Fünf Museen möchte ich mir anschauen. Auf die Idee hat mich eine Einladung der Webgrrls zum gemeinsamen Besuch der Ausstellung „Damenwahl“ gebracht. Bei der Gelegenheit habe ich nachgeschaut, wo das Historische Museum liegt: Ah, nicht weit weg von der U5-Haltestelle Dom/Römer. Und ganz in der Nähe sind vier weitere Museen. Mein Plan steht: 5 Museen mit der Linie 5 in 5 Stunden.

Mein Museumsmarathon startet um 12 Uhr an der U-Bahn-Haltestelle Dom/Römer.  Die Rolltreppe bringt mich nach oben.  „Fahren ist keine Kunst“, „Nach oben schauen ist keine Kunst“ und „In die Schirn gehen ist keine Kunst“ prangt in großen bunten Lettern an den Wänden des U-Bahn-Ausgangs. Mir gefällt das. Gut gelaunt lege ich die paar Schritte zum Eingang zurück und betrete das Foyer der Schirn Kunsthalle.

#1Schirn Kunsthalle Frankfurt

Schirn Kunsthalle
König der Tiere
bis 27.1.2019
Wildnis bis 3.2.2019

Die Schirn lädt zur Expedition in die Wildnis ein und zeigt zwei thematisch eng verwandte und doch ganz unterschiedliche Ausstellungen. Auf der einen Seite gibt es klein- und großformatige Ölgemälde, die naturgetreu beinahe schon fotografisch Elefanten, Zebras, Wasserbüffel und als Hauptmotiv Löwen, einzeln und in Gruppen, in der ostafrikanischen Savanne abbilden. „König der Tiere“ lautet daher auch der Titel der Retrospektive, die dem Maler Wilhelm Kuhnert gewidmet ist. Kuhnert lebte Ende 19. / Anfang 20. Jahrhundert, als Deutschland noch Kolonien in Afrika besaß. Seine Tierstudien faszinieren mich und ich fühle ich mich sofort in den Film „Jenseits von Afrika“ versetzt. Die Welt der Kolonialzeit, Savanne und Großwildjäger wird lebendig. Und ich erfahre, dass er auch Werbegrafiken, Schulbücher und Brehms Tierleben illustriert hat und entdecke ein Sammelalbum der Schokoladenfabrik Stollwerck mit Tiersammelbildern. Ja, der „Löwen-Kuhnert“ hat wohl wie kein anderer unser romantisches Bild von der Wildnis in Afrika geprägt.

Die zweite Ausstellung in der Schirn greift das Thema „Wildnis“ breiter auf.  Wildnis, das ist unberührte Natur, das sind unwirtliche Gegenden abseits der Zivilisation. Aber auch die Wildnis im Menschen und die Wildnis in der Gesellschaft werden thematisiert.  100 Werke von ganz unterschiedlichen Künstlern wie Jean Dubuffet, Max Ernst, Asger Jorn, Geor­gia O’Keeffe, Gerhard Richter, Frank Stella, Thomas Struth, Henri Rous­seau und Carle­ton E. Watkins haben die Ausstellungsmacher zusammengetragen. Zu sehen sind nicht nur Gemälde, sondern auch Fotografien, Grafiken, Videoarbeiten und Skulpturen. Das macht die Ausstellung sehr abwechslungsreich.

Die zwei Stunden in der Schirn sind schnell rum und so spare ich mir einen längeren Aufenthalt im schönen Café und gehe gleich weiter …

#2Museum MMK für Moderne Kunst

… einmal um den Dom herum und lande vorm Hauptgebäude des Frankfurter Museums für Moderne Kunst. Das wird wegen seines Grundrisses auch „das Tortenstück“ genannt. Das MMK ist stolz darauf, eine umfassende Werkschau der amerikanischen Objekt- und Installationskünstlerin Cady Noland präsentieren zu können. Alle drei Etagen sind ihr gewidmet. Als erstes Objekt sehe ich ein Metallgestell mit einer zusammengerollten amerikanischen Flagge .

MMK
Cady Noland
bis 31.3.2019

Die US-Flagge und die Metallstangen begegnen mir beim Rundgang immer wieder. Dazu gesellen sich mal Autoreifen, Bierdosen, ein Grill oder Auspuffrohre. Cady Noland arrangiert die Alltagsgegenstände scheinbar zufällig, doch dann entdecke ich auch Waffen, Handschellen und Schlagstöcke dazwischen. Das irritiert. Den Kern der Ausstellung fasst Niklas Maak sehr gut in seiner Rezension in der FAZ vom 19.11.2018 zusammen: „Aus ihrem Alltagsleben herausgerissen und in den klinisch weißen Museumsbau gebracht, liegen die Dinge da wie auf einem Seziertisch, auf dem der amerikanische Traum einer Autopsie unterzogen wird – und je länger man die Auspuffrohre, Baugerüste und Bierdosen, die Handschellen und Gummireifen anschaut, desto unheimlicher sehen sie aus.“

Für die Künstlerin äußert sich Gewalt nicht nur im Handeln, sondern auch über Gegenstände deren Form und Materialität. Nolands Arbeiten stammen aus der Reagan-Ära. Ich finde, dass sie heute mit Trump als Präsident aktueller denn je sind. Aus urheberrechtlichen Gründen darf ich von den Installationen leider keine Fotos auf dem Blog veröffentlichen. Also am besten gleich selbst vorbeischauen.

