Frankreich: Div´in – der Bus, der nur im Sommer fährt

Mit dem Cabrio-Bus von Calais zum Cap Blanc-Nez und zum schönsten Strand der Opalküste

Wenn ihr mal nach Calais kommt und ein paar Stunden Zeit habt, dann empfehle ich euch eine Fahrt mit dem 5er-Bus zum Cap de Blanc-Nez. Der Bus startet in der City von Calais am Theater, fährt am Bahnhof, Rathaus und Hafen vorbei, hält in Bleriot Plage und Sangatte und schraubt sich schließlich 120 Meter den Hügel hinauf zum Cap de Blanc-Nez. Von dort habt ihr einen wunderschönen Blick auf den Ärmelkanal, einem der meist befahrenen Seewege weltweit: Im Minutentakt kreuzen die Fähren die Meeresenge und regelmäßig ziehen in der Ferne Containerschiffe vobei. Von der gegenüberliegenden Seite grüßen die Kreidefelsen von Dover, und am Fuße des Caps lädt bei Escalles einer der schönsten Strände der Opalküste zum Baden ein.

Cap Blanc-Nez – die weiße Nase ist das Gegenstück zum Kreidefelsen von Dover

Eine Karte und die Fakten zur Buslinie gibt es hier: Cabrio-Bus 5 von Calais zum Cap Blanc-Nez und weiter nach Escalles

Ich bin im vergangenen Sommer die Strecke andersherum gefahren. Wir haben in Escalles gezeltet, und vom Campingplatz „Le Blanc-Nez“ bin ich zunächst den Fußweg zum Cap hoch gelaufen. Die Rundumsicht von der Steilklippe ist fantastisch: Geradeaus vor mir liegt der Ärmelkanal mit seinem regen Schiffsverkehr, nach rechts in Richtung Calais fällt das Land flach ab und verliert sich in einer weiten Ebene. Auf der anderen Seite des Caps ist das Gelände hügeliger: abgeerntete Felder und frisch gepflügte Äcker zaubern eine schöne Linienführung in die Landschaft und mittendrin liegt das kleine Dorf Escalles malerisch in die Hügel eingebettet. Weil man von hier oben alles gut überblicken kann, wurde das Cap oft für militärische Zwecke genutzt, zahlreiche Bunker und das War Memorial, ein Obelisk zu Ehren der Dover Patrol im Ersten Weltkrieg, erinnern daran.

Mit dem Cabrio-Bus in die Stadt

Bevor ich in den Doppeldeckerbus steige, mache ich noch schnell ein paar Fotos von ihm und von der Haltestelle. Es ist ein Cabrio-Bus – oben offen! Herrlich, während der Fahrt hügelabwärts kühlt der Fahrtwind mein verschwitztes Gesicht. Ich bin der einzige Gast, der an diesem Samstag um die Mittagszeit in Richtung Stadt fährt  – alle anderen strömen angesichts der letzten Augusthitze zum Strand. Entsprechend ruhig ist es in der City – und Calais ist hässlich. Ja, das klingt hart, aber es ist so. Es gibt viele Straßen mit niedrigen nichtssagenden Häusern, die Hafenanlage ist unheimlich weitläufig aber unspektakulär und in die Ebene vor Calais – rechts von Sangatte – haben sie dann noch in den 90er Jahren die gigantische Eurotunnelanlage gebaut. Für meinen Geschmack ist sie einfach überdimensioniert, auch das angrenzende Einkaufszentrum Cité Europe. Nach dem Flüchtligsansturm 2015 wurden zudem alle Straßen und Eingänge doppelt mit Stacheldraht gesichert. Auf den ersten Blick wirkt alles nicht besonders einladend.

Dazu muss man wissen, dass Calais wegen seiner strategisch wichtigen Lage immer wieder – und vor allem in den beiden Weltkriegen –  Ziel von Angriffen war. Die vielen Forts, Wachttürme, Wallanlagen und Bunker sind beredte Zeugen der wechselhaften Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hafenstadt dann zu 73 Prozent zerstört, nur ein paar Sehenswürdigkeiten sind stehen geblieben. Und die werden von der städtischen Tourismusbehörde gepflegt und herausgeputzt: das Rathaus im flämischen Baustil und der Rathausturm (Belfried), Auguste Rodins „Bürger von Calais“ und die aufwendig gestalteten Blumenrabatten beim Rathaus. Sehr gut gefallen hat mir auch das kleine Museum „Des Beaux-Arts“ beim Park de Richelieu.

Spitze aus Calais ist Weltspitze

Die meisten von uns kennen Calais nur als Durchgangsstation nach Großbritannien. Doch wusstet ihr, dass viele bekannte Modedesigner zur Herstellung ihrer Luxus-Wäsche, Abendkleider und Handschuhe Spitze aus Calais verwenden? Im 19. und 20. Jahrhundert war Calais das Zentrum der maschinell hergestellten Spitze. Und auch heute noch ist die Spitze aus Calais der Stolz des französischen Handwerks und wird für edle Dessous und Konfektionen großer Couturiers verwendet. Auf dem Gelände einer ehemaligen Spitzenklöppelfabrik informiert das internationale Zentrum für Spitze und Mode sehr anschaulich über die Technik und Herstellung. Das Museum liegt im Viertel St. Pierre. In den angrenzenden Straßen und Gassen endecke ich kleine Werkstätten und alte Firmenschilder und die Statue von Joseph-Marie Jacquard, der den ersten mechanischen Webstuhl, der sich per Lochkarte programmieren ließ, erfunden hat.

Flüchtlingselend – auch das ist Calais

„Nein er hat keinen Ausweis…“ Beim Schlendern durch die Altstadtgassen schnappe ich ein paar Worte auf, die ein etwas zwielichtig dreinschauender Nordafrikaner aus den Maghreb-Staaten, eng an die Häuserwand gedrückt in sein Smartpphone spricht. Ob es wieder um Menschenschmuggel geht? Wahrscheinlich, denn der Winter naht und im „Dschungel“ von Calais will kein Flüchtling die kalte Jahreszeit verbringen. Am Morgen hatten sie im Radio berichtet, dass die französische Polizei in der Nacht Menschenschmuggler gefasst hat, die Flüchtlinge in LKWs nach England bringen wollten. Das Geschäft scheint zu „florieren“…

Irgendwie tut sie mir leid, die Hafenstadt Calais. Über Jahre hinweg wurde sie durch zahlreiche Kriege gebeutelt und jetzt ist sie – wieder aufgrund ihrer strategischen Lage zum nahen England – zum Zentrum der Flüchtlingskrise geworden. Dabei sind die Strände und die Natur um Calais herum wunderschön – doch seht selbst:

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