Streetart in Paris

Streetart in Paris ist unheimlich vielseitig. So unterschiedlich und gegensätzlich wie die Viertel der Stadt. Das ist mir beim letzten Besuch ganz deutlich aufgefallen. Vom Place d‘ Italie bin ich durch die Straßen geschlendert. Einmal in Richtung Krankenhaus Sâlpetrière und dann genau entgegengesetzt auf den Buttes aux Cailles. In diesem Beitrag stelle ich dir meine Eindrücke vor.

Die Murals im 13. Arrondissement

Wie wunderbar sich die Giebelwände und Fassaden von 0815-Mietshäusern für großflächige Wandbilder eignen, zeigen die Murals im 13. Arrondissement zwischen dem Boulevard l‘ Hopital und Boulevard Auriol.

Werk von M-City bei Campo Formino

Bei dieser Arbeit nahe der Metrostation Campo Formino, musste ich erst einmal genauer hinschauen, um zu erkennen, was sie darstellt. Schwarze und weiße Dreiecke, Striche und Punkte fügen sich zu einer organischen Landschaft. Erstellt hat das Wandbild der polnische Künstler Mariusz Waras alias M-City. Er ist bekannt für seine Industrielandschaften, die mit aufwendiger Schablonentechnik an die Wand gesprüht werden. Auf Youtube habe ich ein Video entdeckt, das zeigt, wie er arbeitet und wie das Bild  entstanden ist. Du findest es hier.

Wer ist wohl Philippe Pinel?

Wer ist wohl Philippe Pinel? Das habe ich mich gefragt, als ich dieses Wandbild entdeckt habe. Dank Google bin ich inzwischen schlauer: Philippe Pinel war ein wegweisender Psychiater, der zur Zeit der französischen Revolution im nahegelegenen Hôpital Salpêtrière gearbeitet hat. Er schenkte den „Irren“, die damals einfach weggesperrt wurden, Aufmerksamkeit und setzte sich mit ihren Krankheitsbildern auseinander. Dieser Ansatz war neu und bereitete den Weg für die moderne Psychiatrie. Das Portrait hat der kubanischen Künstler Jorge Rodriguez-Gerada gemalt.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Am Place de Pinel entdecke ich über dem Gebäude der Metrostation ein wunderschönes Mural in blau, weiß und rot. Die Worte „Liberté, égalité, fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) umrahmen eine Marianne vor dem Hintergrund einer französischen Flagge und Blumen. Anlässlich der Anschläge vom 15. November 2015 hat der Shepard Fairey 2016 dieses symbolische Werk geschaffen. Shepard Fairey ist einer der größten urbanen Künstler Amerikas. Ich habe dann noch versucht etwas näher heranzukommen und bin hoch zur Metrostation. Doch von dort hat man leider keinen Ausblick. Beim Runterkommen habe ich dafür auf der anderen Seite am Boulevard Vincent Auriol zwei gigantische Werke entdeckt: Die „blaue Katze“ und die „Comicfrau“.

Die blaue Katze von C215

Der Pariser Künstler Christian Guémy bekannt als C215 hat eine riesige Katze auf eine Giebelwand gesprayt. Sehr wow, sehr intensiv mit dem blauen Hintergrund, findest du nicht auch?

Auch blau, aber noch viel intensiver: Turncoat von D*Face

Der Blick dieser Frau am Häuserblock Boulevard Vincent Auriol 155 zieht einen sofort in den Bann. Sie schaut dich direkt an, das macht es so intensiv. Es ist „Turncoat“, ein 25 x 15 Meter großes Werk des Engländers D*Face aus dem Jahre 2018.

Die Treppen in der Metrostation

Den Treppenaufgang der Linie 5 am Place d‘ Italie ziert ein Frauenkopf. Ich konnte noch nicht herausfinden, welcher Künstler ihn gemacht hat.

Vergängliches im Buttes aux Cailles

Ganz anders präsentiert sich die Streetart im Buttes aux Cailles. Kein Werk ist monumental, alles wirkt viel schneller, dynamischer und dadurch auch vergänglicher. Vielleicht probieren die Künstler hier auch erst einmal im kleinen Format aus, was sie anderswo größer umsetzen. Was mir auch gefällt. Die Protagonisten teilen sich die Fläche, ihre Figuren korrespondieren, nehmen Bezug zueinander.

Eine Ikone des Viertel: Miss Tic

Miss Tic ist so etwas wie die Ikone der Streetart in diesem Viertel. Charakteristisch für ihren Stil sind die Frauenfiguren, die mal frech, mal verträumt, mal provozierend schauen. Zum Bild gehört immer auch ein Spruch. Und ab und zu auch ein Mann.

Diese drei Frauen findest du am Eingang und den Außenwänden des Restaurants Gladines am Fuße der Rue de Cinq-Diamonds. Da Miss Tic im Mai 2022 leider verstorben ist, wird es keine neuen Werke mehr von ihr geben. Schade, denn sie hatte einen ganz eigenen Stil und ich hoffe, dass ihre Werke lange erhalten bleiben.

Schöne Bildsprache

Eine meiner Lieblingswände in der Rue des Cinq-Diamants: Die melancholische, verträumt dreinschauende Frau von „Aydar“ und der in der Nase popelnde Junge von Zabou.

Bunt und amüsant

Auf die Fassaden, Mauern und Garagentore im Buttes aux Cailles wird gesprüht und gemalt wie der Teufel. An jeder Ecke warten neue Eindrücke auf dich. Halte einfach die Augen auf und lass dich überraschen.

Ein Nintendospiel für die Wand

Streetartkünstler JACE aus La Reunion hat das Nintendospiel „Donky Kong“ auf eine Giebelfront gepackt. Es ist das einzige großformatige Werk, das mir bei meinem Rundgang aufgefallen ist.

Es macht einfach Spaß, durch die schmalen Gassen der Buttes aux Cailles zu laufen. Die sind so ganz anders wie die unendlich lang erscheinenden breiten Boulevards… Außerdem gibt es ganz viele leckere Restaurants. Mehr vom „kleinen Dorf“ in Paris im nächsten Bericht.

Auf die Zeichen achten und viel Spaß!

Hast du jetzt auch Lust auf Streetart-Entdeckungen in Paris? Ich bin einfach drauflosgelaufen. Manchmal entdeckte ich kleine Zeichen, die den Weg weisen. Wenn du dich lieber einer Gruppe anschließen möchtest, ist vielleicht eine der Vielen Stadtführungen zur streetart in Paris etwas für dich. Ich wünsche dir viel Spaß bei deinen Entdeckungen.

Streetart gibt es auch anderswo!

Schau mal, meine Artikel zu Tel Aviv und Mannheim:

Streetart in Tel Aviv: bunt, schräg und allgegenwärtig in Florentin
An die Wand gesprüht! Street Art und Murals in Mannheim

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