Die Bücherbahn unterwegs auf der Freiburger Linie 5

Linie 5 – die Bücherbahn in Freiburg

Bücher, Begegnungen und gute Laune: Wie aus einer Freiburger Straßenbahn für drei Stunden ein Treffpunkt für Lesefans wurde

Gib den Leuten Bücher mit in die Bahn, und schon sind alle nett und freundlich. Wenn es doch nur so einfach wäre. Doch nach meinem Nachmittag in der Freiburger Linie 5 bin ich überzeugt: Ein kleines Körnchen Wahrheit steckt tatsächlich darin! So viele nette und aufgeschlossene Menschen habe ich noch nie in einer Straßenbahn erlebt.

Zweieinhalb Stunden Anreise für ein paar Stunden Bücherbahn

Zweieinhalb Stunden Anreise, extra für diese Aktion?  Das muss man erst mal wollen. Aber als ich von der Bücherbahn in Freiburg gelesen hatte, war klar: Da muss ich hin. So etwas Cooles gibt es schließlich nicht jeden Tag!

Und ich habe es keine Sekunde bereut.

Kurz nach drei steige ich in Freiburg am Europaplatz in die Linie 5. Sofort wird klar: Das ist heute keine gewöhnliche Straßenbahn.

Wimpel, Kissen und jede Menge Bücher

Wimpelketten hängen über den Sitzen, Luftballons baumeln von den Haltestangen, Kissen und Sitzkissen schaffen Gemütlichkeit. Und überall Bücher.

Die Idee für die Bücherbahn ist aus einem Doppeljubiläum entstanden. Die Stadtbibliothek Freiburg und die Freiburger Verkehrsbetriebe VAG feiern in diesem Jahr 125-jähriges Bestehen und wollten diesen Anlass für eine gemeinsame Aktion nutzen. Und welche Linie wäre dafür besser geeignet als die Linie 5? Auf ihrem Weg vom Europaplatz bis ins Rieselfeld fährt sie gleich an mehreren Bibliotheken vorbei: die Hauptstelle der Stadtbibliothek am Münsterplatz, die Universitätsbibliothek sowie die Stadtteilbibliothek Haslach und die Mediathek Rieselfeld.

An diesem Freitag hat die Bücherbahn Premiere – und ich bin genauso gespannt wie alle anderen, wie sie ankommen wird. Werden die Leute neugierig sein? Kommen Familien? Bringen die Freiburger tatsächlich Bücher zum Tauschen mit?

Vorlesen, Schmökern und Bücher tauschen

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Schon kurz nach meinem Einstieg drängen sich viele Mütter mit Kindern in die Bahn, der Vorlesebereich mit Spielteppich und Kinderbüchern füllt sich sofort. Andere Fahrgäste haben eigene Bücher dabei.

Es wird geblättert, vorgelesen und erzählt. Auch ich habe mein eigenes Buch dabei. „22 Bahnen“ von Caroline Wahl. Mein Plan: Ich tausche es gegen einen Krimi. Zwischen den geschmückten Sitzen, auf Kissen und Sitzkissen komme ich mit ein paar Freiburgerinnen ins Gespräch, die genauso begegeistert sind wie ich. Wir tauschen uns über Bücher aus, über die Stadt und darüber, wie schön es ist, dass hier für einen Nachmittag niemand ins Smartphone starrt, sondern einfach alle miteinander reden. Eine Mitfahrerein ist normalerweise nur mit dem Fahrrad in Freiburg unterwegs. Die Bücherbahn hat sie neugierig gemacht und tatsächlich in die Straßenbahn gebracht.

Bücher und Bahn – das passt einfach zusammen, und die Begeisterung ist überall spürbar.

Plötzlich reden alle miteinander

Drei Stunden ist die Bücherbahn insgesamt unterwegs. Nach dem ersten Ansturm wird es nach etwa einer Stunde etwas ruhiger. Doch die Linie 5 fährt natürlich ganz normal im Linienbetrieb weiter. Immer wieder steigen neue Fahrgäste ein. Manche schauen zunächst erstaunt, entdecken die Bücher und die ungewöhnliche Dekoration, und lassen sich dann gerne erklären, was es mit der Bücherbahn auf sich hat.

Genau das macht den besonderen Reiz der Aktion aus: Hier treffen Menschen aufeinander, die sonst vielleicht einfach nebeneinander sitzen würden.

Für ein paar Stunden wird aus dem ganz normalen Linienverkehr ein rollender Treffpunkt.

Eine kleine Aktion mit großer Wirkung

Die Mitfahrt kostet nichts und ich steige am Ende mit einem neuen Buch, ein paar netten Gesprächen und dem Gefühl aus der Bahn, dass sich die weite Anreise mehr als gelohnt hat. Eine kleine, feine Aktion, die man öfter auf die Strecke schicken könnte. Sie verändert die Straßenbahn nicht grundsätzlich, aber sie verändert spürbar die Stimmung in ihr.

Mein Fazit nach diesem Nachmittag: Bücher können etwas verändern. Vielleicht nicht gleich die ganze Welt, aber für drei Stunden eine Straßenbahn. Und wenn man den Hashtag der VAG #wasunsverbindet aufgreift: heute Bücher!

Weiter mit der Linie 5 durch die Bücherwelt

Die schönsten Bibliotheken in Europa
Und, hast du jetzt Lust auf noch mehr Bücher bekommen? Dann habe ich einen Lesetipp für dich: Meine Bloggerkollegin Gudrun Krinzinger hat Reisebloggerinnen und Reiseblogger nach ihren schönsten Bibliotheken in Europa gefragt. Auch ich bin mit einem Beitrag dabei – über die  Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt. Und die liegt, wie könnte es passender sein, an der Linie 5.
Hier gehts zum Beitrag „Die schönsten Bibliotheken in Europa“

Und mitten in der Altstadt von Bukarest versteckt sich diese einmalige weiße Bücherei.

Auch Buchläden mit Café  ziehen mich immer wieder magisch an, in Barcelona genauso wie im Oman. Vielleicht liegt es daran, dass Bücher und Reisen für mich einfach wunderbar zusammenpassen: Beide nehmen mich mit an andere Orte, erzählen Geschichten und eröffnen neue Welten.

 

Und du, wie geht es dir mit Büchern? Liebst du es in fremde Welten einzutauchen, oder sind Bücher eher nichts für dich? Und liest du unterwegs, im Zug, in der Straßenbahn oder in der Metro? Schreib mir gerne einen Kommentar, wo und was du am liebsten liest.


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