Drängeln verpönt – gute Umgangsformen für Bus und Bahn

Juchhuh, endlich Urlaub! Der Koffer ist gepackt und los geht‘ s. Die große Freiheit ruft. Leider vergessen viele Urlauber ihr gutes Benehmen zuhause. Doch mit Höflichkeit im Gepäck reist es sich einfach angemehmer. Das wusste schon Freiherr von Knigge. Und gilt übrigens auch für Bus, Straßenbahn und U-Bahn. Knigge-Expertin Angelika Neumann erklärt die Dos und Don’ts.

Ich bin mit der Knigge-Expertin Angelika Neumann in Nürnberg unterwegs. Und ich gebe es ja zu, sie erwischt mich ganz schön oft beim „She-Bagging“.  Nun, so nennt man das, wenn du mit Tasche und Rucksack den Platz neben dir auch noch besetzt. Dabei ist es egal, ob du das gedankenverloren oder absichtlich machst, es ist schlicht unhöflich. „She-Bagging“ ist übrigens das weibliche Pendant zum „Manspreading“ (breitbeiniges Sitzen – meist von Männern), was in New Yorker U-Bahnen und Madrider Bussen inzwischen sogar verboten ist.

Damit du in der U-Bahn und im Bus immer eine gute Figur machst, habe ich Angelika nach den wichtigsten Regeln gefragt.

Angelikas Tipps, wie du dich als Reisender in Bus und Bahn höflich verhältst. 

1
Mach dich mit den Gepflogenheiten der bereisten Stadt bzw. des Landes vertraut

Du kannst bereits im Vorfeld recherchieren, wie der öffentliche Nahverkehr funktioniert. Was ist beim Fahren mit Straßenbahn und Bus zu beachten? Es gelten immer die Regeln der bereisten Stadt bzw. des bereisten Landes, mögen sie noch so befremdlich wirken. Bei Unsicherheit hilft Beobachten der einheimischen Fahrgäste und „abgucken“.

2

Respektvoll statt lautes Draufgängertum

Lautes Schreien durch die Bahn, weil mein Freund am anderen Ende steht, lautstarkes Diskutieren über den nächsten Besichtigungspunkt oder lautes Telefonieren mit den Lieben zu Hause, vielleicht sogar ein handfester Streit – das alles sind No-Gos!
Denn dieses Verhalten ist für alle Mitreisenden peinlich. Als Tourist spreche ich zudem oft eine andere Sprache, was für die Einheimischen doppelt störend wirkt – weil sie nicht verstehen, was da gesprochen wird.

Wenn ein  Telefonat wirklich geführt werden muss, dann halte einen Schal oder die Hand vor den Mund und sprech leise.. Ebenso eine gute Lösung: Schreiben, WhatsApp oder SMS; ohne Tastentöne.

3

Trag angemessene Kleidung

Auch im Urlaub sollte die Kleidung der Stadt und den Gepflogenheiten vor Ort angepasst werden. Konkret heißt das: Strandkleidung gehört an den Strand – trag lockere, legere Kleidung in der Stadt. In deutschen Städten ist es zudem nicht verboten, seine religiöse Kopfbedeckung zu tragen.

4

Rucksäcke und Taschen

Nimm den Rucksack vom Rücken , denn er stört beim Stehen die anderen Fahrgäste und nimmt Platz weg. Besser: Zwischen bzw. an die Beine auf den Boden stellen. Und bitte auch nicht den Nachbarsitz mit Gepäck beladen.

Anmerkung: Zugegeben, es ist nicht immer ganz einfach ausreichend Platz für das Reisegepäck im Bus und der S-Bahn zu finden. Orientiere dich an besten an den Schildern für Kinderwagen.

5

Essen? Besser draußen!

Döner, Hamburger, stark riechende Wurst- und Käsebrote haben in der Bahn bzw. im Bus nichts zu suchen. Dies belästigt die Mitfahrenden und ist respektlos. Wenn der Hunger ganz groß ist, wähle nicht riechende und wenig krümelnde Lebensmittel wie Fruchtriegel oder Brezeln. Anschließend den Platz kontrollieren: Sauber verlassen!

6

Ein- und Aussteigen

Erst aussteigen lassen, dann einsteigen. Das kennt jeder! Als Tourist solltest du dir genau überlegen, ob du unbedingt zur Rush Hour unterwegs sein musst. Und wenn ja, dann den sichtlich auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule befindlichen Menschen Vorrang gewähren.

7

Wie frage ich als Tourist Einheimische höflich nach dem Weg oder bitte sie um Hilfe?

Als Fremdsprachler wirkt es sehr höflich, wenn du mindestens den Gruß und die ersten Worte in der Landessprache sprichst. Die angemessene Höflichkeitsform wäre beispielsweise: „Guten Tag, könnten Sie mir bitte sagen, wo es zur Frauenkirche geht?“ oder „Grüß Gott, könnten Sie mir helfen, die richtige Fahrkarte zu kaufen?“ Wenn du dir mit dem Gruß nicht sicher bist, reicht auch ein freundliches „Hallo“.

8

Und wie verhalte ich mich korrekt, wenn mir ein Tourist in meiner Heimatstadt begegnet?

Überlege dir, wie gut es dir tut, in einer fremden Stadt auf freundliche, hilfsbereite Menschen zu treffen. Daher: Freundlich die Fragen beantworten, behilflich sein am Fahrkartenautomaten und ggf. beim Gepäck. Und ! Die üblichen „guten Umgangsformen“ in Straßenbahn und Bus vorleben.

Vielen Dank, liebe Angelika, für diese wertvollen Tipps zu den guten Umgangsformen in Bus und Bahn. Angelika Neumann ist zertifizierte Knigge-Beraterin und wohnt in Nürnberg.

Auf ihrem Blog „Stilentas – für ein respektvolles Miteinander“ stellt sie die Umgangsformen für Bus und Bahn in aller Ausführlichkeit vor und beantwortet auch, wie du jemanden geschickt darauf hinweisen kannst, dass sein (Fehl-)verhalten andere stört.

Liebe Leserin, lieber Leser,
jetzt würde mich noch brennend interessieren, wie es dir mit den Umgangsformen im ÖPNV geht. Was stört dich am meisten, was hast du schon beobachtet? Schreib mir ins Kommentarfeld. Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.

Was hält die Linie 5 in Nürnberg für dich bereit?

Fahr mal Linie 5 in Nürnberg – Teil 1 Südstadt

Teil 2: Fahr mal Linie 5 in Nürnberg – nach Osten zum Tiergarten

 

Was meinst du dazu? Schreib mir.

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