Städtetrip: Fahr mal Linie 5 in Lübeck

Das ist spannend. Wenn du mit der Buslinie 5 durch Lübeck fährst, kommst du in die schnuckelige UNESCO-Welterbe-Altstadt und fährst direkt an Lübecks Wahrzeichen, dem Holstentor vorbei. Du entdeckst bei der Busfahrt aber auch Wohngegenden, wie die beschauliche Finnland-Siedlung in Eichholz und den Stadtteil Moisling. 

Alle Infos zur Buslinie 5
in Lübeck

Start am ZOB gegenüber dem Hauptbahnhof

Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) in Lübeck liegt direkt gegenüber dem Hauptbahnhof und ist wie alle ZOBs nicht besonders schön. Von dort kannst du die Linie 5 in zwei Richtungen fahren: Ab Bussteig 4 in Richtung Eichholz/Herrnburg und ab Bussteig 10 nach Westen zur Endhaltestelle Moisling/Oberbüssauer Weg. Ich empfehle dir, zuerst nach Eichholz/Herrnburg zu fahren.

Teil 1: Vom ZOB nach Eichholz/Herrnburg

Die Linie 5 fährt direkt am Holstentor – dem Wahrzeichen Lübecks – vorbei und dann über die Wahmstraße quer durch die Altstadt. Sie verlässt die Innenstadt ostwärts über die Krähenstraße und biegt an der Haltestelle Kaufhof nach Südosten Richtung Eichholz/Herrnburg ab.

Sehenswürdigkeiten in der Lübecker Altstadt

Linie 5-Haltestellen
Holstentorplatz
Kohlmarkt

Blick vom Aussichtsturm St. Petri
Vom Turm der St. Petri-Kirche hast du einen herrlichen Panoramablick auf die Altstadt. Die Innenstadt liegt dir –  wie eine Insel für die Glückseligen und Touristen – zu Füßen, ringsum vom Wasser der Trave umgeben.

Richtung Westen entdeckst du das Holstentor und weiter nordöstlich die Marienkirche, den Markt, das Buddenbrockhaus und das Rathaus. Der Turm ist täglich geöffnet, im Sommer von 9 bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 4 Euro.

Rathaus
Turmspitzen, Schmuckbalkone und eine Wand „just for show“ mit runden Gucklöchern lassen das Rathaus wie ein Märchenhaus aussehen. Es ist über mehrere Jahrhunderte in verschiedensten Stilrichtungen erbaut und erweitert worden und spiegelt die ganze Pracht und den Reichtum der Hansestadt wieder.

Diese Gucklöcher in den Himmel finde ich schon sehr faszinierend. Die prächtigen Säle des Rathauses kannst du nur mit einer Führung besichtigen. Die Rathausführungen finden Montag – Freitag 11 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr / sonnabends sowie an Sonn- und Feiertagen 12 Uhr statt (Termine der Führungen unter Vorbehalt). Die Kosten betragen 4 Euro.

Weltbekannt: Marzipan aus Lübeck
Dem Rathaus gegenüber ist eine andere großartige Lübecker-Tradition beheimatet. Das Stammhaus des Marzipanunternehmens Niederegger, das heute ein kleines Museum, einen Laden und ein Café beheimatet. An diesem Samstag kurz vor Ostern ist der Andrang enorm, und auch ich kann nicht wiederstehen: Marzipaneier, Blätterkrokant und Osterhasen wandern in mein Einkaufskörbchen, ruckzuck sind 30 Euro weg. Im Café probiere ich ein Stück Haus-Nusstorte mit Marzipan, sehr lecker und gar nicht so süß, wie ich es erwartet hatte. Auch Marzipan-Eis gibt es hier.

Das kleine Museum im zweiten Stock informiert über die Geschichte des Marzipans. So kommt es  ursprünglich aus dem Orient und galt bis zum 18. Jahrhundert als Heilmittel, das ausschließlich von Apothekern hergestellt wurde.

Wenn du in Lübecks Altstadt unterwegs bist, lohnt der Blick nach oben, auf die besonderen Häusergiebel.

Handwerkerviertel
Gut gefallen hat mir die Lübecker-Altstadt auch im ehemaligen Handwerkerviertel rund um die Ägidenkirche. Das Viertel wirkt nicht ganz so touristisch und etwas beschaulicher. Hätte ich mir nicht schon im Café Niederegger den Bauch vollgeschlagen, wäre ich im Café Sofa eingekehrt. Sieht doch sehr nett aus? Ganz in der Nähe befindet sich auch das Museumsquartier St. Annen.

 

Linie 5-Haltestelle
Kaufhof

Auf Marli, doch wo ist der Kaufhof?

Der Bus Nr. 5 verlässt die Innenstadt über die Moltkestraße, fährt über die Wakenitz und an der Anlegestelle des Ausflugsschiffs vorbei.

Hanseatische Bürgerhäuser säumen die Moltke- und Walderseestraße bis hinauf „auf Marli“ und zur Haltestelle „Kaufhof“.  Doch wo ist der Kaufhof? Auch der Busfahrer weiß keine Antwort darauf,  „Die Haltestelle hieß schon immer so“, meint er. Google verrät mir später, dass dort 2010 ein in den 50er Jahren gebautes Kaufhaus abgerissen wurde, nur der Name sei geblieben und ein paar Läden ringsum.

