Streifzug über die Frankfurter Buchmesse #fbm22

Die Frankfurter Buchmesse fand nach zwei Jahren Pandemie 2022 endlich wieder  „live und in Farbe“ auf dem Messegelände statt. Die Stimmung war gut und allerorten gab es viel Neues zu entdecken. Lustiges, Opulentes, Skurriles und Hintergründiges. In diesem Beitrag schildere ich meine Eindrücke vom Ehrengast-Pavillon und den Trends bei der Reiseliteratur.

Bunt und poetisch, der Ehrengast-Pavillon von Spanien

Weil ich weiß, dass die Frankfurter Buchmesse riesig ist, habe ich mich von Anfang an fokussiert: auf den Ehrengast Spanien und die Reisebuchverlage in Halle 3.1. und vielleicht noch 3.0. Halte Ausschau nach meinen Themen: Städtetrips, Zugreisen und Weltreise. Als Erstes steuere ich Ehrengast-Pavillon an. „Sprühende Kreativität“ ist das Motto mit dem sich Spanien präsentiert. Auf einer Seite des Pavillons hängen transparente Stoffbahnen von der Decke auf die Buchstaben projiziert werden. Es gibt interaktive Stationen und Bühnen für Gesprächsrunden. Auf der anderen Seite tummeln sich bunte Schaumstoffrollen auf dem Boden und laden ein, sich hinzusetzen und in einem der vielen Bücher zu schmökern.

Reiseführer zu Spanien

Spanien ist eines der liebsten Urlaubsländer der Deutschen. Entsprechend groß ist das Angebot an Reiseführern über das Land und seine Inseln. Gleich links vom Eingang befindet sich das Regal mit der Reiseliteratur aus und zu Spanien. Im Einerlei der Standard-Reiseführer zu Sevilla, Madrid, Katalonien und Mallorca fallen mir drei Bücher auf: Eins auf Niederländisch über Leuchttürme, die „Grand Tour von Katalonien“ aus dem Reisedepeschen-Verlag und das Hörbuch „Sehnsucht Spanien & Portugal, eine akustische Reise von Lissabon bis Madrid, von Madeira bis Mallorca.“ Warum wohl? Nun, weil die Cover schön gestaltet sind, nicht mit Fotos, sondern mit Illustrationen. Die Beispiele zeigen, wie wichtig doch die Aufmachung eines Buches ist. Die Konkurrenz im Regal ist groß. Übrigens, bei den vorgestellten Büchern hat mich dann auch das Innenleben überzeugt.

Sprachführer, damit es mit der Verständigung klappt

Es gibt ja Übersetzungs-Apps. Braucht man da überhaupt noch Sprachkenntnisse, wenn man in ein fremdes Land fährt? Ich finde ja! Je mehr du verstehst, umso besser kannst du in die Kultur eintauchen. Für meine Weltreise lerne ich gerade Spanisch, ganz klassisch an der Volkshochschule. Auf der Buchmesse hat mich interessiert, was es sonst noch an Unterstützung gibt.

Kauderwelsch-Spanisch
Die Kauderwelsch-Sprachführer des Reise Know-How Verlags sind ein Klassiker. Sie halten sich nicht lang mit Grammatik auf, sondern helfen dir mit den Menschen vor Ort unkompliziert ins Gespräch zu kommen. Es gibt über 245 Bände, darunter auch recht exotische Sprachen und Dialekte wie z.B. Sioux/Lakota oder Tetum für Osttimor. Ich erinnere mich gerne an meine Lachanfälle, als ich in den 1990ern die Madagaskar-Kauderwelsch-Kassette ins Autoradio schob.

Akademisch oder lernen wie ein Kind?
Ich wette, dass jeder von uns mindestens ein grünes Pons-Reisewörterbuch oder ein gelbes Langenscheid-Dictonairy im Regal stehen hat. Die ehemaligen Rivalen gehören seit 2020 zur Klett-Verlagsgruppe. Auch wenn es inzwischen bebilderte Pons-Ausgaben und Comic-Reisewörterbücher gibt, so haftet den Bänden doch immer noch was von Schule an. Was Pons in Deutschland ist, ist übrigens Assimil in Frankreich. Mit der Assimil-Methode lerne man Sprachen wie ein Kind, „intuitiv – ganz ohne einzelne Vokabeln zu pauken“, erfahre ich am Messestand. Das wäre auf jeden Fall mal  einen Versuch wert, findest du nicht auch?

Unterwegs auf Schienen

Wer viel mit der Bahn verreist, kann so manches erleben… So erging es mir mit meiner An- und Abreise zur Buchmesse. Beide Züge am 21.10. wurden einfach so gestrichen.

Lustiges
Wer ähnlichen Wahnsinn erlebt, dem empfehle ich – statt sich zu ärgern – Humor! Miguel Fernandez hat im „Bahnsinns-Buch“ über 200 Cartoons rund um die Schiene versammelt. Der Comic-Band ist im August 2022 im Lappan-Verlag erschienen.

Vorbildliches
Unsere Nachbarn sind uns bei den Bahntickets einen Schritt voraus. Mit dem „KlimaTicket Ö“ ist es möglich, ein Jahr alle Linienverkehre (öffentlicher und privater Schienenverkehr, Stadtverkehre und Verkehrsverbünde) in Österreich zu nutzen. Reinhard Mandl hat die Freiheit ausgekostet und ist kreuz und quer durchs Land gefahren. Jetzt gibt es im Elsengold Verlag ein Buch mit seinen Tipps. Im Gespräch erfahre ich, dass das Cover während der Produktion geändert wurde, von Fotos auf Illustrationen. Wird hier ein Trend erkennbar?

