Berlin: 14 Tage, ein Schreibtisch und dreimal die 5

Wie ein LinkedIn-Post mir eine Wohnung am Prenzlauer Berg schenkte, und zwei Wochen zwischen Rennbahn, Reichstagskuppel und Plattenbau.

Manchmal beginnt ein Abenteuer mit einem Scroll. Mitte Juli poppte in meinem LinkedIn-Feed ein Beitrag auf: eine Wohnung am Prenzlauer Berg, zwei Zimmer, Balkon, großer Schreibtisch, stabiles WLAN, „kostenfrei – gegen Blumengießen“. Ein Zoom-Gespräch später war die Sache gegessen, und noch am selben Abend hatte ich das Bahnticket gebucht: Vaihingen an der Enz nach Berlin, ohne Umsteigen, für 18 Euro.

Was folgte, waren 14 Tage Workation: vormittags am Schreibtisch, nachmittags und abends unterwegs. Mein roter Faden war die Linie 5, mit U5, S5 und Tram M5. Sie führte mich von der Rennbahn Hoppegarten über die Karl-Marx-Allee bis in die Gärten der Welt, ins Olympiabad, in den Plenarsaal des Bundestags und in ein ehemaliges Stasi-Gefängnis. Am Ende standen viele Begegnungen, ein Wahlabend, der ins Nachdenken brachte, und die Frage, wie viel Vertrauen zwei Menschen aufbringen, die ihr Zuhause einer Fremden überlassen. Hier ist mein Berlin-Tagebuch.

Sonntag, 30. August 2026

Tag 1: Olympiabad Berlin zum Saisonende: tolle Kulisse, viel Chlor

Als ich am Olympiastadion ankam, war das ISTAF-Leichtathletik-Meeting gerade vorbei. Die Zuschauer strömten heraus, alle waren gut drauf … Denn zuvor hatten sie die Siege von Zehnkampf-Star Leo Neugebauer, Hindernisläuferin Gesa Krause und Speerwerfer Julian Weber bejubelt. Schade, ich wäre gern dabei gewesen, aber dafür reichte die Zeit leider nicht – ich durfte ja erst noch „meine“* Wohnung am Prenzlauer Berg übernehmen.(*Dazu später mehr).
Die Zeit reichte aber noch für einen Besuch im Freibad des Olympiastadions. Da wollte ich unbedingt mal schwimmen, und gestern war das Wetter gut und der letzte Tag der Freibadsaison. Was soll ich sagen: Die Kulisse ist beeindruckend, und der 10-Meter-Turm war offen, sodass ich den mutigen, mehr oder weniger eleganten Turmspringern zuschauen konnte. Ganz schön hoch und einige haben sich sicherlich blaue Flecken beim Fall aus der Höhe geholt…

Geschwommen bin ich auch ein paar Bahnen. Das Wasser war warm, aber für meine Begriffe zu stark gechlort. Ich hatte, wie empfohlen, ein Vorhängeschloss mitgebracht …, traute mich aber nicht, meine Wertsachen, obwohl sie eingeschlossen waren, lange aus dem Auge zu lassen und gleich am ersten Tag meinen Wohnungsschlüssel zu verlieren. Die Einrichtung entspricht leider den Google-Rezensionen: ziemlich heruntergekommene Duschen, keine Umkleiden, die ehemaligen Tribünen einsturzgefährdet und mit Gerüsten und Planen abgedeckt, die Liegewiese verwildert. Und wie bei allen Berliner Bädern: Einlasskontrolle und Ausweispflicht. Das Ganze irgendwie skurril … und trotzdem hat das Bad seine Fans. Und ich war froh, es erlebt zu haben!

Mit der S-Bahn S5 fuhr ich nach „Mitte“ zurück. Dort habe ich dann – ziemlich touristisch – , am Monbijoupark mit Holzofenpizza und Aperol den ersten Tag in Berlin ausklingen lassen.

Montag, 1. September 2026

Tag 2: Rennbahn Hoppegarten mit der S5

Kaum in Berlin angekommen, bin ich schon wieder aus der Stadt rausgefahren – zur Rennbahn Hoppegarten. Die liegt schon in Brandenburg, und die S5 bringt einen zuverlässig hin. Da der nächste Renntag erst am 19. September ist, war nichts los an der Bahn. Also bin ich einfach ein bisschen herumspaziert, bis jemand kam und (nett) fragte, was ich hier zu suchen hätte,  und mich bat, das Gelände zu verlassen. Sie seien vorsichtig zurzeit, es gebe Diebe.