Finnlandsiedlung in Eichholz

Linie 5-Haltestelle
Eichholz

Vom Kaufhof folgt der Bus der Brandenbaumer Landstraße Richtung Südosten. In Eichholz ist man vollends in der ländlichen Idylle und Beschaulichkeit angekommen. Wenn du von der Haltestelle aus, rechter Hand den Huntenhorster Weg einschlägst, erreichst du die Finnlandsiedlung und das Naturbad Kleiner See an der Wakenitz. Im Sommer ist es sicherlich herrlich hier.
Die Siedlungsidylle hat aber einen politischen Hintergrund. Im russisch-finnischen Winterkrieg 1939/40 unterstützte das Deutsche Reich Finnland mit Waffen und Munition. Diese Waffen bezahlte Finnland mit Holz und lieferte eine größere Anzahl Fertigholzhäuser. So entstand 1943/44 die Finnlandsiedlung.

Für meinen Peter Pan-Bus ist in Eichholz Endstation. Alle paar Stunden fährt der Bus der Linie 5 noch weiter bis Herrnburg/Bahnhof.

Teil 2: Vom ZOB nach Moisling/Oberbüssauer Weg

Vom ZOB fährt der Bus ab Bussteig 10 durch St. Lorenz Süd am Drägerwerk und Hansaring vorbei  bis raus nach Alt-Moisling.

Zunächst säumen Altbauten aus der Gründerzeit die Straßen, in der Meierstraße 16 (Haltestelle Lachswehrallee) ist Willy Brand geboren. Das Dräger-Werk – weltbekannter Hersteller für Medizin und Sicherheitstechnik – hat eine eigene Haltestelle, es folgen die Haltestellen Hansering, Lutherkirche und Roter Löwe.  Dann gehts weiter aufs Land zu den Stadtteilen Buntekuh und Alt-Moisling mit ihren Trabantensiedlungen.

Mietskasernen aus den Siebzigern

Linie 5-Haltestellen
Moislinger Baum
Oberbüssauer Weg

Alt-Moisling und Buntekuh tauchen in Lübecks Touristenbroschüren nicht auf.

 

An diesem Samstagnachmittag ist es ganz friedlich und ich komme mir etwas voyeuristisch vor, beim Streifen durch die Straßen.

Irgendjemandem ist wohl eingefallen, die Straßennamen nach Märchen der Gebrüder Grimm und Andersen zu benennen. Da gibt es einen Sterntalerweg, den Ilsebillweg, den Schneewittchenweg und den Andersenring. Im Rotkäppchenweg hat ein Künstler eine backsteinrote Giebelwand der Mietshäuser bemalt.

Mich fasziniert die Gegend. Doch leider fehlt mir die Zeit, mit Bewohnern ins Gespräch zu kommen und einen Blick hinter die meterhohen Backsteinfassaden des Blocks zu werfen.

Mein Fazit zu Lübeck

Die zweite Fahrt mit der Linie 5 hat mich zum Nachdenken gebracht. Wie viele Städte, hat auch Lübeck zwei Seiten. Doch warum loben die Touristenämter nur die Schokoladenseiten aus?

Was meinst du? Möchtest  du im Urlaub das Schöne sehen, oder interessierst du dich auch für die Probleme einer Stadt? Schreib mir. Ich freue mich darauf.

 

 

  1. Sabine Friedrich

    Hallo,
    ich finde es ziemlich anmaßend, wie du über den Stadtteil Moisling in Lübeck berichtest. Wie du selbst schreibst, hast du dich nicht mit den Bewohnern von Moisling unterhalten. Das hättest du tun sollen…
    Ja, Moisling hatte seine Probleme. Und ja, der „Hudekamp“ – am Rand von Moisling und sein Hochhaus waren tatsächlich lange Jahre bekannt für Kriminalität. Die Reportage ist auch schon älter.
    Heute sieht das alles anders aus. Wir haben hier immer noch viele Ausländer. Das meine ich aber im positiven Sinne. Denn es ist ein gutes Miteinander geworden. Viele Häuser werden nach und nach saniert. Kein Ortsteil von Lübeck hat soviel Grün zu bieten wie Moisling. Wir haben Parks, die Auen, den Elbe-Lübeck-Kanal, die Trave…
    Hier halten die Leute zusammen. Und es wird auch geholfen, wenn man fremd ist.
    Auch von der Stadt Lübeck aus wird einiges getan. Moisling bekommt ein neues „Zentrum“ und einen eigenen Bahnhaltepunkt für die Bahnstrecke Lübeck-Hamburg. Gerade ist ein neuer Spielplatz eingerichtet und eingeweiht worden. Natürlich gibt es auch mal Ärger. Aber nicht mehr als in anderen Stadtteilen Lübecks.
    Alle Leute die ich kenne, leben gerne hier und wollen auch nicht weg. Ach.. und es gibt übrigens viele hier, die sich locker mehrere Kilo Marzipan von Niederegger leisten können. Und das täglich. Du warst wohl nicht in den richtigen Straßen…
    Gruß aus Moisling
    Sabine

    • Hallo Sabine,
      herzlichen Dank für deine klaren Worte. Ich habe den Beitrag nochmals gelesen. Ich möchte mich entschuldugen, es war nicht in meinem Sinne über irgendetwas herablassend zu schreiben. Das steht mir wirklich nicht zu. Die Passage zu Moisling habe ich in einem ersten Schritt gekürzt. Zu mehr komme ich heute leider nicht mehr. Aber gerne nehme ich deine Anmerkungen mit auf. Ich melde mich bei Dir. Grüße Heike

  2. Pingback: Buslinie 5 in Lübeck - Linie 5

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