Spannendes
Eine spannende Bahnreise ist sicherlich die Transsib. Meistens wird die Fahrt auf der längsten Bahnstrecke der Welt als nobles Arrangement in der Touristenklasse gebucht. Jan Merwitz ist die lange Strecke in der 3. Klasse gefahren und beschreibt im Buch „Zügig durch Russland“ (Reise Know-How-Verlag) seine hautnahen Begegnungen mit den Einheimischen. Die volle Ladung Sowjetunion. Blöd nur, dass Putin gerade Krieg führt und Reisen nach Russland ein bisschen verpönt sind.

Opulentes
Bei Kunth macht der opulente Bildband „Reisen auf Schienen“ Lust aufs Reisen mit der Bahn. Ob die älteste U-Bahn der Welt, die am höchsten gelegene Bahnstrecke oder der legendäre Orient-Express – weltbekannte Superlative und Klassiker werden anhand informativer Texte und großformatiger Bilder vorgestellt. Da möchte man sich gleich in den Zug setzen.

Hintergründiges
Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse besuche ich am Abend eine Veranstaltung von Kultur & Bahn im Haus des Buches. Der Autor und Filmemacher Gerhard Rekel hat sich intensiv mit dem legendären Orient-Express beschäftigt. Bis heute beflügelt der „König der Züge“ die Sehnsucht nach Abenteuern und romantischen Erlebnissen. Was ist die Geschichte, wer hat ihn auf die Gleise gestellt und welche Vision steckte dahinter? Rekels Buch „Monsieur Orientexpress“ ( Verlag Kremayr & Scheriau) beleuchtet das spannende Leben von Georges Nackelmackers, der den Orient-Express und über 180 weitere Nachtzugverbindungen durch ganz Europa auf die Gleise stellte und übrigens auch den Speisewagen erfand.

Um die Welt

Ich liebe es, in Karten zu stöbern, den Globus zu drehen und Atlanten zu studieren. Durch Zufall lerne ich auf der Buchmesse den Mann hinter vielen Karten kennen. Norbert Eckrich ist gelernter Kartograf und schon lange im Geschäft. Hauptsächlich als Dienstleister für große Verlage, nur wenige Karten bringt er selbst heraus. Neu ist beispielsweise ein Kartenset zur Fahrrad-Euro-Veloroute 6. Nobert Eckrichs Namen merke ich mir unbedingt vor. Denn er wäre der richtige Mann, der von meiner Reise mit der 5 um die Welt eine Karte erstellen könnte.

Noch so eine skurrile Reise um die Welt:
Im „Atlas der melancholischen Orte“ (Gräfe und Unzer/Merian) nimmt uns der Australier Damien Rudd mit auf eine Reise ins Obskure – zu einem Weiler im Harz, der Elend heißt, zum Mount Hopeless und zur Road to Nowhere.

One step beyond – Wandern in Amerika
Der Mini-Verlag „One step beyond“ ist mit nur drei Büchern am Start. Die sind aber sehr schön und der Messestand versprüht Wohlfühlatmosphäre. Deshalb möchte ich sie unbedingt erwähnen. Die Wanderbuchautorin und Bloggerin Dagmar Grutzeck lädt zum wandern in Kalifornien, in den Rocky Mountains und auf dem Colorado-Plateau ein, abseits der üblichen Touristenpfade. Es war ein sehr nettes Gespräch mit der Grafik-Kollegin.

Dieser Verlag katapultiert sich nach oben

Es begann mit den Grafiken, dann wird ein Magazin daraus und schließlich ein Verlag gegründet. Katapult ist mit der grafischen Darstellung von Statistiken und Studien der Sozialwissenschaften in eine Marktlücke gestoßen und hat eine fulminante Erfolgsstory hingelegt. Gründer Benjamin Fredrich erzählt mir, wie sie dieses Jahr in nur vier Wochen den Atlas zur Ukraine gestemmt haben. Mein Lieblingsbuch: „55 kuriose Grenzen und 5 bescheuerte Nachbarn“ – da kommt dreimal die 5 drin vor!

Mein Resümee zur Frankfurter Buchmesse.

Trotz Fokus habe ich das komplette Pensum, das ich mir vorgenommen hatte, nicht geschafft. Zu nett und unterhaltsam waren die einzelnen Gespräche. Deshalb konnte ich einige große Branchenvertreter gar nicht mehr besuchen. Also dies ist ein Ausschnitt von vielem.

Welche großen Trends habe ich ausgemacht?

  • Nachhaltigkeit ist ein Thema – auch beim Reisen
    Zugreisen erleben eine Renaissance
  • Wie schon bei meinem letzten Besuch beschrieben, gibt es drei große Gruppen:
    1. Standard-Reiseführer sortiert nach Orten, Region und Land, die je nach Zielleserschaft inhaltlich und grafisch unterschiedlich aufgemacht sind.
    2. Reiseverführer, die mich animieren möchten und mich bei meinen Bedürfnissen kitzeln.
    3. Reiseerinnerungen, bei denen mich Reisende an ihren Abenteuern teilhaben lassen.
  • Die klassischen Verlage machen auch Social Media, die neuen Verlage kommen von Social Media oder vom Bloggen
  • Bin gespannt, wie lange sich der aktuelle Boom mit Illustrationen anhält.

Reisen und lesen passen nach wie vor wunderbar zusammen. Bis zum nächsten Mal!

Die zukünftigen Gastländer der Frankfurter Buchmesse sind:

2023 Slowenien 18. – 22. Oktober 2023
2024 Italien 16. – 20. Oktober 2024

 

 

 

  1. […] Update: Nach zwei Jahren Pandemie fand 2022 wieder eine „normale“ Buchmesse in Frankfurt statt. Meine Eindrücke von der #fbm22 […]

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