Jeden Tag geöffnet ist die Kneipe mit Biergarten „Zum Rennbahneck“. Dort treffen sich diejenigen, die Spaß an Pferdewetten haben und vielleicht auch nicht mehr ganz davon loskommen. Trotzdem war es sehr nett dort, und ich habe ein Radler getrunken, bevor mich die S5 zurück in die Stadt brachte.

Dienstag, 2. September 2026

Tag 3: Freibad an der Volksbühne und Comedy an der Karl-Marx-Allee

Ich bin vom Scheunenviertel Richtung Karl-Marx-Allee spaziert. Ausgangspunkt war der Rosa-Luxemburg-Platz mit einem schönen Blick auf den Fernsehturm am Alex, im Rücken die Volksbühne, die derzeit nicht bespielt wird, sondern zum Schwimmen einlädt. Und wie es sich für ein richtiges Freibad gehört, gab’s Pommes da gleich auch.

Rechts der Volksbühne entdeckte ich das Karl-Liebknecht-Haus, das heute die Parteizentrale der Linken beherbergt. Ich bin dann der Weydinger Straße gefolgt bis zur großen Kreuzung, an der die Tram M5 vorbeifährt. Auffällig ist das Soho House, heute ein elitärer Club für Schauspieler und Kreative, das einst das erste Kaufhaus Berlins war, das einen Ratenkredit anbot. Später beherbergte es die Hitlerjugend und das ZK der SED.
Verspielt kommt der Märchenbrunnen im Friedrichshain daher. An Wohnblocks vorbei erreichte ich dann die Karl-Marx-Allee, und kam pünktlich um acht an der neu eröffneten Mokka Milch-Bar an. Heute Abend fand die Premiere der Stand-up-Comedy-Show statt. Wir waren ein nettes, gemischtes Publikum und haben viel gelacht.

Nebenan, vor dem Kino International, befindet sich die U5-Haltestelle „Schillingstraße“, von der aus ich am späten Abend zurück zum Alex geht, und weiter mit der U2 „nach Hause“ zur Schönhauser Allee fuhr.

Mittwoch, 3. September 2026

Tag 4: Linie 1 trifft Linie 5: Grips-Theater und Barbaras Buchstaben

Ich finde, wer über die Linie 5 schreibt, muss mindestens auch einmal das Musical Linie 1 gesehen haben.

Also bin ich gestern Abend ins Grips-Theater gegangen. Es war für mich eine Reise in die 1980er, meine Jugend. Und trotz Neuinszenierung hat es seinen rauen Charme beibehalten: die Band spielt live, es war farbenfroh und mitreißend, und wirkte nicht so glattgebügelt wie die Stage-Musicals …Einige Schulklassen waren da, und ich fragte mich, ob die Jungs und Mädchen damit heute noch etwas anfangen können … wobei viele Themen zeitlos und auch aktueller denn je sind. Das Theater liegt direkt am Hansaplatz mit gleichnamiger Haltestelle, ich bin aber mit der S5 gekommen und in Bellevue ausgestiegen.

Vorher habe ich noch geschaut, was die Bauarbeiten beim Bundespräsidenten machen, und dann in den Arkaden der S-Bahn-Unterführung noch eine schöne Entdeckung gemacht: das Buchstabenmuseum … an einem Obdachlosen vorbei hinein, und dort Barbara getroffen.

Sie räumte gerade auf, denn das Museum hat leider geschlossen. Nach 20 Jahren ehrenamtlicher Arbeit war es ihr einfach zu viel geworden. Die Buchstaben lagern jetzt erst mal in einer Scheune in Brandenburg – und dann wird sie sehen, was daraus wird. Viel Glück, Barbara!

Donnerstag, 4. September 2026

Tag 5: Nichts Besonderes und Schnupfen

Der gestrige Tag war unspektakulär: viel gearbeitet und mich nur rund um die Wohnung bewegt. Außerdem hat mich eine Erkältung erwischt, ich hoffe, dass sie wieder schnell verduftet.

