Paris mal anders –
unterwegs im 13. Arrondissement

Der Place d‘ Italie im Süden von Paris ist ein guter Ausgangspunkt für Entdeckungen. Er liegt im 13. Bezirk und ist die Endstation der Metrolinie M5.

Wie Tortenstücke liegen die Viertel zwischen den breiten Boulevards rund um den Place d‘ Italie. Und jedes hat sein eigenes Flair: das Chinesische Viertel, das Quartier de Gobelins, das kleine Dorf Buttes aux Cailles und das Viertel Salpêtrière.

In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf meinen Sonntagsspaziergang durch das charmante La butte aux Cailles und stelle dir meine Eindrücke von Salpêtrière vor.

Der Place d‘ Italie im 13. Arrondissement

Doch bevor wie losspazieren noch ein paar Worte zum Platz selbst: Neun Boulevards treffen am Place d‘ Italie zusammen und unter der Woche ist er ein Verkehrsknotenpunkt mit hohem Stau-Potenzial. Entsprechend weitläufig ist der Platz, wie so viele andere in Paris auch. Mir fällt auf, dass seit meinem letzten Besuch in ein paar Bäume durch Blumenrabatten und Palmen ersetzt wurden. Sie verleihen dem Areal ein bisschen italienisches Flair. Schließlich endete hier einst die Römerstraße. Auch heute führt die Rue d‘ Italie (später als N7) bis in den Süden von Frankreich und weiter nach Italien.

In der Mitte plätschert Wasser und dann gibts noch die Büste eines Generals, der sich für Frankreich verdient gemacht hat. Wenn ich mich umschaue, sehe ich ganz unterschiedliche Gebäude: Wohnhochhäuser, herrschaftliche Altbauten und ein großes modernes Einkaufszentrum.

Von den beiden Metroaufgängen ist einer im ursprünglichen Jugendstil-Design von 1906 erhalten. Und genau von diesem starte ich meinen ersten Erkundungsspaziergang. Es ist Sonntag halb zwölf und ich bin gerade erst in Paris angekommen. Rechts des Cafés „Margeride“ reihen sich die Marktstände den Boulevard hinab. Frischer Fisch liegt auf den Tischen aus. Auch Gemüse, Pflaumen, Kartoffeln, Salami und Schinken werden angeboten. Und es gibt ein paar Ständer mit Kleidern. Der Wochenmarkt ist gut besucht.

Fisch oder Filet boeuf?

Ich schlendere ein bisschen durch die Stände, bin aber noch unschlüssig, ob ich nicht erst etwas essen sollte. Die Kellnerin scheint das zu bemerken und wittert ihre Chance. Ruckzuck werde ich angesprochen und ehe ich mich versehe, sitze ich am Tisch. Sie drückt mir die Menükarte in die Hand und empfiehlt für heute „Moules“ oder „Filet boeuf“. Ich entscheide mich für letzteres und ein Glas Weißwein. Das Bistro scheint mir der richtige Ort, an dem ich mich an das schnelle Tempo von Paris gewöhnen kann. Ich bewundere die Kellner, wie sie wieselschnell die runden Tische abräumen und einfach durch Auflegen einer viereckigen Platte zum Esstisch herrichten. Genial! Es trudeln immer mehr Gäste ein, die meisten kennen sich, Küsschen rechts, Küsschen links. Sonntags nach dem Einkaufen trifft man sich zum Essen. Apropos, mein Filet kommt. Sehr  lecker. Als Abschluss noch einen Espresso und dann aber los. Jetzt möchte ich eine neue Seite von Paris kennenlernen.

Charmantes Dorf auf einem kleinen Hügel

Gestärkt gehe ich zwischen den inzwischen nahezu leergekauften Marktständen den Boulevard Blanqui hinunter und folge anschließend der Rue des cinq Diamants. Es ist eine schmale Straße mit Kopfsteinpflaster, die einen kleinen Hügel hinauf führt.

Je weiter ich komme, desto dörflicher wird die Gegend. Bin ich noch in Paris oder ist das jetzt eine südfranzösische Kleinstadt? Oder gar Italien?  Im Buttes aux Cailles gibt es keine Hochhäuser oder herrschaftliche Altbauten. Und vor allem keine weitläufigen Boulevards, die unendlich erscheinen und jeden Spaziergang im Keim ersticken.

