Die Linie 5 in Hamburg: „Unter der Woche ist der Bus immer brechend voll“

Mit Busfahrer Dennis vom Hamburger Hauptbahnhof nach Burgwedel und retour

Mit der Buslinie 5 einmal quer durch Hamburg!

Ich starte kurz nach neun am Hamburger Hauptbahnhof. An den Bahnsteigen herrscht schon reges Kommen und Gehen. Kein Wunder, es ist der Samstag vor dem vierten Advent und kommenden Montag ist Heiligabend. Im Bahnhof fallen mir ddie vielen Polizisten auf. Immer mehr positionieren sich an den Übergängen zur S-Bahn! “Hoffentlich keine Terrorwarnung“, ist mein erster Gedanke. Doch ein Passant beruhigt mich: „St. Pauli spielt heute gegen Magdeburg und in diesen Minuten werden die ersten Fans erwartet…“

Erleichtert bahne ich mir den Weg durch den Bahnhof bis zum Südausgang. Die Linie 5 fährt heute nicht am Zentralen Omnibusbahnhof ab, sondern an einer Ersatzhaltestelle. Ich muss ein bisschen suchen, bis ich sie hinterm Museum für Kunst und Gewerbe entdecke.

Heute gibt es die Linie 5 mit Umleitungen

An der Haltestelle klebt dann noch ein Schild mit dem Hinweis, dass heute der Streckenabschnitt von der Mönckebergstraße über den Jungfernstieg bis Gänsemarkt gesperrt sei und der Bus eine Umleitung fahre. „So was Blödes“, denke ich „da liegen doch die touristischen Highlights“. Ich beschließe sie später zu Fuß abzulaufen und hoffe, dass das Wetter mitspielt. Im Moment herrscht Hamburger Schietwetter: trüber Himmel, 7 Grad, leichter Nieselregen. Nicht die besten Aussichten für Sightseeing und schöne Fotos.

Doch zum Trübsal blasen habe ich gar keine Zeit, der Bus kommt. Ich steige ein und setze mich gleich vorn neben den Fahrer. Als erstes will ich mir einen Überblick über die Strecke verschaffen und bis zur Endhaltestelle fahren. Der Bus ist noch ganz leer und auch an den nächsten Haltestellen steigen kaum Leute ein. Mein Busfahrer hat Zeit für ein kleines Gespräch.

„Man hat viel zu gucken und es immer viel los.“

Dennis heißt er, ist Hamburger und fährt erst seit ein paar Monaten den Bus. Die Linie 5 fährt er gerne: „Man hat viel zu gucken und es ist immer viel los.“

Metro-Buslinie, weil sie an wichtigen Übergängen zur U-Bahn hält

Die Strecke ist ungefähr 15 Kilometer lang und führt vom Hauptbahnhof über das Uni- und Grindelviertel über Rothenbaum, Eppendorf, Niendorf und Schnelsen bis raus nach Burgwedel. Als sogenannte Metro-Buslinie sorgt sie an 365 Tagen im Jahr für sichere Anschlussmöglichkeiten an das Hamburger U-Bahn-Netz.

60.000 Menschen fahren täglich Linie 5

Inzwischen haben wir die City umfahren und sind an der Haltestelle „Stephansplatz“ angekommen. Ab hier fährt der Bus wieder auf der normalen Strecke. Wir passieren den Dammtorbahnhof, fahren die Grindelallee hoch Richtung Hoheluftbrücke. „Unter der Woche ist der Bus immer brechend voll“, erzählt mir Dennis. Viele Studenten nehmen die Verbindung, um zur Uni zu kommen. Dann zeigt er mit dem Finger auf die Fahrbahn. „Zum Glück habe ich hier eine eigene Busspur. Auf der habe ich Vorfahrt an Ampeln und Kreuzungen und bin schneller als der normale Verkehr.“ Busbeschleunigung nennen sie das in Hamburg, und in den vergangenen Jahren wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt, damit die Fahrgäste noch schneller und pünktlicher ans Ziel gebracht werden. Immerhin nutzen 60 000 Menschen täglich die Linie 5. Damit zählt sie zu den meist befahrenen in ganz Europa.

