Wandern im Weinberg – auf den Spuren der „Wengertschützen“

Rundweg Nr. 5 bei Sternenfels im Naturpark Stromberg-Heuchelberg

Früher, als die Weinberge zur Lesezeit gesperrt waren…, ja früher da gab es eine „Weinberghut“. Dies waren ehrenhafte Männer, die den Weinberg bewachten und die Trauben vor Dieben schützten. Mit Schreckschusspistolen und Rätschen machten sie Lärm und vertrieben gefräßige Stare, Amseln und Drosseln. Auch Dachse, Rehe und zweibeinige Traubendiebe wurden verjagt. Zum Schutz vor Regen und Wind und zum Übernachten gab es extra Häuschen und Unterstände im Weinberg.

Sternenfels widmet den Wengertschützen einen Spazierweg

Die kleine Gemeinde Sternenfels hat seit den 80er-Jahren keine Weinbergschützen mehr, doch – der Tradition geschuldet –  einen Spazierweg den „Wengertschützen“ gewidmet. Wengert ist der schwäbische Dialektbegriff für Weinberg. Der Rundweg 5 entspricht einem Kontrollgang der Wengertschützen und wird deshalb auch die „Wengertschützenrunde“ genannt.

Entdeckt habe ich den Weg zufällig bei einer Spritztour durchs Kraichgau. Mein Auto parke ich am Sandberg an der Einmündung zur Häfnerhaslacher-Landstraße. Es geht ein paar Schritte durch den Wald bergauf und schon öffnet sich vor mir der Weinberg. Es ist früh am Morgen. Dunst und leichte Nebelfelder liegen über den Hügeln. Nur langsam bahnt sich die Sonne ihren Weg.

Wandern im Weinberg an Trollinger und Riesling vorbei

Die 5 lacht mir von einem Schild an einem Rebstock entgegen. Auf halber Höhe führt der Wirtschaftsweg durch den Weinberg (es ist der Sandberg) auf Sternenfels zu. Hinweistafeln verraten mir, dass rechts des Weges Riesling angebaut wird und links Trollinger, des Schwabens Lieblingsrebe. Während der Riesling schon geerntet ist, hängen die Trollinger-Trauben noch dick und prall am Rebstock. Frischer Tau hat sich auf den blau-roten Trauben abgesetzt. Sie sehen zum Anbeißen lecker aus,
Auf geht`s – ich laufe los. Am Fuß des Weinbergs liegt die Besenwirtschaft „Weinstube am Sandberg“ und auf der anderen Straßenseite erkenne ich den Sportplatz. Nach rund 500 Metern erreiche ich das aus Sandsteinen massiv gemauerte Wengertschützen-Häusle.

Mehr Unterstand als Häusle

Wobei „Häusle“ stark übertrieben ist. Der Unterstand ist knapp zwei Meter hoch und sieht einfach und nicht besonders komfortabel aus. Ein Zuckerschlecken war das wohl damals nicht.  Ich setze mich auf die Bank und genieße die Aussicht. Gerne hätte ich mich mit einem Wengertschütz über seine Arbeit unterhalten. Nach ein paar Minuten mache ich mich wieder auf den Weg, die Rebflächen weichen Bäumen und Wiesen. Ich erreiche den Ortsrand von Sternenfels… Der Weg führt oberhalb der Häuser entlang – am Wanderparkplatz Eichendorffstraße vorbei – zum Schloßberg.

Auch am Schloßberg wird Wein angebaut. Auf der Höhe thront der Schloßbergturm, das Wahrzeichen von Sternenfels. Von ihm hast du eine grandiose Aussicht über den östlichen Enzkreis bis zum Nordschwarzwald und zu den Pfälzer Bergen.

Mein 5er-Weg bringt mich nicht hoch zum Aussichtsturm, sondern macht eine 180-Grad-Wende und führt leicht ansteigend durch den Schiedwald zurück zum Sandberg. Am Aussichtspunkt Sandberg (392 m NN) laden Ruhebänke und ein Rastpavillon zu einer Verschnaufpause ein. Zum Schluss geht es noch auf einem schmalen Pfad bergab durch den Wald zurück zum Auto.

Tipp: Die Übersicht mit allen Streckeninfos findest du unter Wengertschützenrunde 5.

Mein Fazit zu dieser Weinbergwanderung

Ein schöner Sonntagsspaziergang im Naturpark Stromberg-Heuchelberg. Zur Einkehr eignet sich der Biergarten am Schloßberg oder eine Besenwirtschaft in Sternenfels und Diefenbach. Und du wirst sehen, der Wein der hier angebaut wird, schmeckt prima :-).
Die Wengertschützenrunde kreuzt den Sandbauernweg und den Eppinger Linienweg. Bis zum Kloster Maulbronn sind es zehn Minuten mit dem Auto (unbedingt sehenswert).

Bist du auch schon im Weinberg gewandert und hast solche Unterstände entdeckt? Gibt es noch echte Schützen, oder arbeiten die Weinbauern inzwischen überall mit Schießapparaten und Netzen? Lass mir gerne einen Kommentar da. Ich freue mich!

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