Rhinau Fähre

Mit der Fähre ins Schlemmerparadies – D5 im Elsass

Das ist Entschleunigung pur und die beste Art nach Frankreich zu kommen: Die Überfahrt mit der kleinen Fähre bei Rhinau. Sie dauert nur ein paar Minuten, bringt dich aber so richtig in Urlaubsstimmung. Und auf der anderen Rheinseite wartet schon die Route départementale D5 auf dich. Die führt schnurstracks ins Schlemmerparadies Elsass.

D5 im Elsass
Rhinau – Boofzheim – Benfeld –  Stotzheim – Saint Pierre
Länge: 23 km
Land: Frankreich, Departément Bas-Rhin

Mai-Ausflug nach Frankreich

An diesem wunderschönen 1. Mai -Morgen verlasse ich um elf Uhr die Autobahn A5 an der Ausfahrt Kappel-Grafenhausen. Sagt dir nichts? Also, das ist kurz vor Freiburg auf der Höhe des Europapark Rust. Doch ich möchte nicht Achterbahn fahren, sondern einen kleinen Ausflug ins Nachbarland machen. Wenn du Kappel und Grafenhausen hinter dir hast, fährst du direkt auf den Rhein zu, der hier die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich bildet. Und die kleine Fähre bringt dich kostenlos auf die andere Seite…

Naturschutzgebiet Taubergießen

Doch bevor ich mich ins „Französische“ stürze, parke ich meinen Volvo beim Fähranleger und mache einen Spaziergang ins Naturschutzgebiet Taubergießen. Der Nabu informiert im ehemaligen Zollhaus über die Artenvielfalt in den Rheinauen. Hier soll es Wildkatzen, Eisvögel, Graureiher, Ringelnattern, seltene Orchideenarten und mächtige Bäume mit Lianengirlanden geben. Die Auenlandschaft an den Altrheinarmen ist einzigartig in Deutschland und ein richtiger kleiner Dschungel…

Einmaliges Naturerlebnis

Es gibt drei Rundwege:  Orchideenweg (6,5 km), Kormoranenweg (6 km) und Schmetterlingsweg (2 km). Ich laufe zunächst am Hochwasserschutz-Damm entlang und folge dann dem Schmetterlingsweg. Die Strecke zieht sich, die Sonne knallt vom Himmel … Ausflügler radeln an mir vorbei, in kleinen Freundesgruppen und Familienverbünden. Ja, das ist sicherlich die beste Art, dieses weitläufige ebene Gelände zu erkunden. Ich bin froh, als ich den Damm verlassen kann und in den Schatten der Bäume eintauche.

Es folgt eine Lichtung, eine Magerwiese und dann wieder ein Altrheinarm, Idylle pur. Blöd ist nur, dass an diesem warmen Tag auch die erste Generation Stechmücken flügge wird. Plötzlich schwirren und tanzen die Schnaken um mich herum und stechen natürlich auch zu… Das nächste Mal, bringe ich auf jeden Fall Insektenschutzmittel mit und ein Fahrrad. Oder ich lasse mich auf einem Stocherkahn durch diese einmalige Dschungellandschaft gleiten. Solche Kahnfahrten bieten die hiesigen Fischer an.

Bedrohtes Paradies

Die Rheinauen sind wunderschön, doch leider auch ein bedrohtes Paradies. Mitte Mai 2019 wurden wertvolle Orchideen gestohlen und die Seilbahnpläne des Europaparks könnten das empfindliche ökologische Gleichgewicht gewaltig stören. Allgemeine Auskünfte findest du auf der Webseite https://www.nabu-taubergiessen.de/ Ebenfalls sehr informativ ist die Seite der Familie Kossmann.

Mit der Rheinfähre entspannt nach Frankreich

Jetzt aber nach Frankreich. Rhenanus heißt die kleine Fähre. In den Nationalfarben Frankreichs blau, weiß rot, gestrichen fährt sie im Viertelstundentakt. 27 Autos passen in drei Reihen auf die Fähre und natürlich Fahrradfahrer und Fußgänger. Die Fähre legt ab, die Überfahrt dauert nur ein paar Minuten und schon stößt sie mit einem Rumms an den Landungsbrücken in Frankreich an .

Motoren werden angelassen, der Fährschiffer winkt die Fahrzeuge Reihe für Reihe heraus und aufwärts gehts direkt auf die D5.  Rhinau ist eine „Ville Fleurie“, drei Blumen schmücken das Ortsschild. Doch bevor ich mich versehen habe, bin ich auch schon durch, durch den schmucken Ort. Als nächstes folgt Boofszheim, ein weiteres typisches Straßendorf mit Häusergiebeln, die zur Straße ausgerichtet sind.

Grand Ried nennt sich die Rheinebene auf der französischen Seite, und sie ist sehr eben und sehr flach. Ideal zum Fahrrad fahren, auch neben der D5 verläuft ein Fahrradweg. Jetzt um die Mittagszeit ist nicht viel los, die Gegend strahlt etwas Träges und Verlassenes aus.

