Die Fallas in Valencia – mein Erfahrungsbericht

Ein Frühlingsfest mit Feuer, Böllern, Brauchtum und purer Lebensfreude

Valencia an der Ostküste von Spanien feiert mit den Fallas den Beginn des Frühlings. Bei diesem außergewöhnlichen Festival werden meterhohe Figuren – sogenannte Ninots – in den Straßen aufgebaut. Die größten Monumente erreichen über 20 Meter Höhe, sie sind kunstvoll gestaltet und bunt bemalt. Manche greifen politische, andere gesellschaftliche Themen auf. Das Kuriose: Bei der Cremà werden zum Abschluss des mehrtägigen Festes die Figuren verbrannt. In diesem Blogbeitrag erzähle ich dir, wie ich dieses Volksfest erlebt habe – und was dahinter steckt.

Tag 1 | 17. März

Spät nachts sind noch alle auf der Straße

Nach arbeitsreichen Tagen und einer 17-stündigen Bahnfahrt komme ich um halb zwölf am Bahnhof Valencia Estación del Norte an. Ehrlich gesagt: ich bin müde und möchte eigentlich nur ins Hotel und schlafen. Doch was mich empfängt, lässt meine Erschöpfung schnell vergessen: Fröhliche, ausgelassene Menschen strömen durch die Straßen, ich sehe riesige Skulpturen, es duftet nach Frittiertem und Musik liegt in der Luft.

Ich marschiere Richtung Rathausplatz, checke ein – und gehe kurz darauf doch wieder hinaus. Diese Energie zieht mich magisch an. Da ich mich nicht auskenne, lasse ich mich einfach treiben. Die nächtliche Stimmung ist elektrisierend: Jugendliche tanzen vor einem Cocktail-Stand zu moderner Musik, und um die Ecke ziehen Trachtengruppen mit Blumen und Blasmusik vorbei. Es sind Fallas – und ich bin mittendrin. Wie herrlich! Das graue Deutschland-Ich löst sich im Nu in Luft auf.

Tag 2 | 18. März

Führung, Blumenopfer, Mascletà und Feuerwerk

Heute möchte ich das bunte Chaos strukturierter angehen. Um halb elf nehme ich an der Fallas-Führung der Touristen-Information teil. Unsere Guide Laura führt uns zweieinhalb Stunden durch die Innenstadt und verschafft einen ersten Überblick. Wir sind eine internationale Gruppe: Spanier, Engländer, ein Ehepaar aus Kalifornien und ich aus Deutschland.

Was sind denn eigentlich die Fallas?
Laura erklärt, dass bei den Fallas mit verschiedensten Aktivitäten der Winter vertrieben und der Frühlingseinzug gefeiert wird: Mit Feuerwek, Knallerei und Verbrennungen der wunderschönen Figuren, die über die ganze Stadt verteilt sind. Es sind an die 400 Feuerstellen mit jeweils einem Ninot für Erwachsene und einer Figur für Kinder. Die schönsten werden prämiert. Neu in diesem Jahr: Eine Kategorie, die besonders Nachbarschaft und Gemeinschaft auszeichnet.

Die Kunstwerke hautnah bestaunen
Während der Tour dürfen wir ganz nah an die Skulpturen heran. Die Absperrungen werden für uns geöffnet. Wir erfahren, dass spezielle Künstler die Monumente aus Holz, Pappmaché und Styropor fertigen – es gibt sogar eigene Kurse, in denen man die speziellen Technik lernt.

Die Themen der Figuren sind vielfältig:
Politische Satire: Trump und Putin habe ich ein paar Mal entdeckt, doch auch die Lokalpolitik kriegt ihr Fett ab.
Gesellschaftliche Trends:  Fitnesswahn bis ins hohe Alter, Familienkrach unterm Weihnachtsbaum oder Zukunftsvisionen mit KI/AI. Alles wird verarbeitet.
Hommagen: persönliche Geschichten, Szenen aus Literatur und Film.

Jede Falla erzählt ihre eigenen Geschichten. Allen gemeinsam ist: Sie sind bunt, sehr künstlerisch und detailverliebt. Man muss schon genau schauen, um alles zu entdecken.

