Entlang der K5 zur Mandelblüte – rosa Traum an der Deutschen Weinstraße

Juchee, da sind die ersten Mandelbäume. Herrlich leuchten sie in rosa, manche hell andere intensiv pink und der Himmel über ihnen ist himmelblau. Die Luft ist zwar noch kalt, aber ein bißchen riecht es schon nach Frühling. Ich bin begeistert, das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Um sechs Uhr hatte ich mich bereits auf den Weg in die Pfalz gemacht, genauer gesagt nach Gimmeldingen, denn hier blühen jedes Frühjahr hunderte Mandelbäume und tauchen die Landschaft in zartes Rosa.

Gimmeldingen liegt in der Pfalz, nördlich von Neustadt an der Weinstraße. In Neustadt nehme ich aber nicht den direkten Weg, sondern den Schleichweg über Haardt, entlang der K 5. Die Abzweigung in die Kreisstraße liegt ein bißchen versteckt. Wenn man von Neustadt kommt (B 38 ), muss man gleich hinter der Internationalen Schule und noch vor dem Panorama Hotel links abbiegen in die Haardter Straße. Im späteren Verlauf heißt sie dann „Mandelring“ und „Auf der Althaardt“. Die Kreisstraße Nr. 5 ist nur 3 km lang und ihr einziger Zweck ist es, Haardt mit Gimmeldingen zu verbinden.

Dörfer mit herrschaftlichen Weingütern
Haardt und Gimmeldingen sind pfälzische Weindörfer und seit den 70er Jahren in Neustadt eingemeindet. Der Wein hat die Dörfer reich gemacht. Villen und Weingüter mit Wappen zeugen vom Wohlstand. Am Mandelring 25 residiert das Weingut Müller-Catoir. Das herrschaftliche Gutsgebäude im neoklassizistischen Stil fällt mir gleich ins Auge, es sieht schon ein bißchen aus wie ein Schloss. Schade, dass es heute – weil Karfreitag ist – geschlossen hat. Gerne hätte ich mir die Verkaufsräume angeschaut und von dem Spitzenwein probiert. Ein paar Schritte weiter entdecke ich gegenüber (Nr. 38) das ehemalige Weingut Mattern. Romantisch liegt es da und ein bißchen verwildert sieht es aus.

Ich schlendere die Straße entlang bis zur Ortsmitte. Haardt ist ein typisches Straßendorf, es gibt viele Höfe mit kunstvoll verzierten Torschlusssteinen und idyllische Plätze mit Brunnen. Viele Häuser sind aus dem für die Gegend typischen gelb-weißen Sandstein gebaut, andere haben Fachwerk. Über dem Ort thront das Haardter Schloß und von der Rebenkanzel hat man einen weiten Blick in die Rheinebene. Ja, hier lässt es sich Leben, vorne die Weinberge und im Rücken der Pfälzerwald.

Führung zu den schönsten Mandelbäumen
Am Nachmittag findet in Gimmeldingen eine Führung zu den schönsten Mandelbäumen statt. Leider ist der Himmel jetzt verhangen und pünktlich zum Start beginnt es zu tröpfeln. Ich bin froh, dass ich bereits am Morgen schöne Fotos von den blühenden Bäumen machen konnte. Die Führung möchte ich aber dennoch nicht missen, denn ich habe allerlei Wissenswertes rund um die Mandel und den Wein erfahren.

„Die Mandel ist ein Gewächs mit Migrationshintergrund“, klärt uns Rüdiger Füssl vom Verkehrs- und Verschönerungsverein auf. Die Römer hätten sie zusammen mit dem Wein und der Esskastanie mitgebracht. Bis ins 19. Jahrhundert bescherte der Mandelanbau den Winzern ein gutes Zubrot. Heute wird der Mandelbaum in Gimmeldingen nur noch zur Zierde angepflanzt. Über 2.500 Bäume befinden sich auf dem Gemeindeareal und „hier gibt es den weltweit einzigen Mandellehrpfad mit über 500 Sorten“, berichtet Füssl stolz. Und dann erklärt er uns, dass man zunächst einmal in die Bittermandel, deren Gift (Blausäure) lange zum Bekämpfen von Ratten eingesetzt wurde, und die Süßmandel, die zur Herstellung von Backaromen, Marzipan und Kosmetika verwendet wird, unterscheidet. Jede Basisvariante habe dann noch unzählige Untersorten.

Wein und Mandel ergänzen sich gut, sie lieben das gleiche Klima, die Mandel gedeiht gut in den Weinbergen und nimmt den Reben auch nicht viel Sonne weg. Am ertragreichsten sind übrigens junge Mandelbäume. Heute stammen 70 Prozent der weltweiten Mandelproduktion aus Kalifornien.

Hype zur Mandelblüte
Und die Mandelbäume sind die ersten, die im Frühjahr blühen. Sie sind das erste Lebenszeichen nach dem langen Winter. Und deshalb setzt zur Mandelblüte ein regelrechter Hype ein. Alle wollen zu den blühenden Mandelbäumen. „Am vergangenen Wochenende hat Gimmeldingen sein Mandelblütenfest gefeiert und über 20.000 Besucher sind am Sonntag hierher geströmt“, berichtet Füssl.

Als ich das höre, bin ich froh, dass ich erst dieses Wochenende hier bin und mir die Herrlichkeit der Bäume in Ruhe anschauen kann. Ja, so ein blühender Mandelbaum ist wirklich ein schöner Frühlingsbote und jeder sollte einmal die Mandelblüte in der Pfalz erlebt haben.

Die Mandelblüte dauert jedes Jahr rund 3 Wochen und während der Blütezeit finden in Gimmeldingen täglich Führungen statt. Außerdem locken zahlreiche  Veranstaltungen entlang des 77 km langen Mandelpfads.

Infos kompakt: Kreisstraße 5 Neustadt an der Weinstraße

  1. Anonymous

    hallo Heike Tolle Bilder und sehr interessant

    • Liebe Ina, freut mich, dass es Dir gefällt. Noch ein paar Tage, dann ist der Zauber wieder vorbei… und nächstes Jahr geht es dann wieder aufs Neue los.

Was meinst du dazu? Schreib mir.

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