Freitag, 5. September 2026

Tag 6: Korbleger und eine bittere Niederlage

Ich war bei der Basketball-WM und hatte einen super Platz direkt hinter der deutschen Mannschaft.

Doch zum Auftakt gab es eine herbe Niederlage für die deutschen Frauen gegen die Spanierinnen. Sie waren definitiv besser und ihre Korbleger saßen… Endstand 83:53.

Zum Glück wurde es im weiteren WM-Verlauf besser…

Samstag, 6. September 2026

Tag 7: Mode im U-Bahn-Viadukt und Kälte am Orankesee

Das Sommerwetter in Berlin ist endgültig vorbei und ich kämpfe noch immer gegen den Erkältungsvirus an…Nachmittags habe ich mir dann doch noch etwas angeschaut: eine coole Modenschau unter dem U-Bahn-Viadukt.

Anschließend gab es dann Kontrastprogramm in Alt-Hohenschönhausen… viele Plattenbauten, aber auch Villen und ein idyllischer See. Fürs Seebadfest am Orankesee war es mir aber definitiv zu kalt, ich habe dann lieber im Restaurant gegessen.

Sonntag, 7. September 2026

Tag 8: Kunst, Kuppel und dreimal die 5: Führung im Bundestag

Zum Auftakt des Sonntags habe ich die KAF-Führung im Deutschen Bundestag mitgemacht und kann sie sehr empfehlen. KAF steht für Kunst- und Architekturführung. Sie dauert gut zwei Stunden und beinhaltet auch einen Blick in den Plenarsaal sowie anschließend den Besuch der Reichstagskuppel. Dabei habe ich viel Interessantes über die Kunstauswahl, das Konzept und das beratende Gremium erfahren.

Es gibt einen Kunstbeirat, dessen Vorsitz der jeweilige Bundestagspräsident innehat – aktuell also Julia Klöckner. Im Ausschuss sitzen Abgeordnete jeder Fraktion, und sie entscheiden, welcher Künstler beauftragt wird. Beraten werden sie dabei von Kunstexperten. Außerdem habe ich erfahren, wie Norman Foster bei der Sanierung vorging, und wie Christo die Reichstagsverhüllung plante und umsetzte.

Für viel Diskussionsbedarf bei der Bevölkerung sorgte Hans Haackes Installation „Der Bevölkerung“: Die Abgeordneten wurden eingeladen, Heimaterde mitzubringen. Die amerikanische Künstlerin Jenny Holzer lässt in der Nordeingangshalle auf einer Stele digitale Leuchtschriftbänder mit Reden von Reichstags- und Bundestagsabgeordneten ablaufen.

Foster hatte die Kuppel eigentlich gar nicht geplant, aber der Bundestag wollte es so – und heute ist jeder froh darüber. Ich finde es auch immer wieder atemberaubend, dort hinaufzugehen und bei jeder Umdrehung neue Blickwinkel über Berlin zu entdecken, aus dem Fenster und in den Spiegelungen.

Anschließend habe ich mich mit Natascha am Alexanderplatz getroffen, und wir sind mit U5, S5 und M5 gefahren. Sie hat sehr schöne Fotos von mir gemacht … Vielen Dank Natascha!

Montag, 8. September 2026

Tag 9: Nach der Wahl: 44 Prozent und ein nächtlicher U5-Fotomarathon

Das Lachen verging uns am Sonntagabend, als wir zum Abschluss unseres Treffens die Hochrechnungen anschauten: 44 Prozent für die AfD. Natascha sagte nur knapp: „Dann werde ich wohl doch wählen gehen.“

Am Montag war das Wahlergebnis Gesprächsthema, in der U-Bahn ebenso wie überall sonst. Abends versammelten sich viele Menschen zur Demonstration unter dem Brandenburger Tor. Ich ging nicht hin. Solidarität halte ich für wichtig, mit dem Format des gemeinsamen Großaufmarschs kann ich dagegen wenig anfangen – für mich keine Lösung, sondern eher eine Geste. Ich will verstehen, warum so viele Menschen AfD gewählt haben, und das Gespräch dort suchen, wo diese Entscheidung getroffen wurde. Nur an diesem Montagabend noch nicht: Da war ich unterwegs, um sämtliche U5-Bahnhöfe zwischen Alexanderplatz und Friedrichsfelde zu fotografieren – für genau diesen beantragten Zeitraum, 20 bis 24 Uhr, hatte ich zuvor die Genehmigung der BVG erhalten.