Wer organisiert das alles?
Am Plaza del Vince besuchen wir ein Vereinshaus der Falleros. Ein Initiator erklärt uns, wie aufwendig die Herstellung der Monumente ist: Die Kosten pro Monument betragen bis zu 250.000 €, davon übernimmt die Stadt ca. 25 % . Der Rest wird durch Lotterien, Sponsoring und Spenden finanziert. Fast jeder Einwohner Valencias ist Mitglied in einem Fallas-Verein. Außerhalb der Festzeit treffen sie sich regelmäßig – etwa einmal im Monat in ihrem Vereinsheim.

Das Blumenopfer
Nach der Führung gehe ich zum Plaza de la Virgen. Hier enden die Prozessionen mit den festlich gekleideten Menschen, die mich schon am Abend zuvor beeindruckt haben. Die Kleider der Frauen (Falleras) mit Spitze und die aufwendigen Hochsteckfrisuren sind sehr beeindruckend. Laura erzählte uns, dass ein traditionelles Kleid bis 2500 € kostet.

Das Blumenopfer an die Virgen de los Desamparados ist ein weiterer zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten. Alle Fallas-Kommissionen ziehen durch die Straßen der Stadt bis zur Plaza de la Virgen, um der Schutzpatronin der Valencianer Blumen darzubringen.

Plötzlich duftet es betörend: Orangenblüten. Ich schaue mich um und entdecke neben mir ein kleines Gärtchen mit Orangenbäumen. Die einen blühen, an anderen hängen reife Früchte. Stimmt, ich bin ja in Valencia, der Stadt der Orangen.

Die Mascletà – es zischt und knallt auf dem Plaza del Ayuntamiento 
Um 14 Uhr folgt der nächste Höhepunkt: die Mascletà auf dem Rathausplatz (Plaza del Ayuntamiento). Das ist kein Feuerwerk im klassischen Sinne – es ist eine Explosion aus Rhythmus, Druck und Sound. Die Knallerei beginnt langsam, steigert sich immer weiter und endet in einem intensiven Finale, bei der man die Vibration im ganzen Körper spürt. Ich stehe mittendrin. Genau dort, wo man die Energie am stärksten fühlt. Die Show dauert nur 5–10 Minuten – kommt mir aber viel länger vor. Der Himmel verdunkelt sich vor lauter Rauch.

Und das Verrückte: Das passiert hier jeden Tag seit Ende Februar. Trotz der Menschenmengen bleibt alles friedlich, entspannt und organisiert. Keine Aggression, kein Chaos. Beeindruckend.

Abendstimmung und Gemeinschaft
Am Nachmittag versuche ich mich auszuruhen – Schlaf ist unmöglich, es ist einfach zu laut. Ab 18 Uhr bin ich wieder unterwegs. Der Geruch von Böllern liegt in der Luft, ich streife durch verschiedene Viertel und entdecke die kleinere Fallas. Hier feiert die Nachbarschaft mit spontaner Live-Musik, Tanz und Menschen jeden Alters. Auch viele ältere sind dabei – selbst über 80-Jährige im Rollstuhl.

Was ist und trinkt man eigentlich während der Fallas?
So ein Festival macht hungrig, für die Stärkung der Besucher sorgen Imbissstände an jeder Ecke. Traditionell isst man buñuelos de calabaza (in Fett gebackene Kringel aus Teig mit Kürbis und Abrieb von Orange).

Dazu trinken Mann und Frau meist Sangria, Bier oder Cocktails.

Nit del Foc – das große Feuerwerk an der Monteolivete-Brücke
Der krönende Abschluss des Tages ist die Nit del Foc, das größte Feuerwerk der Fallas.

Ich mache mich früh auf den Weg, laufe entlang der Turia-Gärten bis zur Stadt der Künste und Wissenschaften. Es sind schon viele Zuschauer da und die Profis haben Decken, Klappstühle und Proviant dabei. Eine Weile schaue ich mir das Treiben an, aber nach zwei Stunden Warterei wurde es mir zu kalt und ich bin zurück ins Hotel. Ja, ich habe das große Feuerwerk dann im Livestream verfolgt… da fühlte es sich beinahe so an, als wäre ich mittendrin. Doch unter der Bettdecke war es schön warm.

