Regenbogenbunt oder wie politisch ist der Nahverkehr?

Mit dem Verbot, die  Stadion-Beleuchtung der Allianz-Arena in Regenbogenfarben zu beleuchten, hat die UEFA den Aufreger des Sommers provoziert. Über Nacht  zeigen in den sozialen Medien plötzlich alle bunte Flagge und solidarisieren sich mit der LGBTI*-Szene und anderen Minderheiten. Auch die Nahverkehrsunternehmen lassen sich nicht zweimal bitten. Am deutlichsten äußern sich die Berliner Verkehrsbetriebe BVG in Berlin. Folge meinem bunten Streifzug durch die Facebook-Kanäle der ÖPNV-Unternehmen. 

Nach dem Motto „wir fragen nicht lang, wir sind einfach bunt…“

 

erstrahlen Bahnhöfe in Berlin in bunten Farben…,


fährt in Köln auf der Linie 9 ein Regenbogenzug und „Vielfalt tut nicht weh“ beteuern die Wiener Linien der UEFA.

 

„Wir sind so bunt wie unsere Fahrgäste“, heißt es in

Rostock und Karlsruhe.

 

 


Auch in München ist Vielfalt selbstverständlich.

oder in Frankfurt.

Und im Rhein-Neckar-Raum beteuert die rnv „wo immer Menschen zusammenkommen, zählen für uns Akzeptanz und gegenseitige Wertschätzung.“

Bunt wie die Sitze einer Bahn zeigt sich das Ruhrgebiet:

In Stuttgart rollt die SSB den Regenbogenteppich aus!

In Berlin kriegt Homophobie von der BVG eine geklebt

Den ganzen Juli über verwandelt sich der U-Bahnhof Alexanderplatz in eine große Regenbogen-Installation, 80 Straßenbahn- und Bushaltestellen wurden beklebt und auf der U2 fährt ein Regenbogenzug.

„Wir bekennen buchstäblich Farbe“, sagt Eva Kreienkamp, Vorstandsvorsitzende der BVG. „Wir sind intern wie extern so bunt wie unsere Stadt – und darauf sind wir stolz. Es gibt nicht das eine Normal. In all unserer wunderbaren Verschiedenheit stehen wir für gegenseitigen Respekt“, so Kreienkamp. „Eigentlich sollte das im Jahr 2021 längst selbstverständlich sein – leider ist es das aber noch längst nicht.“

Mehr als 270 Mitarbeiter der BVG engagieren sich aktiv dafür, der LGBTIQ*-Community in der BVG ein Gesicht zu geben. Den Abschluss der Aktivitäten feiern sie an diesem Samstag (24.7.2021) mit der Teilnahme am Christopher Street Day (CSD) . Für den Umzug wurden besondere Haltstellen-Schilder kreiert: So heißt Wuhletal nun Schwuhletal, aus Stadtmitte ist Stadttitte geworden, Hohenschönhausen wird zu Homoschönhausen. Auf dem Foto seht ihr Dominik Reiter, den Sprecher des Regenbogen-Netzwerk der BVG, mit den Haltstellenschildern.

Farbe bekennen für Diversity – notwendig und wichtig oder überflüssig?

Ich finde, dass Aktivitäten für Diversity wichtig und gut sind, eben weil es wie Eva Kreienkamp sagt, noch nicht selbstverständlich ist. Gerade Nahverkehrsunternehmen können ein wichtiges Zeichen setzten: U-Bahnstrecken oder Buslinien sind Lebensadern der Gesellschaft, die für alle angeboten werden und von allen genutzt werden können. Sie haben einen öffentlichen Auftrag und ihr Kundenkreis ist weit gefasst. Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn Verkehrsunternehmen sich neben dem Kerngeschäft (Menschen von A nach B bringen) auch zu gesellschaftlichen Fragen und Werten äußern. Meinetwegen gern auch zur Klimafrage, Flüchtlingspolitik, zum Impfen oder zur Bildungspolitik, so lange die Parteipolitik außen vor bleibt.

Was meinst du? Schieße ich mit dieser Forderung übers Ziel hinaus? Deine Meinung interessiert mich.

*LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender (lesbisch, schwul, bisexuell und transgender).

 

  1. Stimme Dir völlig zu! Allerdings sollte es nicht beim Flagge zeigen bleiben. Glaubwürdig wird das Lippenbekenntnis erst durch Handeln.Wie sind die Vorstände besetzt? Wie werden diverse Mitarbeiter gefördert? Gibt es Beispiele? Gibt es einen Verhaltenskodex, der auch durch Vorleben des Vorstand sinchtbar gelebt wird. Besonders ernst wird es ja, wenn das eigene Kind sich outet. Wie fühlt sich das an. Normalität oder nicht? Wie reagiere ich selber im LGBQ Umfeld. Kicher ich hinterher und erzähle das als Abenteuer weiter. oder ist das nicht der Rede wert.

    Meine Meinung: Klar Awareness ist gut. Solange es die anderen betrifft und meine Komfortzone nicht berührt wird -alles gut. Die Einstellung hat sich nicht verändert im Vergleich zu den 80er.

    • Hallo Hildegard,
      du hast vollkommen recht. Nur weil es gerade vermeintlich schick ist, reicht es nicht aus, sich mit Regenbogenfarben zu schmücken. Wie bei allen anderen Themen auch, überzeugt jeder einzelne erst durch nachhaltiges Handeln. Zur Info: BVG-Vorstandschefin Eva Kreienkamp bekennt sich übrigens öffentlich als lesbisch und setzt sich für die Sichtbarkeit von queeren Führungspersonen und Diversität in Unternehmen ein. Das mit den 80ern sehe ich nicht ganz so hart wie du, ich glaube, da hat sich schon etwas normalisiert und geändert, vor allem auf dem Land … so kriege ich es jedenfalls aus der Eifel mit. Ja, es sollte eigentlich KEIN Thema sein. Viele Grüße Heike

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