Es sind schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster, die zum Flanieren einladen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass la Butte aux Cailles  ursprünglich ein Dorf war, das erst 1860 an Paris angegliedert wurde. Hier wohnten hauptsächlich Arbeiter, die im Kalksandsteinwerk oder als Gerber arbeiteten. 1871 war das Quartier ein wichtiges Zentrum des Arbeiteraufstands der Pariser Kommune.

Graffiti und viele Restaurants

Graffiti – mal banal, mal frech und melancholisch sowie viele Cafés, Bars und Restaurants machen das Viertel aus. Hätte ich nicht schon gegessen, hier wäre ich bestimmt auch fündig geworden. Jede noch so kleine Wand ist mit Kunst verschönert. Eine Ikone der Streetart im Butte ist Miss Tic. Werke von ihr findest du gleich am baskischen Restaurant „Chez Gladines“ in der Rue cinq Diamants. In meinem Artikel Streetart im 13. Arrondissement zeige ich dir Straßenkunst.

Denkmalgeschütztes Schwimmbad in Paris

Mein Weg führt quer durchs Viertel bis zum Schwimmbad „Piscine Buttes aux Cailles“. Es ist eines der ältesten Schwimmbäder von Paris und steht unter Denkmalschutz. Ich habe extra Schwimmzeug eingepackt und freue mich schon auf ein paar Runden in diesem besonderen Bad im Jugendstil.

Doch als ich ankomme, schließt das Bad gerade. „Mittagspause“ – erklären mir die Herrschaften am Eingang. Um 14 Uhr mache es wieder auf. Leider ist das zu spät für mich, denn für drei hatte ich schon eine Bootstour auf dem Canal Saint-Martin gebucht. Nein, auch kein Foto von innen – „C‘ est interdit“ – das Personal kennt kein Pardon. Ich laufe einmal um den Block, in der Hoffnung, doch einen Blick auf das Becken zu erhaschen. Klappt aber nicht, hohe Mauern schützen die Badenden vor Neugierigen.

Auf dem Rückweg zum Place d‘ Italie studiere ich noch die Angebote eines Immobilienmaklers. Hier zu wohnen würde mir schon gefallen. Die Preise für ein Appartement liegen zwischen 750 000 und 2 Mio. €. Hmm, diese Summen werte ich mal als eindeutigen Beweis dafür, dass das ehemalige Arbeiterquartier inzwischen zu den beliebtesten Wohngegenden von Paris zählt. Doch auch wenn wir hier nicht wohnen werden, das charmante Butte aux Cailles ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Findest du nicht auch?

Praktische Tipps zum Butte aux Cailles

Hinkommen: M5 Place d‘ Italie; von dort ca. 10 Minuten zu Fuß bis zur Ecke Rue de Cinq Diamants/Rue Buttes aux Cailles. Das sind die beiden Hauptstraßen des Viertels. Hier findest du Cafés, Bars und Restaurants.

Für einen gemütlichen Spaziergang durchs Viertel plane am besten 1,5 Stunden ein (mit Einkehr entsprechend länger). Wenn du anschließend die Murals am Place Pinel anschauen möchtest, nimm ab Corvisat die Linie 6 und fahre bis Nationale.

Für alle Schwimmbad-Fans: Piscine de la Butte aux Cailles, 5 place Paul Verlaine.
Mo geschlossen, ansonsten unterschiedliche Öffnungszeiten, Hallen- und Freibad.

Wochenmarkt am Place d’Italie (Marché Auguste Blanqui): Die, Fr, So 7-14.30 Uhr

Salpêtrière – auch ein Viertel im 13. Arrondissement von Paris

Ein Bahnhof, ein Krankenhaus und eine Eliteschule machen Salpêtrière aus. Ihre Gebäude nehmen viel Platz ein zwischen Seine, Boulevard de l‘ Hôpital, Place d‘ Italie und Boulevard Vincent Auriol. Kuchentechnisch gesprochen, ist Salpêtrière das Gegenstück zum La Butte aux Cailles und schmeckt auch ganz anders. So viel verrate ich schon einmal vorab.

