Zukunftsmodell -Straßenbahnen im Wandel der Zeit.

Backstage bei der RNV: Straßenbahnen gestern, heute und morgen

Straßenbahnen im Wandel der Zeit: Neulich hatte ich Gelegenheit, einen Blick in die Zukunft und in die Vergangenheit der Straßenbahnen bei den Rhein-Neckar-Verkehrsbetrieben (RNV) in Mannheim zu werfen. Ich fand es ganz schön spannend zu sehen, wie sich Fahrzeugtypen und Innenräume über die Jahre verändert haben. 

Was fährt morgen? – Der Blick in die Zukunft

Das Zukunftsmodell für die Mannheimer Schienen steht in einem ehemaligen Autohaus. Allein die Tatsache lässt mich schon Schmunzeln: Autos raus, Straßenbahn rein – bahnt sich hier die Verkehrswende für den Rhein-Neckar-Raum an?

„Straßenbahnen gibt es nicht von der Stange, sie werden konfiguriert.“
Der Kriterienkatalog ist lang:
✓ barrierefrei
✓ effizient
✓ bis zu 80 km/h schnell
✓ wartungsarm
✓ wenig Verschleiß
✓ bis zu 60m lang
✓ kann enge Kurven fahren
✓ umweltfreundlich
✓ digitale Echtzeitinfos
✓ WLAN-Hotspots

Das Foto zeigt ein sogenanntes Mock-Up, ein begehbares
1 : 1 – Modell der Straßenbahnen, die ab Ende 2021 in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg fahren werden.

Von der Planung bis zur Auslieferung vergehen einige Jahre, denn Straßenbahnen kauft man nicht von der Stange. Jedes Schienennetz hat eigene Anforderungen, die bei Neuanschaffungen berücksichtigt werden. Für die RNV beispielsweise lautete eine Vorgabe, dass die Züge bis auf 60 Meter Länge gekoppelt werden können und dennoch enge Kurven fahren sollen. Effizienz, Verschleiß und Umweltfreundlichkeit sind wichtige Kriterien bei der Planung. Und natürlich die Nutzungsfreundlichkeit.

Barrierefreie Zukunftsbahn

Anhand des Mock-Ups wurden das Design und die Alltagstauglichkeit getestet. Dazu hat die RNV 2018/2019 die Bevölkerung zum Probesitzen, Ausprobieren und Feedback geben eingeladen. Besonders wichtige Hinweise steuerten Menschen mit Behinderungen zum Aspekt der Barrierefreiheit bei. Die Entwickler nahmen diese auf und adaptierten die Innengestaltung: So werden die Fahrzeugtüren jetzt nicht mehr gegenüber angeordnet, sondern sind versetzt. Das hat den Vorteil, dass Rollstuhlfahrer direkt auf ihren Platz zufahren können. Der Dialogprozess ist inzwischen abgeschlossen und die Serienproduktion angelaufen. Nur die Entscheidung für die Sitzbezüge wird noch geheim gehalten: Holz, helle oder dunkle Polster stehen zur Wahl. Welche Lösung gefällt denn dir am besten?

Nostalgie pur im Salonwagen der Zwanziger

Im starken Kontrast zum klaren und nüchternen Innenleben der RNT-Zukunftsbahn, steht dieser Salonwagen. Plüsch, Nostalgielampen, edle Mahagoni- und Teakholzvertäfelung lassen die goldenen Zwanziger-Jahre wieder aufleben.

Der Wagen, ein sogenannter Halbzug, steht im RNV-Betriebshof in Mannheim-Käfertal. Jeder kann ihn für Sonderfahrten anlässlich Firmenevents oder Familienfeiern buchen. Von 1928 bis 1974 sind Züge diesen Typs auf der alten OEG-Linie zwischen Mannheim und Heidelberg gefahren. Ok, nicht im Sonntags-Outfit, sondern alltagstauglich. Aber trotzdem mit viel Holz im Innenraum. Deshalb gab es in früheren Zeiten in Käfertal auch eine betriebseigene Schreinerei und Polsterei.

Der Betriebshof Mannheim-Käfertal

Noch heute ist der Stolz der alten OEG spürbar. Auf den Streckenabschnitten der OEG  nimmt die Straßenbahn Tempo auf. Bis zu 80 km/h sind möglich, denn hier gilt Eisenbahnbetriebsordnung (EBO). Die Fahrerinnen und Fahrer haben eine zusätzliche Ausbildung und fahren auf Signal und nicht auf Sicht.  

Mit der Eingliederung der Oberrheinischen Eisenbahngesellschaft (OEG)  in die RNV änderte sich auch die Aufgabe des Betriebshofs. An die 40 Fahrzeuge, die auf der Linie 5 fahren,  finden in Mannheim-Käfertal ihren Schlafplatz für die Nacht. Und wenn sie tagsüber den Betriebshof anfahren, werden sie gereinigt, gewartet oder repariert.

Wie sich Straßenbahnen im Laufe der Jahre verändert haben, zeigen paar Unikate, die zwischen den Alltagsbahnen stehen. Wie beispielsweise der oben erwähnte Salonwagen aus den Zwanzigern und ein weiterer aus den Sechziger Jahren, eine alte Diesellok und einige  GT6- und GT8-Gelenkwagen von Duewag. Letztere dürfen sogar regelmäßig auf die Schiene und werden als sogenannte „Verstärkerzüge“ im stark frequentierten Vormittags- und Nachmittagsverkehr eingesetzt.

Also, wer oder was in Käfertal steht, ist vielleicht gerade außer Dienst, aber längst nicht für immer auf dem Abstellgleis gelandet. Zum Tag des Denkmals im September öffnet der Betriebshof meist seine Pforten. In diesem Jahr ist dies Corona-bedingt ausgefallen. 

Herzlichen Dank an Georg Hertweck und Stefan Schmitt von der RNV, die mir diesen Einblick ermöglicht haben.

Was meinst du dazu? Schreib mir.

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