Frankfurt mal anders – Mit der U5 vom HBF zum Knast und Hauptfriedhof

Göthe, Dom und den Römer verbindet jeder mit Frankfurt am Main, oder auch die EZB und die Skyline. All das kannst du mit der U-Bahnlinie 5 entdecken und noch viel mehr… Bist du schon mal um die JVA spazierst und kennst du das Roma-Grab auf dem Hauptfriedhof? Nein? Dann lass dich überraschen.

Start im Nordend in der gemütlichen Villa Orange

An diesem nasskalten Januar-Wochenende macht es mir Frankfurt am Main nicht leicht, die schönen Seiten der Stadt zu entdecken. Es ist Samstagmorgen und ich genieße mein Frühstück im Hotel Villa Orange. Draußen treibt der Schneeregen durch die Straßen. Hier drinnen ist es gemütlich, die warmen Farben und das üppige Buffet laden zum Verweilen ein. Das Biohotel liegt im Nordend (unweit der U5-Haltestelle Musterschule) und passt gut in diese Gegend. Das Nordend ist das Szeneviertel für Veganer und Latte Macchiato-Mütter, die Berger Straße die Einkaufsstraße für Öko-Bewusste.

Grüne Soße Kräuter an der Konstabler Wache

U 5 – Haltestelle
Konstabler Wache

Doch um 11 Uhr muss ich den gemütlichen Frühstücksraum verlassen. Ich bin mit Michael Horstmann, einem der besten Stadtführer Frankfurts, verabredet. Zusammen mit ein paar anderen Gästen der Villa Orange führt er mich zunächst zum Bauernmarkt an der Zeil. Der Markt ist eine Institution, und auch an diesem nasskalten Mittag ist viel los. Die Frankfurter juckt das schlechte Wetter nicht, sie trinken ihr Stöffche (Apfelwein), quatschen und tauschen Neuigkeiten aus. Michael Horstmann führt uns sachkundig herum, der beste Stand für Grüne-Soße-Kräuter ist nahezu schon ausverkauft. Wir flüchten vor dem Schneeregen in die nahe gelegene Kleinmarkthalle, eine Markthalle mit allen Spezialitäten der Welt. Sie ist baulich nicht so schön, wie die Markthalle in Stuttgart, dafür aber bunt, lebendig und laut.

Paulskirche und Römerberg

U 5 – Haltestelle Dom/Römer

Ruhig und feierlich ist dagegen die Atmosphäre in der Paulskirche. Als Sitz der ersten deutschen Nationalversammlung im Jahr 1848/49 ist sie ein Symbol der deutschen Demokratie. Wir blicken zur Decke und lassen uns vom Stadtführer erklären, dass nach der Wiedervereinigung die Fahnen der Bundesländer neu gehängt wurden. Wenn du genau hinschaust, kannst du die alten Schraublöcher erkennen.

Von der Paulskirche geht es Richtung Dom/Römer und Römerberg. Hier erfahren wir, dass die Fassaden noch gar nicht so alt sind, wie sie aussehen. Frankfurt schummelt beim Aufbau… Michael Horstmann erklärt uns die Bautätigkeiten am Römerberg: „Das wird neu, das auf alt getrimmt und das bleibt wie es ist…“ Es ist bitterkalt und zum Abschluss versüßen wir uns den Nachmittag mit einer Cremeschnitte im Café Bitter&Zart. Mein Tortenstück hat ihren Preis, ist es aber auch wert, und nicht nur mir, sondern auch den vielen anderen, die geduldig in der Schlange stehen und auf Einlass warten.

Nachmittags bin ich noch mal allein zur Zeil gefahren. Ich benötigte ein neues Ladekabel für mein Smartphone und bummelte dann im MyZeil. Eigentlich mag ich ja diese seelenlosen Einkaufspaläste mit all den immergleichen Läden und Essstationen nicht sehr – das Shopping Center hat aber ein schön gewölbtes Dach und bietet einen guten Blick auf die Frankfurter Skyline. Und im Lego-Store finde ich auch das richtige Mitbringsel für Jean-Luc. (Achtung das war 2015 -:)