Dienstag, 9. September 2026

Tag 10: Elektrische Seilfähre in Strausberg und Abend am Holzmarkt

Oh, ein letzter Sommertag. Und ich habe das Gefühl, dass mir die Zeit davonläuft und ich das alles gar nicht schaffe, was ich mir vorgenommen hatte…

Wie dem auch sei: Erst kommt die Arbeit, dann das Berlin-Vergnügen – es ist ja Workcation. Bin also erst um 16 Uhr losgekommen und mit der S5 bis zu ihrem nordöstlichen Ende, Strausberg, gefahren. Das liegt noch weit hinter Hoppegarten in Brandenburg. Dort gibt es einen schönen See, über den einen Europas einzige elektrische Personenseilfähre bringt.

Den Abend habe ich dann wieder in der Stadt verbracht: Ich bin die Reste der bunt bemalten MAUER abgelaufen und im Holzmarkt eingekehrt. Und wie es so ist an touristischen Orten, trifft man dort im September nur noch Leute aus BW oder Bayern… So war es auch bei Isabell, sie kommt aus Pforzheim und war mit ihren Kindern da. Wir haben uns trefflich über alles Mögliche unterhalten, vor allem über Sucht und Drogen (sie hat da einschlägige, fundierte Erfahrungen) und werden die Begegnung wohl mal im „Goldenen Anker“ in Pforzheim fortsetzen.

Mittwoch, 10. September 2026

Tag 11: Vom Adlon nach Hönow: DDR-Bahnhöfe und Gärten der Welt

Am Mittwochnachmittag war ich erst am Brandenburger Tor und im Adlon, anschließend auf der U5 Richtung Osten bis Hönow unterwegs und habe mir die Bahnhöfe aus DDR-Zeiten angeschaut. Zum Abschluss war ich noch in den Gärten der Welt in Marzahn-Hellersdorf, habe die Gondelfahrt und die Aussicht genossen und mir überlegt, welche Ideen der IGA-Gartenschau von 2017 auch für Vaihingen funktionieren würden – oder eben auch nicht.

Donnerstag, 11. September 2026

Tag 12: Politik und Bier: Plenarsaal, Stasi-Haft und ein versöhnlicher Abend

Der Scheich war in Berlin, und dementsprechend hoch waren die Sicherheitsvorkehrungen. Durchsage in der U5: „Aufgrund eines Staatsbesuchs hält die U5 nicht an den Stationen Rotes Rathaus und Bundestag.“ Da ich um 11 Uhr meine Bestätigung für den Plenarsitzungsbesuch hatte, musste ich am Brandenburger Tor aussteigen und den Rest zu Fuß laufen. Ist ja nicht so weit. Bei der Gelegenheit entdeckte ich das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas…

Merz war dann auch nicht im Plenarsaal, sondern beim Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate. Weil zusätzlich noch ein allgemeiner Alarmtag war, waren die Sicherheitsvorkehrungen sehr hoch. Fotografierverbot herrscht auf der Besuchertribüne ohnehin, aber heute mussten die Handys komplett abgeschaltet oder abgegeben werden, damit die Sitzung nicht gestört wird. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wies dann sieben vor elf die Abgeordneten darauf hin und bat sie, ihre Geräte auszuschalten … Um elf war es auf der Tribüne mucksmäuschenstill, aber unten im Plenarsaal summte es leise … und dann wieder, als einige ihre Handys zu früh wieder einschalteten … So viel zur digitalen Kompetenz der Abgeordneten – da ist noch Luft nach oben.

Viel schlimmer fand ich das Verhalten insgesamt: Grundsätzlich hörte niemand richtig zu, die Statements der SPD waren vielleicht fundiert, aber langweilig vorgetragen, die AfD pöbelte, Innenminister Dobrindt besprach sich im Hintergrund unter der Tribüne mit anderen, eine grüne Abgeordnete spielte die ganze Zeit mit einem Zauberwürfel herum, und nur wenn der Redner aus den eigenen Reihen kam, hörte man zu und applaudierte.