Nach dem Besuch des Haupthauses, bin ich noch ins Zollamt MMK schräg gegenüber. Das Video „Blood in my milk“ von Marianna Simnett ist wirklich „hard stuff“. Viele Besucher gehen gleich nach den ersten Sequenzen. Ich gestehe, dass ich das Video (immerhin 73 Minuten) auch nicht bis zum Schluss angesehen habe, mir fehlt die Zeit und die Bereitschaft mich auf das schwierige Thema einzulassen.

Zwischenstopp beim Kunstverein

Frankfurter Kunstverein
Die große Illusion
bis 17.3.2019

Jetzt bin ich reif für eine Pause und freue mich auf Kaffee und Kuchen beim Kunstverein. Bevor ich ins Café eintrete, schaue ich mir noch die Außeninstallation an, die aussieht wie  eine geknickte Bauschuttrutsche. Sie heißt „Die Große Illusion“ und spielt auf die  „neue Altstadt“ an, in der nicht alles so alt ist, wie es aussieht. Wie ein silberner Wurm windet sie sich über das Dach des Kunstvereins und hält der gefakten Altstadt und ihren Besuchern einen Spiegel vor.

#3Caricatura Museum

Gestärkt gehe ich dann zum Caricatura Museum am Weckmarkt. Das ist typisch für Frankfurt, denn hier wurden in den 70er und 80er-Jahren die Satire-Kultblätter Pardon und Titanic herausgegeben. In der ständigen Ausstellung zeigt das Museum Werke der Herausgeber und sogenannten Frankfurter Schule F. W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler und F. K. Waechter.

Caricatura Museum
Volker Kriegel
bis 20.1.2019

Daneben gibt es auch Sonderausstellungen. Aktuell ist Volker Kriegel zu sehen. Der Name sagt mir nichts, doch als ich seine Zeichnungen sehe, macht es klick.  Kennt man doch, den Strich. Und in Vorfreude auf Weihnachten zeige ich euch hier eine Abbildung aus „Erna, der Baum nadelt.“

Gut gefallen haben mir auch die Medienlounge im vierten Stock und der Ausblick vom Balkon auf die Altstadt und Skyline. Und im Shop kannst du jede Menge Satire kaufen.

#4Junges Museum Frankfurt

Junges Museum
Dagegen! Dafür? Revolution. Macht. Geschichte!
bis 2020

Inzwischen ist es draußen richtig dunkel geworden. Wenn heute nicht langer Museumsabend wäre, wäre jetzt Schluss. Doch so laufe ich die Saalgasse hinunter bis zum Historischen Museum, in dem auch das Junge Museum untergebracht ist. Bis zur Führung  „Damenwahl“  habe ich noch etwas Zeit und werfe einen Blick ins „Junge Museum“. Von der Ausstellung Dagegen! Dafür? Revolution. Macht. Geschichte! bin ich begeistert. Sie nimmt vier Revolutionen und Protestbewegungen in Augenschein und vermittelt sie Kindern und Jugendliche sehr haptisch und spielerisch. So spannend kann Stadtgeschichte sein! Das macht auch Erwachsenen Spaß!

 

#5Historisches Museum Frankfurt

Viertel vor sieben, jetzt aber hopllahopp – die anderen Webgrrls sind schon da. Die Führung zur Ausstellung „Damenwahl  –  100 Jahre Frauenwahlrecht“ beginnt.

Historisches Museum
Damenwahl
bis 20.1.2019

Am 19. Januar 1919 durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen und sich wählen lassen. Was uns heute selbstverständlich erscheint, musste hart erkämpft werden. Die Ausstellung beleuchtet die Anfänge der Frauenbewegung im Kaiserreich bis hin zu ihrer ideologischen Spaltung im Nationalsozialismus und den Entwicklungen der Gegenwart.

Sehr detailliert und faktenreich berichten die Kuratorin Dorothee Linnemann  und die Rabbinerin Elisa Klaphek über die Aktivistinnen der ersten Stunde und ihre Schlüsselfiguren Bertha Pappenheim, Leiterin des Israelitischen Frauenvereins in Frankfurt, und Toni Sender, Kriegsgegnerin und Generalsekretärin des Frankfurter Arbeiterrates. Die Frankfurter Details interessieren mich ehrlich gesagt nicht so sehr, aber die Gesamtzusammenhänge und der aktuelle Bezug der Ausstellung zur Gegenwart sind beeindruckend. Welche Rollen spielten die Parteien, wie setzte sich das erste Parlament zusammen und wie sieht es aktuell aus? Hättest du gewusst, dass beispielsweise im aktuellen Bundestag der Frauenanteil nur 36% beträgt und nach wie vor Frauen heute in Deutschland durchschnittlich 18% weniger als Männer verdienen? Es gibt nach wie vor viel zu tun, um Gleichberechtigung herzustellen. Deshalb endet die Ausstellung auch mit der Frage: „Was ist für dich ein wichtiges feministisches Thema?“ Für die Besucher liegen Zettel und Stift bereit, diese zu beantworten.

