„Bist du die Heike von der Linie 5?“

In Heidelberg und Mannheim unterwegs mit Ulrike S. aus S.

Manchmal entstehen Begegnungen ganz zufällig. Aus einem kurzen Gespräch im Zug wurde über Instagram ein Kontakt – und schließlich ein gemeinsamer Ausflug.

„Bist du die Heike von der Linie 5?“ Ganz überraschend sprach mich Ulrike im Zug an. Ich stand im Gang und wartete auf den Umstieg, sie zeigte auf meinen Rucksack mit der Aufschrift „Linie 5″. „Ja, das bin ich“, antworte ich verwundert. „Ich lese deinen Blog …und folge dir auf Instagram“, erklärte sie. Leider blieb damals keine Zeit für ein längeres Gespräch. Beim Umstieg in Straßburg trennten sich unsere Reisewege, sie fuhr weiter nach Marseille, ich nach Valencia.

Seit diesem kurzen Treffen im März sind wir über Instagram in Kontakt geblieben. Dabei habe ich erfahren, dass Ulrike aus der Nähe von Heidelberg kommt, und wir haben verabredet, uns im Sommer einmal richtig zu treffen.

Wiedersehen in Heidelberg

Am Donnerstag war es so weit. Treffpunkt: halb eins, Heidelberger Hauptbahnhof. „Ich hol dich ab“,schrieb sie noch, und tatsächlich stand sie schon am Bahnsteig. Ich erkannte sie sofort, und gefremdelt haben wir keine Sekunde. Stattdessen entwickelte sich gleich ein interessantes Gespräch: Beruf, Reisen, Politik, Familie, Kinder – alle Themen kamen auf den Tisch, während wir natürlich standesgemäß mit der Linie 5 bis zum Bismarckplatz fuhren.

Von dort spazierten wir über die Neckarbrücke – und rieben uns verwundert die Augen: Nach all den trockenen Dürremonaten führte der Neckar hier in Heidelberg erstaunlich viel Wasser und wirkte ganz normal. Das konnten wir uns nicht erklären.

Geheimtreppe zum Philosophenweg

Ulrike zeigte mir dann ihren geheimen Treppenaufgang zum Philosophenweg. Unzählige  Stufen ging es hinauf, immer wieder mit schönen Blicken auf die Häuser und Gärten am Hang.  Vom Philosophengärtchen genossen wir dann die Aussicht auf die Alte Brücke, die Altstadt und das Heidelberger Schloss. Wir kauften ein Eis am Kiosk und bewunderten die gepflegten Blumenrabatten. Im Herbst 2022 war ich schon einmal hier oben ewesen, doch heute wirkte die Anlage fast mediterran.

Wanderung auf den Heiligenberg: Bismarckturm, Heidenloch, Thingstätte

Anschließend wanderten wir weiter, den Heiligenberg hinauf, zunächst zum Bismarckturm, dann durch den Wald vorbei am Heidenloch und dem Stephanskloster bis zur Thingstätte. Ein befremdlicher Name, findest du nicht auch?

Die Thingstätte ist eine große Freilichtbühne, die nach dem Vorbild antiker griechischer Theater errichtet wurde. Sie ist allerdings nicht einfach nur ein beeindruckender Ort im Wald, sondern auch ein Zeugnis der nationalsozialistischen Vergangenheit Heidelbergs: eine monumentalistische und ideologisch aufgeladene Veranstaltungsstätte der NS-Zeit. Heute wird die Thingstätte nicht mehr genutzt. Ulrike erklärte mir, dass unter anderem die fehlenden Zu- und Abfahrtsmöglichkeiten ein Grund dafür seien.

„Man merkt, dass da viel Liebe drinsteckt“

Ich war inzwischen ehrlich gesagt froh, endlich oben angekommen zu sein. Hier oben war es deutlich ruhiger, nur wenige Touristen verirren sich hierher. Und wieder stellten wir eine Gemeinsamkeit fest: Wir mögen es beide, auch einmal abseits der üblichen Wege unterwegs zu sein. Auch Ulrike bereitet ihre Reisen intensiv vor – vielleicht auch, weil sie ursprünglich eine Ausbildung im Reisebüro gemacht hat. Sie reist viel, hält ihre Wege per Smartwatch fest und schaut manchmal im Nachhinein nach, wo sie überall gewesen ist – sowohl in der Ferne als auch in der Nähe, mit dem Deutschlandticket.
Auch ich bereite meine Reisen in drei Schritten vor: Vorbereitung, die Reise selbst, und danach die Foto- und Textaufbereitung für den Blog. „Man merkt, dass da viel Liebe drinsteckt“, sagte Ulrike und fragte mich, woher ich eigentlich die Zeit dafür nehme. Eine gute Frage. Eine wirklich gute Frage.