Es war alles in allem kein Vorbild – schon gar nicht für die vielen Schüler der anwesenden Schulklassen!

Ja, auch so entstehen Frust und Bürgerverdruss, denn mit unseren Steuergeldern finanzieren wir ja den politischen Zirkus. Wie geschickt das BSW den frustrierten Bürger bei seinen Emotionen abholt, konnte ich beim Wahlkampfauftritt von Sahra Wagenknecht im Linden-Center in Berlin-Lichtenberg erleben. Bei der Demagogie liegen AfD und BSW also gleichauf. Wagenknecht inszenierte sich dann noch als Friedensengel … ich fand das, milde gesagt, sehr grotesk. Zuvor war ich in der Gedenkstätte Hohenschönhausen – dem Gefängnis, das erst von den Russen und dann von der Stasi als Untersuchungshaft für politische Gefangene genutzt wurde. Und die Verhörmethoden waren ausgeklügelt bis zur Perfidie…

Von dort bin ich dann nach Reinickendorf, weil ich mit meinem Cousin verabredet war. Der Jazzclub fiel leider aus, aber ich habe trotzdem einen sehr netten Abend mit ihm und seinen Freunden in einer altberliner Kneipe verbracht … und über Politik haben wir natürlich auch wieder gesprochen … es stehen ja Wahlen an in Berlin. Das Schöne daran: Trotz unterschiedlicher Meinungen haben wir miteinander gesprochen – und nachher wieder miteinander gelacht … Das ist es, was unserer Gesellschaft leider zunehmend verloren geht.

Freitag, 12. September 2026

Tag 13: Zum Durchatmen: Doreen, Bauhaus-Frauen und Helmut Newton

Boah, heute bin ich echt k.o. und habe mir einfach gerne einen Tag Ruhe gegönnt: „ohne scharf, ohne alles“. Aber ich hatte mich sehr auf das Treffen mit Doreen gefreut, und wir haben uns um 12 Uhr am Bahnhof Zoo verabredet. Dann haben wir drei Stunden gequatscht – über Politik, den Osten, ihre Aktionen, meine Erlebnisse in Lichtenberg und im Plenarsaal, und Privates. Wir kennen uns seit 2017, als ich mit dem Bloggen über die Linie 5 anfing und wir gemeinsam ein Jahr lang einen Bloggerzirkel besucht haben. Seitdem haben wir uns auch nie aus den Augen verloren. Ich habe sogar schon einmal auf meinem Blog über sie berichtet, weil sie ihre Kindheit entlang der U5 verbracht hat: https://linie5.com/doreen-ich-bin-doch-die-tochter-meines-vaters/

Es war so ein schönes Treffen, und wir waren uns einig, dass wir weiterhin in Kontakt bleiben und gemeinsam mal etwas umsetzen wollen.

Anschließend war ich noch im Museum für Fotografie, das eine Ausstellung zu den Bauhaus-Frauen zeigt und die Helmut Newton Foundation beherbergt. Ich fand beide Ausstellungen sehr interessant.

Und da morgen schon mein Abreisetag ist, bin ich dann nach Hause gegangen und habe angefangen aufzuräumen, denn der morgige Tag ist noch vollgepackt mit Terminen.

Samstag, 13. September 2026

Tag 14: Abschied mit Mies van der Rohe, Art Market und Picknickdecken

Zum Abschluss meines Berlinaufenthalts war ich noch einmal in Berlin-Mitte unterwegs: Ich bin durch die schmalen Gänge des Denkmals für die ermordeten Juden Europas gegangen und Unter den Linden bis zur Museumsinsel entlangspaziert. Die Staatsoper lud zum Tag der offenen Tür ein. Die Warteschlangen für die Führungen waren mir zu lang, aber ich habe Schubertliedern gelauscht und im Apollosaal die Kostüme für die neuen Aufführungen bewundert.

Der Art Market an der Spree bietet viel Kunsthandwerk, und ich habe mich in eine Tasche aus feinstem Rindsleder verliebt, die in Kreuzberg gefertigt wird und deren Leder aus einer Gerberei in Tübingen stammt.