Dann fahre ich auf eine Reihe Pappeln zu…

Picknick am Canal du Rhône au Rhin

Und dort solltest du unbedingt einen Halt machen. Denn entlang dieser Pappeln verläuft der Canal du Rhône au Rhin. Wenn du vor der Kanalbrücke rechts abbiegst kommst du zu einem idyllischen Ankerplatz für Hausboote. Auf der anderen Seite der Brücke befindet sich eine Schleuse mit einem besonders hübschen Schleusenwärterhäuschen. Ich finde, dass das der ideale Platz für ein Picknick ist.

Maiglöckchen aus dem Wald

Französischvokabel
le bac – die Fähre
le muguet – das Maiglöckchen

Nachdem ich mich an den Fahrradfahrern und dem Treiben des Schleusenwärters sattgesehen habe, fahre ich weiter nach Herbsheim. Noch so ein Straßendorf, ich bin schon beinahe durch, da fällt mir rechter Hand ein kleiner Stand auf. Vater und Tochter sitzen unterm Sonnenschirm und verkaufen Maiglöckchen. Das finde ich echt mal interessant und frage sie, was es damit auf sich hat. Sie erklären mir, dass der 1. Mai in Frankreich nicht nur der Tag der Arbeit (Fête du Travail) ist,  sondern auch der Tag des Maiglöckchens (le Muguet). Den Menschen, die man mag, schenkt man einen kleinen Strauß Maiglöckchen. Das bringt Glück.  Dieser romantische Brauch geht zurück ins Jahr 1561, als der damalige König Karl IX die Idee hatte, allen Damen des Hofes ein Maiglöckchen zu schenken.

Ich schenke mir selber eine kleine Portion Glück und fortan duften die Maiglöckchen im Cabrio. Kurz vor Benfeld wird Kies gebaggert. Es gibt einen kleinen Badesee und auch der Ort selbst ist einen Stopp wert. Die D5 verwandelt sich für eine kurzes Stück in eine Allee und kurz nach Kertzfeld taucht am Horizont zum ersten Mal die Hügelkette der Vogesen im Dunst auf.

Die D5 endet am Fuße der Vogesen

Frische bestellte Äcker und gelbe Rapsfelder säumen jetzt die Straße. Stotzheim ist ein malerisches Dorf, indem auch heute noch Tabak angebaut wird. Es gibt zwei Burgen und im Chateua de Grünstein kannst du nobel übernachten. Zwei Kilometer weiter endet die D5 abrupt  an der Kreuzung in Saint Pierre.

Ab hier stehen weitere Wege offen ins Schlemmer- und Weinparadies: Ich kann geradeaus weiterfahren nach Andlau und hoch in die Vogesen, links abbiegen und nach Selestat und Colmar fahren oder mich rechts halten Richtung Straßburg. Nach ein bisschen Hin- und Her, habe ich mich für letzteres entschieden und bin in Obernai gelandet.

Obernai ist ein quicklebendiges Städtchen mit vielen Restaurants, Fachwerkhäusern und Winzern. Im Les Remparts d’Obernai sitzt man ganz nett mitten in der Fußgängerzone und kann das Treiben ringsum beobachten.  Das Baeckeoeffche war ziemlich deftig (so eine Art Römertopf mit in Weißwein geköchelten Kartoffeln und drei Sorten Fleisch  – Schweine-, Rind- und Hammelfleisch). Am nächsten Tag bin ich vor der Heimfahrt noch einmal über den Wochenmarkt geschlendert…

Essen und Trinken, Einkaufen und Übernachten

Typische Gerichte des Elsass sind Flammenkuchen und Backeoefche. Nicht ganz so bekannt ist das Fischragout „Matelote“, eine Spezialität der Auenlandschaft Grand Ried: Süßwasserfische (Hecht, Aal, Barsch, Karpfen und Zander) werden mit einer Rahm-Riesling-Sauce und Nudeln serviert. Du bekommst es zum Beispiel im Restaurant „Au bord du Rhin“ in Rhinau, das Restaurant „Au vieux couvent“ in Rhinau ist mit einem Michelinstern gesegnet und auch im Restaurant à la Vignette in Saint Pierre soll man gut essen können. Den ersten Super-U-Markt hinter der Grenze gibt es kurz vor Boofzheim auf der rechten Seite. Übernachtet habe ich im Hotel Le Colombier in Obernai.

Wo liegt diese D5 im Elsass/Departement Bas-Rhin genau?

 

Am Ortseingang von Rhinau (von der Fähre kommend gleich nach dem Kreisverkehr auf der rechten Seite) befindet sich die Touristeninformation für das Grand Ried. Sie hat auch samstags und sonntags geöffnet. Vorab findest du weitere Informationen zur Region unter:
https://www.grandried.fr/de/
https://www.tourisme-alsace.com/de

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