Sonntagsspaziergang um den Knast

U 5 – Haltestelle Ronneburger Straße

Bevor ich Frankfurt verlasse, möchte ich am Sonntag noch die Nordstrecke der U-Bahnlinie 5 erkunden. Am Sonntagvormitttag ist die U-Bahn richtig leer. Von der Haltestelle Musterschule fahre ich erst einmal bis zum Ende der Linie 5 nach Preungesheim. Das liegt im Frankfurter Nordosten schon ziemlich weit draußen. Ein bißchen Einsamkeit erfasst mich an der Endhaltestelle. Mein Blick schweift übers Land,  Wiesen und Wohnsiedlungen. Ich entdecke nichts, was mich interessieren könnte und nehme dann gleich dieselbe Tram zurück Richtung City.

Zwei Haltestellen stadteinwärts an der „Ronneburgerstraße“ steige ich aus. Von hier gelange ich zur Justizvollzugsanstalt – das Gefängnis will ich mir näher anschauen. Die JVA besteht aus einem Mix an Gebäuden, roter Backstein und neuere Abschnitte, riesengroß, angsteinflößend und kühl. Die Außenkameras haben einen immer im Blick, wenn man drumherum wandert. Von den bürgerlichen Häuschen „Auf der Platte“  – blickt man direkt vom Wohnzimmer auf das Gefängnis. Wie es sich wohl lebt, mit dem Knast vor der Tür? Ich laufe weiter. Vom hinteren Abschnitt der JVA – dort, wo die Wohnhäuser sind – dringen laute Stimmen nach draußen. Die Insassen rufen sich von einer Zelle zur anderen zu, scheint es mir. Wie es wohl ist, fünf, zehn oder mehr Jahre dort zu verbringen? Hier warten mutmaßliche Kriminelle auf ihr Urteil und illegale Einwander auf ihre Verhandlung. Mir fallen die vielen Kirchen ums Gefängnis herum auf – setzt man hier auf Gottes Hilfe gegen Kriminalität? In der Oberen Kreuzäcker Straße entdecke ich den Haupteingang und -ausgang, der kommt mir doch bekannt vor – ja genau so sah es aus, wenn bei „Ein Fall für Zwei“ Dr. Markus Lässing seinen Mandanten besuchte.

Kurioses Grab auf dem Hauptfriedhof

U 5 – Haltestelle Hauptfriedhof

Der Hauptfriedhof in Frankfurt ist mit 70 Hektar eine der größten Grünanlagen Frankfurts und er erstreckt sich über fünf U5-Haltestellen. Die Haltestelle Hauptfriedhof führt zum Haupteingang. Hier informiert ein Plan und eine Hinweistafel über die Bereiche des Friedhofs, und weil er so groß ist und für ältere und gehbehinderte Besucher die Wege so weit und mühsam sind, gibt es ein elektrisches Friedhofstaxi. Adorno, Schopenhauer und viele andere Prominente wurden hier begraben, viele Gräber stehen unter Denkmalschutz. Ich schlendere vom Haupteingang bis zum Ausgang Gießener Straße.

Gleich linker Hand vom Haupteingang fällt mir ein ungewöhnliches Grab auf…, Ich hatte erst gedacht, dass es sich um ein Gerätehäuschen für die Gärtner handelt, aber weit gefehlt, die vermeintliche Gartenlaube war ein Grab. Ich studiere das Häuschen genauer, erblicke Kerzen und eine Gedenktafel mit einem ausländisch klingenden Namen. Wer das wohl war? Beim weiteren Schlendern denke ich darüber nach, ja Mausoleen hatten sich Herrscher schon immer in verschiedensten Stilen erbauen lassen, warum also nicht ein solches. Google verrät mir später, dass es ein Roma-Grab ist, das zusammen mit einem weiteren wegen seines „Baumarktstils“ schon für mächtig Diskussionsstoff und Aufruhr in Frankfurt gesorgt hat.

 


U 5 – Frankfurt am Main
Alle Infos zur Strecke

Zum Bummel durchs Bahnhofviertel, dem neuen IN-Viertel- reicht`s nicht mehr und auch nicht zum Besuch der „Schmiere“ oder dem Stalburg Theater – das hebe  ich mir für später auf, denn ich werde ja noch öfter nach Frankfurt kommen.

 

 

 

 

 

 

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