Zurück zur Altstadt über den Schlangenweg

Wir stiegen wieder ab, durch eine ruhige Waldpassage, bis wir am Eingang zum Schlangenweg landeten, der uns hinunter bis zur Alten Brücke bringt. Dort wurde es prompt wieder touristischer. Unten ging es mit dem 38er Bus zum Bismarckplatz – das Deutschlandticket lohnt sich wirklich – und weiter mit der Linie 5 nach Mannheim.

Heidelberg ist spießig, also weiter nach Mannheim!

Die Wanderung hatte länger gedauert als gedacht und uns ordentlich hungrig gemacht. Ulrike erzählte, dass sie mindesens einmal im Monat einen Ausflug in die nähere Umgebung unternimmt, in die Pfalz oder nach Frankfurt. „Heidelberg ist spießig“, meinte sie unumwunden – also weiter nach Mannheim.

Mannheim entdecken: Klein-Istanbul und Neckar-Beach

In Klein-Istanbul, direkt hinterm Marktplatz, gab es Döner. Wir fanden es spannend, einfach an der Straße zu sitzen und zu beobachten, wer vorbeikommt, während wir uns über Istanbul und andere Reiseziele austauschten. Der Mannheimer Istanbul-Street-Style hatte es uns angetan: prächtige Roben in den Schaufenstern, viel Schmuck, hohe Absätze, die Frauen sehr gepflegt. Am besten gefiel uns ein Kinderwagen mit vergoldeten Radspeichen und goldenem Spoiler.

Wir bummelten noch durch die Quadrate und entdeckten dabei ein weiteres Mural – wieder ein gemeinsames Thema: Graffiti und Murals. Überhaupt hatte ich während unseres ganzen Tages immer wieder das Gefühl, dass wir erstaunlich viele Gemeinsamkeiten haben:

  • Wir reisen gerne.
  • Wir erkunden gerne Orte, die nicht unbedingt auf der klassischen Touristenliste ganz oben stehen.
  • Wir fotografieren.
  • Wir schauen genau hin.
  • Und wir erzählen anschließend gerne davon.

Zum Ausklang ging es an den den Mannheimer Strandbeach, bei einem Radler ließen wir den Abend gemütlich ausklingen.

Ein Foto von der Linie 5 musste natürlich auch noch sein! Vor dem Mannheimer Hauptbahnhof hat es dann endlich geklappt:

Dann trennten sich unsere Wege wieder – mit dem Deutschlandticket ging es für Ulrike nach Sandhausen und für mich nach Vaihingen an der Enz.

Fazit: Ein Tagesausflug mit dem Deutschlandticket

Wie es sich für einen Deutschlandticket-Ausflug gehört, hier noch das obligatorische Fazit zur Fahrt: Meine erste Verbindung ab Mühlacker fiel aus, dann ging es stehend im proppenvollen Gang des RE1 bis Karlsruhe, weiter mit dem RE 73 entspannt und pünktlich bis Heidelberg. Auf der Rückfahrt ab Mannheim mit der S3 bis Karlsruhe-Durlach, dann mit dem RE1 bis Vaihingen – entspannt und ohne Zwischenfälle.

Ein wirklich schöner Tag mit einer neuen Bekanntschaft, die sich ganz beiläufig aus einer zufälligen Zugbegegnung entwickelt hat. Genau solche Geschichten schreibt eben nur die Linie 5.


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Zum Weiterlesen und Weiterfahren mit dem Deutschlandticket:


Die Linie 5 in Mannheim ist eine ganz besondere Linie. Eine Rundfahrt auf der 57 Kilometer langen Strecke ist  wie ein Kurzurlaub. Sie bringt dich in drei total unterschiedliche Städte: Mannheim, Heidelberg und Weinheim.
Zum Blogbeitrag Linie5-Rundfahrt in XXL

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