Die Hackeschen Höfe wiederum waren sehr voll, also bin ich nicht lange dort geblieben, sondern mit der Straßenbahn M5 noch einmal nach Lichtenberg gefahren, bis zur Haltestelle Oberseestraße. Von dort aus gelangt man ebenfalls zum Orankesee, an dem ich schon war. Mein heutiges Ziel war jedoch das Lemke-Haus bzw. Mies-van-der-Rohe-Haus, in dem im Rahmen der Art Week Berlin eine Ausstellungseröffnung stattfand. Auf den ersten Blick wirken die Arbeiten des Amerikaners Matt Browning schlicht, kennt man jedoch das Konzept dahinter, ist es genial und passt treffend zur Architektur des Bauhaus-Stils. Das Wetter war sonnig und herrlich und lud dazu ein, auf Picknickdecken in diesem wunderschönen Garten mit See zu verweilen.

Ja, und dann hieß es Abschied nehmen – von meiner schönen Übergangswohnung am Prenzlauer Berg. Es hat mich unheimlich gefreut, dass ich Kerstin und Nadja noch treffen konnte.

Kerstin, Nadja und ihr Raumwunder: Wie es zu 14 Tagen Berlin kam

Jetzt fehlt nur noch die Erklärung, wie es zu den 14 wunderbaren Tagen in Berlin kam. Mitte Juli poppte Kerstins LinkedIn-Beitrag in meinem Feed auf. Darin stand:
„Lust auf Workation in Berlin? 🌿💻Wir sind vom 30. August bis 12. September im Urlaub und bieten in dieser Zeit unsere gemütliche Wohnung im schönen Prenzlauer Berg an – perfekt für eine Person, die Arbeiten und Großstadtflair verbinden möchte.
Das erwartet dich:
🌻 2 Zimmer
🌻 Küche & Bad
🌻 Balkon
🌻 großer Schreibtisch
🌻 stabiles WLAN
🌻 Fahrradbenutzung

Kostenfrei – gegen Blumengießen 🌱“

Das sprach mich sofort an und passte perfekt in meine Zeitplanung. Also schrieb ich Kerstin, wir hatten einen Zoom-Termin und waren uns auf Anhieb sympathisch. Die Sache war gegessen. Noch am selben Abend buchte ich das Bahnticket nach Berlin. Ich konnte von Vaihingen an der Enz ohne Umsteigen durchfahren und zahlte für die 2. Klasse nur 18 €. Wenn das mal kein Zeichen war.

Am Sonntag meiner Ankunft gab es eine kurze Übergabe, dann machten sich die beiden auf in den Urlaub und die Wohnung gehörte mir. Wie das war? Sie war ganz anders als mein Zuhause, aber ich fühlte mich sofort wohl. Nicht einen Tag und nicht eine Nacht hatte ich ein komisches Gefühl, in einem fremden Bett zu schlafen. Kerstin ist Lektorin für Sachbücher, ihre Frau Nadja Künstlerin. Die Wohnung ist bunt und gemütlich, und überall hängen Werke von Nadja, mal schön, mal rebellisch und immer farbintensiv. Schaut mal auf Nadjas Webseite vorbei: Kunstrebellin aus Berlin.

Ich habe gestaunt, wie durchdacht die beiden Frauen die Wohnung eingerichtet haben und wie viel sie auf den wenigen Quadratmetern untergebracht haben. Ein richtiges Raumwunder! Dazu liegt sie hervorragend an das ÖPNV-Netz angebunden an der Schönhausener Allee,  ideal für meine Linie5-Erkundungen mit U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn. Nahezu jeden Tag arbeitete ich von 9 bis 13/14 Uhr an Kerstins Schreibtisch, danach zog es mich in die Stadt, wo ich meistens bis 23/24 Uhr unterwegs war. Ich habe die Berlin-Zeit als sehr intensiv erlebt und viel gesehen, obwohl ich doch nicht alle Vorhaben umsetzen konnte.

Vor allem bin ich Kerstin und Nadja unendlich dankbar dafür, dass ich die Gelegenheit dazu hatte. Dass zwei Menschen, die ich vorher nur von einem LinkedIn-Beitrag und einem Zoom-Gespräch kannte, mir ihr Zuhause anvertraut haben, war ein großes Geschenk. Die Blumen habe ich übrigens brav gegossen. Ein kleiner Preis für 14 Tage, die ich nie vergessen werde.

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