Kein fünfter deutscher Stern heute Abend – Spanien und Argentinien machen das Finale unter sich aus. Macht aber nichts, denn Fußball-Leidenschaft findet man auch abseits der Nationalelf, manchmal sogar an der nächsten Bushaltestelle. Doch was hat Fußball eigentlich mit der Linie 5 zu tun? Nun, mehr, als du auf den ersten Blick vermutest. Bei meinen Entdeckungsreisen bin ich immer wieder auf den Lieblingssport der Welt gestoßen: Bus und Bahn mit der 5 bringen mich zu beeindruckenden Stadien, die Taxifahrer in Maskat zählten begeistert die Spieler des FC Bayern München auf, und mit dem Metrobus in Hamburg entdeckte ich per Zufall den Kultimbiss des 1. FC St. Pauli.
Diese 5er-Linien führen direkt ins Fußballstadion
Ticket lösen, in die Bus- oder Metrolinie 5 einsteigen, und wenige Minuten später mitten im Fußballfieber ankommen. Dieses Erlebnis gibt es an überraschend vielen Orten der Welt: In Trier und Koblenz ist das so – und auch anderswo. Einige spannende Beispiele stelle ich dir vor:
Luxemburg
Stade de Luxembourg: 9.500 Plätze, FIFA/UEFA Stadion Kategorie 4
Fangen wir klein an. Das Stadion hat weniger als 10.000 Sitzplätze, ist aber nahezu niegelnagelneu. 2021 wurde es erbaut und wird neben Fußball auch für Rugbygenutzt. Die luxemburgische Fußballnationalmannschaft belegt in der FIFA-Weltrangliste aktuell den 98. Platz. Das Stadion ist Teil des neuen Stadtviertels Cloche d’Or. Ganz in der Nähe befindet sich das gleichnamige Einkaufszentrum.
Hinkommen: Buslinie 5 bis zur Haltestelle „Stade de Luxembourg“.
Valencia
Mestalla-Stadion: 50.000 Plätze
Das Stadion ist die Heimat des Valencia Club de Fútbol und eines der ältesten Stadien Spaniens. Ich habe im März die Mestalla Forever Tour gebucht und die Tribünen, Spielerkabinen und den Presseraum besichtigt. Die steilen Zuschauerränge sind sehr beeindruckend. Es ist ein Hexenkessel inmitten der Stadt.
Hinkommen: Metrolinie M5 bis zur Haltestelle „Aragon“
Mailand
Guiseppe-Meazza-Stadion/San Siro: 75.000 Plätze, FIFA/UEFA Stadion Kategorie 4
„La Scala del Calcio“, die Mailänder nennen ihr Stadion liebevoll die Fußballoper. Sie ist Heimat für den 1. FC Mailand und Inter Mailand. Das gibts auch nicht so oft. Die Architektur ist prägnant, wer sie noch erleben möchte, muss sich beeilen. Sehr interessant ist die fahrerlose Metro dort hin, und unterwegs gibt es viel zu entdecken.
Hinkommen: Linie M5 bis zum Halt „San Siro Stadio“
Leider ist die Zeit von zwei ikonischen Bauten gezählt, das Mestalla-Stadion in Valencia und das San Siro-Stadion in Mailand sollen abgerissen und durch neue ersetzt werden. Damit geht ein Stück Fußballgeschichte verloren. Sicher, neue Stadien bieten mehr Komfort und bessere Infrastruktur. Doch mit den alten Arenen verschwindet auch ein Stück Seele der Stadt.
Barcelona
Camp Nou-Stadion: 99.000 Plätze, FIFA/UEFA Stadion Kategorie 4
Auch am Spotify Camp Nou wird derzeit noch kräftig gebaut. Deshalb blieben die Stadiontore bei meinem Besuch im März für mich geschlossen. Rund um die Baustelle hat sich der FC Barcelona jedoch einiges einfallen lassen: Es ist weit mehr als nur ein Museum – vielmehr ein echtes Erlebnis. Fotos, Trophäen und zahlreiche interaktive Elemente lassen die Geschichte und Faszination des Vereins lebendig werden.
Hier ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass viele echte Fans eigens nach Barca reisen, um das Stadion zu sehen. Für sie ist das Camp Nou eine Pilgerstätte. Die Sagrada Família? Die nimmt man natürlich auch noch mit. Doch Barcelona besteht aus weit mehr als seinen berühmtesten Wahrzeichen – und die Metrolinie 5 verbindet überraschend viele davon. Apropos Pilgerstätte: Heute Abend spielt gleich ein halbes Dutzend Barça-Stars im WM-Finale mit – Lamine Yamal, Pedri und Ferran Torres sind nur drei von acht Spanien-Kandidaten, die sonst hier im Camp Nou trainieren. Kein Wunder, dass Fans aus aller Welt herpilgern.
Hinkommen: Metrolinie L5 bis zum Halt „Collblanc“
Fußballkultur in Deutschland und anderswo
Wie unterschiedlich Fußballkultur sein kann, habe ich zuletzt im Oman erlebt, und festgestellt: die Omanis sind total fußballbegeistert.
Public Viewing im Oman am Strand
Zum Jahreswechsel 24/25 war ich im Süden des Oman in Salalah. Der Gulf-Cup wurde gerade ausgetragen und die Omanis hatten einen guten Lauf und alle haben beim Public Viewing mitgefiebert. Die Fußball-Fan-Meilen sehen aus wie bei uns, mit Fahnen, Bällen, Pizza, Pommes und Popcorn.
Doch es gibt Unterschiede:
1. Frauen und Männer gucken getrennt.
2. In der Halbzeitpause gehen alle in die Moschee zum Beten.
3. Körperkontakt ist in der Öffentlichkeit tabu, deshalb knutschen die Spieler nach einem Torschuss auch nicht ihren Schützen ab.
Gesehen in der U5 in Frankfurt am Main:
Der schwarze Adler der Eintracht gehört zu Frankfurt wie der Apfelwein. Ein bekannter Apfelweinproduzent macht daraus den „Adlerschoppen“.
Meines habe ich ja schon verraten, aber welches ist dein liebstes Getränk beim Fussball schauen?
Kult-Imbiss-Bude in Hamburg:
Der1. FC St. Pauli ist Kult. Die Spiele finden im Millerntorstadion statt, doch trainiert wird auf der Anlage an der Kollaustraße. Sie liegt an der Metro-Buslinie 5, Haltestelle „Niendorfer Straße“.
Bis 2024 war dort auch die legendäre Imbissbude „Haltestelle zur Wurst“. Uwe Seeler, Olli Dittrich, Otto Waalkes zählten zu den prominenten Gästen und auch ich hab 2022 schon meine Wurst dort gegessen. 2024 musste der Imbiss leider schließen: Der Verein vergrößert das Trainingsgelände und benötigt den Platz. Schade, um die Haltestelle zur Wurst!
Während heute Abend in New York der neue Weltmeister gekürt wird, zeigt sich: Fußball lebt woanders genauso intensiv – ob in der klassischen Fußballoper San Siro, am Strand von Salalah oder ganz unspektakulär an der nächsten Haltestelle der Linie 5. Manchmal muss man dafür nicht mal ins Stadion – nur einsteigen.
Viel Spaß beim Fußball schauen, und vielleicht klappt es ja bei der nächsten WM mit dem fünften Stern! Deine Heike
