Wo die Provence wild und ruhig ist

Am Fuße des Mont Ventoux führt diese kurvenreiche Landstraße D5 auf der südlichen Seite der Nesque-Schlucht in die Hochebene von Sault

D5 bei Gorges de la Nesque
Malemort-du-Comtat – Méthamis – Belvédère de Saint-Hubert
Länge: 29 km
Land: Frankreich, 84 Département Vaucluse

Heute nehme ich dich mit auf eine malerische Fahrt entlang der D5 durch das Vaucluse in der Provence. Die kurvenreiche Landstraße führt am Fuße des Mont Ventoux auf der südlichen Seite der Nesque-Schlucht bis zur Hochebene von Sault. Wir entdecken malerische Dörfer und verlassene Plätze, kaufen Biowein beim Schotten und picknicken unter blühenden Kirschbäumen. Zum Abschluss belohnen uns fantastische Ausblicke auf den Mont Ventoux und die Nesque-Schlucht.

Diese Route Départementale D5 beginnt – wie so viele andere auch – einfach so an an einer Straßenkreuzung zwischen Getreidefeldern und Weinreben. Gestartet sind wir in Carpentras und folgten zunächst der D4 Richtung Südosten. Nach fünf Kilometern bogen wir am Kreisverkehr auf die D1 ab und wandten uns an der nächsten Kreuzung rechts, um auf die D5 zu gelangen. Sie wird uns nun 29 Kilometer durch das Vaucluse begleiten. Unser erstes Etappenziel ist das vier Kilometer entfernte Malemort-du-Comtat. Auf geht`s – das Abenteuer beginnt! Weinreben und Olivenhaine säumen die Straße.

Weindorf Malemort-du-Comtat

In Malemort parken wir unser Auto am Ortseingang nahe der Gemeindehalle. Die Tür zum Festsaal steht offen und ich werfe einen Blick hinein. Zahlreiche Zuhörer lauschen einem Referenten, der Powerpoint-Charts an die Wand wirft. Eine junge Frau spricht mich an und erklärt, dass es sich um eine Informationsveranstaltung zum Klimawandel und Weinbau handelt. Ob wir reinkommen wollen? Ich lehne höflich ab und erzähle, dass wir Touristen sind und uns den Ort anschauen möchten.

Am Place de la République betreten wir den malerischen Ortskern durch die „Grand-Porte“. Der Torbogen bildet zusammen mit dem Waschhaus und dem Brunnen ein wunderschönes Ensemble.

Brunnen und Waschhäuser sind typisch für die Provence.

Malemort-du-Comtat ist uralt. Das ist an jeder Ecke zu spüren. Und im Gegensatz zu anderen Provence-Orten wie Gordes, Lacoste oder Roussillon hat es seine Authentizität bewahrt. Hier leben noch echte Provenzalen, die ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft, mit Obst, Weinbau und Oliven verdienen oder im nahegelegenen Carpentras arbeiten.

In Malemort-du-Comtat wurde bisher noch nichts auf „schön“ restauriert.

Parlez-vous 🇫🇷 ?
fontaines  – Brunnen
lavoirs – Waschhäuser
la cerise – die Kirsche

Am frühen Nachmittag gegen halb drei wirkt der Ort malerisch und ein wenig verschlafen. Wir schlendern durch die verwinkelten Gassen. Einen Olivenbaum haben sie vor die Kirche Notre Dame de l’Assomption gepflanzt. Die Hauseingänge und Fenstersimse sind mit Töpfen voller Stiefmütterchen, Agaven und Rosmarin geschmückt. Gelb blühende Kletterpflanzen umrahmen die Szenerie. Allein drei ältere Herren sitzen auf der Bank beim Rathaus und diskutieren das Weltgeschehen. Die anderen Einwohner sind entweder bei der Versammlung oder noch auf der Arbeit in Carpentras.

Also steigen wir nach unserem Rundgang wieder ins Auto und folgen der D5 aus dem Ort heraus, durch eine Allee, vorbei an Weinbergen in die Hügel des Comtat. Auf halbem Weg nach Méthamis erreichen wir die Abzweigung zum Château Unang.

Biowein vom Schotten vom Schloss

Joana King empfängt uns herzlich, und ja, ihr Mann James ist auch bei der Winzerversammlung.

Das Ehepaar stammt ursprünglich aus Schottland. Die beiden haben vor 13 Jahren das herrliche Schloss mit den umliegenden Weinbergen gekauft und bauen seitdem Biowein an. Wir unterhalten uns erst ein bisschen über die Preisentwicklung von Bioweinen, bevor wir verschiedene Sorten probieren: zwei Weißweine, einen Rosé und einen Rotwein. Mein persönlicher Favorit ist eindeutig der frische, junge Weiße mit dem neuen Etikett, das ihr Sohn gestaltet hat – darauf ist ein Hase zu sehen!

Die Weinberge des Château Unang liegen auf fast 350 Metern Höhe. Joana King erklärt uns,  dass ihre Reben von den kühlen Nächten profitieren, die eine langsame Reifung der Trauben begünstigen und dem Wein diese besondere Frische verleihen. Besonders stolz sind sie auch auf ihren Rotwein, der auf einem ganz besonderen Terroir des Schlosses gedeiht: ein sehr sandiger Boden auf  Kalksteinschichten. Die Hauptrebsorten des bio-zertifizierten Weinguts sind Grenache und Syrah. Zwei Kartons wandern schließlich in den Kofferraum und mit einem guten Gefühl setzen wir unsere Tour fort.