Die Buslinie 5 verläuft auf der gleichen Strecke, wie die ehemalige Straßenbahnlinie 2.“

Es ist jetzt kurz nach zehn, Eppendorf liegt hinter uns, der Bus fährt durch bürgerliche Wohngegenden. In Nedderfeld grüßt rechter Hand ein großer Baumarkt. Dort stand früher das Straßenbahndepot Lokstedt. An die alten Zeiten erinnert im Baumarkt ein historischer Tramwagen der Linie 2. Die Metro-Buslinie 5 fährt die gleiche Strecke, wie die Straßenbahnlinie 2, die 1978 eingestellt wurde.

Nichts los in Burgwedel

Zwei Minuten später soll ich nach rechts blicken. „Da drüben liegt der Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel“, erzähltt Dennis. „Bei klarer Sicht kannst du die Flugzeuge starten und landen sehen.“ Doch im Moment ist nichts zu sehen. Wir fahren weiter nach Niendorf und passieren kurz vor Schnelsen die Baustelle für den A7-Deckel. Um Viertel vor elf erreichen wir die Endhaltestelle in Burgwedel.

Dennis hat nur Zeit für eine Zigarettenpause, dann muss er schon wieder zurück in die Stadt. Auch ich entschließe mich, gleich mit ihm wieder zurückzufahren.

Der Riesenbus ist 21 Meter lang, da sind Fahrkünste gefragt

In Schnelsen bewundere ich Dennis Fahrkünste. In der Frohmestraße hat der Bus keine eigene Spur, sondern muss sich durch parkende Autos und seinen Weg bahnen. Und Dennis steuert einen Riesenbus. „Das ist ein Capacity-L-Bus“, erklärt er mir stolz, „der ist 21 Meter lang und da passen rund 200 Fahrgäste rein.“ Bis zum Niendorfer Markt sammeln wir einige Anwohner ein, die im Tibarg einkaufen und den Weihnachtsmarkt besuchen wollen.

Wir fahren weiter, die Kollaustraße hinunter, links liegt jetzt der Flughafen und rechter Hand folgt das Trainigszentrum des 1. FC St Pauli. Die Kiezkicker spielen am Millerntor, trainieren aber hier draußen. Und schon erreichen wir Eppendorf.

Auch samstags ist der Bus voll

Alle Sehenswürdigkeiten auf der Linie 5

Um 11.17 Uhr ist der Bus voll. Dennis hat gut zu tun. Er muss Wechselgeld rausgeben und geduldig Fragen wegen der Umleitung beantworten. Ich lasse ihn in Ruhe seine Arbeit verrichten. Ab dem Gänsemarkt nehmen wir wieder die große Umleitung zum ZOB. Dennis fährt dann noch ein Stück weiter weiter bis zum Elektrobusterminal. Er hat jetzt Zeit für eine kurze Mittagspause und einen Schwatz mit den Kollegen. Bis 14.30 Uhr dauert seine Schicht. und er wird die Strecke sicherlich noch ein paar mal rauf und runter fahren. Ich verabschiede mich und werde mir noch ein paar Sehenwürdigkeiten entlang der Strecke anschauen.

Dennis ist einer von 2000 Busfahrern bei der Hamburger Hochbahn. Er liebt seinen Job und seine Aufgabe „Menschen sicher ans Ziel bringen“. Dafür danke ich Dennis und wünsche ihm „allzeit gute Fahrt“.

Die Linie 5 in Hamburg – kompakt im Überblick

  1. Hallo Heike, toll was du auf deiner 5er-Linie so alles erlebst, spannende Geschichten und immer wieder ein Anlass, Neues zu entdecken. Normalerweise würde man vielleicht Dinge auf der Linie 5 nicht anschauen… weil es keine Sehenswürdigkeit gibt oder oder oder. Aber so gibt es was zu entdecken und die Fahrer freuen sich sicherlich auch über ein wenig mehr Aufmerksamkeit, dass sich jemand für sie interessiert.

  2. Liebe Heike, ich hatte das Gefühl im Bus mitzufahren. Wie schön, dass du Gelegenheit hattest mit Dennis zu sprechen. So ein Blick hinter die Kulissen bzw. in den Alltag von Busfahrern find ich spannend.

    • Danke liebe Astrid, es freut mich sehr, dass dir mein Artikel gefällt. Meine Hochachtung vor dem Beruf ist auch sehr gewachsen: immer im Takt bleiben, immer freundlich und dann die Verantwortung für alle Mitfahrenden, das ist gar nicht so ohne.

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