Mein Hotel habe ich ganz bewusst wegen des Blicks auf die Metrolinie 5 gewählt. Es liegt nahe der Seine, direkt am Jardin de Plantes und gegenüber dem Bahnhof Gare d‘ Austerlitz. Von meinem Zimmer im 4. Stock kann ich wunderbar beobachten, wie die Metrozüge in den Bahnhof ein- und ausfahren. Dieser Streckenabschnitt der Metrolinie 5 ist einer der wenigen, der oberirdisch verläuft. Herrlich!

Ewige Baustelle am Bahnhof Austerlitz

Der Gare d‘ Austerlitz ist ein Bahnhof für Verbindungen in den Süden Frankreichs und vor allem eine ewige Baustelle. Der Rezeptionist erzählt mir, dass das wohl noch eine Weile so bleiben wird, da Asbest gefunden worden sei. Zwischen dem Bahnhof und dem Krankenhaus Salpêtrière liegt eine weitere Großbaustelle. Auf den Bauzäunen unter der Hochbahntrasse lese ich, dass dort ein Wasserreservoir für Paris errichtet wird. Die Bauzäune verhindern auch den Blick auf die historischen Eingang des Krankenhaus Salpêtrière. Glaubt man den Plakaten, dann wird das sicherlich mal eine interessante Gegend mit Bahnhof, Park und Krankenhaus. Aber bis dahin geht noch Zeit ins Land.

Krankenhaus mit Geschichte

Die offizielle Metrostation zum Krankenhaus Salpêtrière ist „Saint-Marcel“. Wenn du dort ans Tageslicht kommst, stehst du direkt vor dem Eingang.  Salpêtrière ist ein riesiges Krankenhaus-Areal mit unterschiedlichsten Gebäuden, einem Park und Ausbildungsstätten für Medizinstudenten und Pflegepersonal. Und es hat eine ziemlich dunkle Geschichte. Auf die bin ich gestoßen, als ich am Place Pinel das Porträt von Philippe Pinel entdeckte.

Das Hôpital de la Salpêtrière war lange Zeit die wohl gefürchteste psychiatrische Anstalt Europas. Jede Person, die man nicht auf den Straßen von Paris sehen wollte, wurde hier weggesperrt: Arme und Kranke, Prostituierte , Geisteskranke, Epileptiker, Depressive. Bis zu 8.000 Menschen vegetierten in diesem Moloch vor sich hin, meist Frauen. Erst Ende des 18. Jahrhunderts endete die Zeit der Zwangsbehandlungen und eine Entwicklung hin zu Heilung von Nervenleiden statt Verwahrung setze ein. Ein großer Wegbereiter dafür war Philippe Pinel.

Zwischen Campo Formio und Place d‘ Italie im 13. Arrondissement

Bei meinem Montagsspaziergang zwischen Campo Formio und Place d‘ Italie sind mir die schönen Backsteinhäuser mit ihren Verzierungen und Höfen aufgefallen.

Wer wohnt da wohl, habe ich mich gefragt. Vielleicht die Studenten der Ecole des Arts et Metiers? Die Arts et Metiers bildet Ingenieure aus und zählt zu den einflussreichsten Elitehochschulen Frankreichs. An diesem Montag war der erste Schultag nach den Sommerferien und überall standen junge Leute in Gruppen zusammen, begrüßten sich und berichteten von ihren Sommererlebnissen. So etwas wie Aufbruch lag in der Luft. Das hat mir gefallen, und wär ich noch mal 20, würde ich auch gern hier studieren.

Praktische Tipps Salpêtrière

Hinkommen: M5 Haltestellen Gare d‘ Austerlitz, Saint-Marcel, Campo Formio und Place d‘ Italie;
Unterkunft: Hôtel Libertel Austerlitz Jardin des Plantes, 12 Bd de l’Hôpital.

Meine Empfehlung: Wenn du Paris abseits der Touristenpfade erkunden möchtest, dann mach auf jeden Fall einen Ausflug ins Quartier La Butte aux Cailles. Vor allem sonntags ist es dort schön, ideal zum Brunchen und Essen. Rund um den Bahnhof Austerlitz wird viel gebaut, das darf sich noch entwickeln. Schöner ist es am Seineufer und im Jardin de Plantes.

Zum Weiterlesen:
Erkundungen mit der M5 auf der anderen Seite der Seine
Streetart in Paris
Metro fahren in Paris – so gehts

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