Bei Méthamis ist die Nesque-Schlucht ganz nah

Bis Méthamis ist es nicht weit. Der kleine Ort thront an einem steilen Felshang, der sich auf der Nordseite abrupt in die Schlucht hinabstürzt. Von der romanischen Kirche über dem Dorf hat man einen schönen Rundblick auf die umliegende Landschaft. Selten haben wir die Provence so grün erlebt! Das mag daran liegen, dass es vor Ostern ausgiebig geregnet hat. Deutlich zeichnet sich das fruchtbare Ackerland zum kargen Kalkgestein des Plateaus ab. Und in diese Hochebene fahren wir jetzt hinein.

Hoch in die Berge

Die D5 windet sich in Serpentinen den Hang hinauf, eine Kurve folgt auf die nächste. Mehr als 30/40 Stundenkilometer sind nicht drin. Jede Kehre eröffnet einen neuen Blick:  mal auf den Mont Ventoux, mal auf die Hochebene vor uns und dann wieder zurück ins weite Tal bis hin nach Carpentras. Die Landschaft ist karg, nur niedriges Gebüsch und viele Steine weit und breit.

Umso überraschter bin ich, dass wir oben auf blühende Kirschbäume treffen. Die hätte ich hier nicht erwartet, aber sie gedeihen prächtig und laden förmlich zum Picknick ein. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen, breiten die Decke aus und essen unsere Brote. Welch ein Genuss! Die Sonne scheint, die Bienen summen in den Kirschbäumen. Es duftet nach Kirschblüten und Thymian. Zwischen den Steinen blühen tiefblaue Schwertlilien. Lediglich die Schafe, vor denen uns die Verkehrsschilder gewarnt hatten, lassen sich nicht blicken.

Einsam und still ist es hier oben. Kein Auto weit und breit. Stattdessen kreuzen Fahrradfahrer immer wieder unseren Weg. Mal als Gruppe mit gelben Trikots, dann als Paar auf einem Tandem oder auch als einzelne Kämpfer. Die D5 ist ein Geheimtipp unter Radfahrern und wird ausgiebig auf bekannten Portalen wie „Quäl dich“ oder „All Trails“ diskutiert.

Gestrüpp, Steine und eine fantastische Aussicht

Nach weiteren Kurven und Kilometern stoßen wir auf ein verlassenes, kleines Haus mit einer unvergleichlich schönen Aussicht. Wer mag wohl hier gewohnt haben? Jetzt ist jedenfalls niemand mehr da. Die Veranda ist verfallen, die Fensterscheiben zerbrochen, und überall liegt Gerümpel herum. Wenn ich könnte, würde ich es mir sofort wieder herrichten als Ferienhaus.

Wir setzen unsere Fahrt fort über eine steinerne Brücke und kommen an den Überresten der Pestmauer vorbei. Die Straße windet sich weiter, bis wir schließlich die Gîte Saint Hubert und die Aussichtspunkte „Bellevue“ und „Belvédère Saint Hubert“ erreichen. Auf knapp 850 Metern Höhe angekommen, genießen wir den grandiosen Blick auf den Mont Ventoux, den Rocher de Cire und die Gorges de la Nesque.

Und dann endet die D5 genauso abrupt, wie sie begonnen hat, an einer Kreuzung auf dem Hochplateau. Nun folgen wir der D96 hinab nach Monieux und kehren über die D942 durch die Nesque-Schlucht zurück. Was für ein Kontrast: von der Stille wieder mitten ins Touristengetümmel – die Aussichten mögen spektakulärer sein, doch die Ruhe auf der Hochebene war etwas ganz Besonderes.

Fazit

Diese D5 bietet einen wunderbaren Kontrast zur stark befahrenen D942 durch die Nesque-Schlucht und lässt sich gut als Rundtour mit ihr kombinieren.

Praktische Info:

Hinkommen?
Ab Paris/Deutschland A7 Lyon/Orange/Ausfahrt 23 nach Carpentras; D 942, D4, D5

Besonders schön
Zur Kirschblüte im April oder zur Lavendelblüte im Juli

Einkaufen
Olivenöl: Moulin a Huile“La Colombe“, 260 Route des Platrières, Malemort du Comtat
Bio-Wein: Château Unang, Route de Méthamis, Malemort-du-Comtat
Erzeuger-Markt: Juni bis September, donnerstags 17 bis 20 Uhr, Platz vor dem Festsaal der Gemeinde Malemort-du-Comtat

Essen und trinken
Malemort-du-Comtat an der D5:

Café Leo Pizza, 35 Le Cours und Restaurant Pompette 220, Le Cours
Mein Tipp: Besorg dir Brot und Käse auf dem Markt und picknicke dann unterwegs.

Übernachten:
Wir waren mit Freunden auf dem Campingplatz in Bonnieux im Luberon und hatten dort eine Hütte gemietet. Es gibt auch in der Nähe der Nesque-Schlucht Campingplätze.
Charmante und exklusive Bed&Breakfast-Übernachtungen bietet das Metafort in Méthamis an, sehr schön ist auch das Ferienhaus Le Lavandou im gleichen Ort.

Nicht weit weg:

  • der Mont Ventoux (1909 Meter), der höchste und heilige Berg der Provence
  • Gordes und die Abtei von Senanque
  • das Luberon mit Rousillion, Bonnieux, Lacoste und dem bekannten Wochenmarkt von Apt

Gefällt dir dieser Ausflug?

Für einen D5-Abstecher ist immer Zeit!

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