Nach der Führung, die länger dauert als geplant, bleibt noch Zeit für ein kurzes Schwätzchen und schon geht mein Zug zurück nach Stuttgart. Jetzt bin ich aber auch platt. Die 5 Museen habe ich geschafft, nicht in 5, sondern in 9 Stunden.

Mein Fazit: Wenn du an der Haltestelle Dom/Römer aussteigst, stolperst du gerade von einem Museum ins andere und durchweg alle zeigen diesen Herbst und Winter interessante Ausstellungen. Ein Museumstrip mit erfrischend kurzen Wegen…

Die Museen auf einen Blick:

Gilt für alle: Montag geschlossen, Mittwoch langer Museumsabend! Mit der Frankfurt Card kannst du den ÖPNV in Frankfurt kostenlos nutzen und erhältst Nachlässe auf alle Eintritte.

Schirn Kunsthalle

MMK Museum Moderne Kunst

Caricatura Museum

Historisches Museum Frankfurt

Fotonachweise: von oben n. unten: Schirn Kunsthalle Norbert Miguelz, Museum Moderne Kunst MMK,Axel Schneider, Historisches Museum Frankfurt, Moritz Bernoully.

Schirn Kunsthalle Frankfurt
Die Schirn zählt zu den renommiertesten Ausstellungshäusern in Europa. Sie wurde 1986 eröffnet und in ihr wurden seither über 240 Ausstellungen gezeigt. Sie hat keine eigene Sammlung, Sehr modern, tolle Digitorials und Veranstaltungen wie „Schirn at night“.
Für wen? Für alle, die an aktuellen Entwicklungen in der Kunst interessiert sind.
Eintritt? Die Eintrittspreise variieren je nach Ausstellung, bis 8 Jahre freier Eintritt
Aktuell zu sehen: König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika. bis 27.1.2019, Wildnis bis 3.2.2019, Maria Loboda bis 3.2.2019
Info: www.schirn.de

Museum MMK für Moderne Kunst
Das Tortenstück unter den Museen. Die Sammlung umfasst über 5.000 Werke der Kunst der Gegenwart seit den 1960er-Jahren und zählt zu einem der international wichtigsten Bestände zeitgenössischer Kunst.
Für wen? Für alle, die Verständnis für Kunst mitbringen.
Eintritt? 12 € und Kombiticket 16 €, bis 18 Jahre freier Eintritt
Aktuell zu sehen: Cady Noland bis 31.3.2019,
Info: www.mmk.de

Caricatura Museum für komische Kunst
Das Museum mit dem höchsten Humorgehalt der Weltmuseumsszene. Die Dauerausstellung, die in gewissen Abständen wechselt, zeigt Texte, Zeichnungen und Plastiken von Künstlern der Neuen Frankfurter Schule. Daneben gibt es Sonderausstellungen zeitgenössischer Künstler.
Wo? Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt
Für wen? Für alle, die Satire und Cartoons lieben und gerne lachen.
Eintritt? 6 €, bis 18 Jahre freier Eintritt
Aktuell zu sehen: Volker Kriegel bis 20.1.2019
Info: www.caricatura-museum.de

Historisches Museum Frankfurt
Was macht Frankfurt aus? Wie wurde in der Mainmetropole gelebt, was unterscheidet sie von anderen Städten? Das Museum hat 15 Sammlungsbereiche, in denen Objekte rund um Frankfurt und seine Geschichte gesammelt werden.
Für wen?
Für Frankfurt-Experten und solche, die es werden wollen.
Eintritt?
Dauerausstellung 8 €, Wechselausstellung 10 €, Kombiticket 12 €, bis 18 Jahre freier Eintritt
Aktuell zu sehen:
Damenwahl. 100 Jahre Frauenwahlrecht bis 19.1.2019
Info:
www.historisches-museum-frankfurt.de

Junges Museum Frankfurt
Das Junge Museum befindet sich in den Räumen des Historischen Museums und zeigt interaktive Ausstellungen, die eigens für die Zielgruppe der 6- bis 14-Jährigen konzipiert werden.
Für wen? Für Kinder und jung gebliebenen
Eintritt? bis 18 Jahre freier Eintritt, Erwachsene 4 €
Aktuell zu sehen: Dagegen! Dafür? Revolution. Macht. Geschichte.
Info: www.junges-museum-frankfurt.de

 


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