Tag 3 | 19. März

Die Cremà – es brennt

Die Cremà markiert das Ende der Fallas – und ist gleichzeitig ihr emotionaler Höhepunkt.
In dieser Nacht werden alle rund 800 Figuren verbrannt.
Das Feuer steht symbolisch für Reinigung, Erneuerung und Neubeginn.

Den Auftakt zur Nacht bildet die beeindruckende Feuerparade Cabalgada del Foc mit Dämonen, Teufeln und einem feuerspuckenden Drachen.

Anschließend erlebe ich mehrere Verbrennungen – unter anderem die von Charly Chaplin am Rathausplatz und zwei weitere in der Nähe des Mercado Colón. Und sehe, wie all die Mühe und Arbeit der vergan­genen Monate, das Formen und Feilen, Mes­sen und Malen der wunderschönen Figuren einfach in Flammen aufgehen.

Es ist archaisch: Feuerwerk, Explosionen, Böller, Flammen, Hitze, Rauch. Ein intensives Erlebnis.

Woher kommt die Tradition?
Heute ist der Josefstag. Der heilige Josef ist Schutzpatron der Handwerker – insbesondere der Zimmerleute. Früher räumten Schreiner im Frühjahr ihre Werkstätten auf und verbrannten altes Holz. Aus dieser Tradition entwickelte sich über die Jahre das heutige Fest, das inzwischen zu Recht UNESCO-Weltkulturerbe-Status hat.

Tag 4 | 20. März

Der Tag danach

Und heute: Stille. Kein Knallen, keine Musik, kein Stimmengewirr.
Ich kann es kaum fassen, nach drei Tagen Dauerlärm wirkt die Ruhe fast unwirklich.
Die Stadt fühlt sich weich an, ruhig, fast eingehüllt. Auch in mir wird es still. Es fühlt sich wirklich an wie ein Neuanfang.
Valencia atmet durch, erholt sich – und bereitet sich gleichzeitig schon auf das nächste Jahr vor. Denn das Verrückte ist: Die Verbrennung war zugleich schon wieder der Auftakt für die Fallas 2027.

Und wenn du jetzt Lust bekommen hast, das nächste Mal dabei zu sein, dann schau dir noch meine Tipps an.

Meine Tipps für deinen Besuch

1. Buche deine Unterkunft früh
Valencia ist während der Fallas sehr stark nachgefragt – buche am besten Monate im Voraus. Die ersten beiden Nächte habe ich im Hotel am Rathausplatz/Plaza del Ayuntamiento  verbracht. Es war doppelt so teuer wie zu anderen Zeiten, hat sich aber gelohnt. Danach bin ich zu Teresa in ein angemeldetes Airbnb in der Nähe des Mercado Colon umgezogen. Sehr empfehlenwert in einer guten Umgebung.

2. Trage bequeme Schuhe
Ich bin alles zu Fuß abgelaufen, das geht gut, doch es kommen einige Kilometer zusammen. Verlaufen kannst du dich eigentlich nicht. Folge der Menschenmenge. Bei der Touristeninformation am Rathausplatz erhältst du einen Stadtplan mit allen Fallas und Orten der Festlichkeiten. PS: Mir ist aufgefallen, dass Rollstuhlfahrer oder andere beeinträchtigte Personen eigene Zugänge zu den Plätzen hatten und gut für sie gesorgt wurde (ist aber nur eine Beobachtung, kein persönliches Erlebnis).

3. Schau dir auch die kleineren Fallas an.
Hier feiert die Nachbarschaft. Eine besondere Gelegenheit, die Einheimischen näher kennenzulernen.

4. Lass dich auf dieses Gefühl ein.
Die Fallas sind laut und wild – und vertragen keine halben Sachen. Am besten 100% mitmachen, oder wegbleiben! Nimm Ohrenstöpsel mit, falls du empfindliche Ohren hast. Und ein Tuch schützt vor dem Rauch, der bei den Feuerwerken, der Feuerparade und dem Abfackeln der Monumente unweigerlich entsteht.

***

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert