Mural, Graffiti in Mannheim

An die Wand gesprüht! Street Art und Murals in Mannheim

Die Linie 5 bringt dich zu Häuserwänden, die auffallen und wachrütteln!

Die Wohnblöcke der GBG sind nicht besonders schön, eher funktional, 50iger Jahre eben. Doch mit den Murals werden sie zum Hingucker. Seit dem Jahr 2013 lässt die Stadt Mannheim für das Projekt Stadt.Wand.Kunst großformatige Wandgemälde von Streetartists anfertigen. Inzwischen sind es über 25. Ich habe eine Stadtführung mitgemacht und war sehr beeindruckt, von dem was ich zu sehen bekam.


Nächster Halt: „Marktplatz“

Treffpunkt für diese Tour ist die Trinitatis-Kirche. Vom Hauptbahnhof hat mich die RNV-Linie 5 bis zum Marktplatz gebracht. Dann sind es nur ein paar Schritte bis zum ersten Mural. Stadtführerin Anette Senn-Schmottlach begrüßt uns und erklärt die Corona-Regeln: „Bitte am Anfang Maske tragen und später genügend Abstand halten.“ Damit dieser immer gewährleistet ist, hat das Stadtmarketing kleine Gruppen gebildet. Statt 30 Teilnehmer sind wir nun zu zehnt. Die anderen 20 sind auf zwei weitere Gruppen verteilt. Auf das Tragen der Maske können wir später verzichten.

Jetzt aber genug Organisatorisches, wenden wir uns dem ersten Kunstwerk zu.

LOW BROS „New Wave“, F5, 12

Das Kunstwerk heißt „New Wave“ und zeigt einen Wolf, der auf der Lauer liegt. Die Berliner Brüder Christoph und Florian Schmidt alias Low Bros haben es 2017 gestaltet. Die Schnauze des Wolfs ist platt, quadratisch. Zusammen mit den Rauten im Hintergrund sind eine Reminizenz an die Quadratestadt Mannheim. Die Dreidimensionalität ist super gelungen, von der Seite wirkt sie noch stärker, als direkt von vorne. Und weil  ein Wolf den anderen trifft, mache ich gleich mal ein Selfie. Mir fehlt nur die coole Sonnenbrille. Wenn die Sonne auf die Fassade scheint, leuchtet das Rosa und ich finde, dass die Pastell-Farbigkeit ein bisschen an Miami erinnert.

HERAKUT „My Superhero Power is Forgiveness“,
F6, 1-5

Das Motiv „My Superhero Power is Forgiveness“ von Herakut war 2013 das erste Mural, das überhaupt umgesetzt wurde. Es befindet sich einen Block weiter im Quadrat F6, 1-5. Stadtführerin Anette Senn-Schmottlach erzählt uns, dass sich alle Streetartits aus dem Untergrund entwickelt haben. Das Künstlerpaar Hera/Akut hat sich mit diesem Werk auch bei der Szene entschuldigt, weil sie nun nicht mehr Teil der ihren seien, sondern offiziell beauftragt. Das Fassadenmotiv ist Teil des „Giant Storybook Project“, dessen Einzelteile über die ganze Welt verstreut liegen.

AKUT „Gegen das Vergessen“, F6, 5

Und jetzt, sieben Jahre später, hat der männliche Part des Künstler-Duos, Akut, auf der anderen Giebelseite dieses Wohnblocks ein neues Projekt realisiert: Er bringt Luigi Toscanos Holocaust-Porträts in Überlebensgröße an die Mannheimer Hauswand. Zehn Meter breit und vierzehn Meter hoch, mit Wucht und sehr eindrücklich schauen mich die Gesichter der Holocaust-Überlebenden an.

YAZAN HALWANI, „The inevitability of leaving things behind“, F6, 12

„Ich packe meinen koffer und nehme mit…“ – beim Anblick des nächsten Murals fällt mir dieses Kinderspiel ein. Das Motiv Halwanis ist aber ernster, als eine Urlaubsreise… Der Mann ist auf der Flucht und will den goldenen Käfig verlassen. Logisch, dass er nicht alles mitnehmen kann.  Der aus Beirut stammende Künstler Yazan Halwani hat einen eigenen Stil kreiert: Calligraffiti, die Verschmelzung von Kalligrafie mit Graffitti.

DMITRI ASKE „The modern thinker“, F6, 8

Kennst du den Denker von Rodin? Kubistisch und farbintensiv hat ihn der Moskauer Künstler Dmitri Aske an die Wand gesprüht. Ich finde diese Version sehr schön. Sie leuchtet dir schon von weitem entgegen.

BEZT ETAM „Europe“, E7, 22

„Seht ihr den Totenkopf unterhalb des Jacketknopfs?“, unsere kundige Stadtführerin macht uns auch auf kleine Details aufmerksam. Dieses gigantische Kunstwerk heißt „Europe“ und ist 2016 vom polnischen Künstlerduo Bezt Etam kreiert worden. Das Kunstwerk lässt viele Deutungen zu. Wird hier Europa zu Grabe getragen? Spielt es auf die Flüchtlingskrise an? Sind das drei verschiedene Frauen, oder ist es immer die gleiche Frau in verschiedenen Lebensphasen?

Eindeutig ist für uns die Abschiedsszene. Sie drückt tiefe Trauer aus. Die Zypressen deuten auf einen riesigen Friedhof im Mittelmeerraum hin… „Europe“ ist das einzige Kunstwerk, das nicht gesprüht wurde, sondern nur gemalt ist. Es ist eine surrealistische und feenhafte Malerei, die uns alle sehr berührt hat. Bezt gehört inzwischen zu den gefragtesten Muralartists weltweit.

SOURATI – haben bereits drei Werke geschaffen

„Fassadenkunst muss damit leben, dass sie vergänglich ist,“ Anette Senn-Schmottlach hält ein Foto hoch und zeigt uns „Die Freiheitstesterin“ des Mannheimer Künstler-Duos Sourati. Das Haus mit dem Mural aus dem Jahr 2016 wurde im Zuge von Umbaumaßnahmen abgerissen. Geheime Zeichen, es sind die Vögel aus der Freiheitstesterin, führen uns zum zweiten Werk von Sourati.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich das Mural „Abschied und Neubeginn“ gegenüber des Zentralinstituts für seelische Gesundheit liegt. Sourati heißt auf persich übrigens altrosa, weiß unsere Führerin und erzählt uns die Liebesgeschichte von Christina Laube und Mehrdad Zaeri (alias Sourati), die sich beim Taxifahren kennengelernt haben.

Während des Corona-Lockdowns haben Sourati ein drittes Werk kreiert, das der Stille in der Stadt gewidmet ist. „Silence“ befindet sich in O4, nahe der Fußgängerzone.

THE LONDON POLICE „900 dogs by a chocolate factory“ , K6 10, Turnhalle Johannes-Kepler-Schule

Das letzte Mural liegt zur Zeit etwas versteckt hinter Lerncontainern im Hof der Johannes-Kepler-Schule. Die Jungs von „The London Police“ haben „900 dogs by a chocolate factory“ an die Wand gesprüht.

Und schon sind wir sind am Ende der Führung angelangt. Die anderthalb Stunden sind rum und unsere Füße etwas müde. Einige Werke habe ich mir später auf eigene Faust angesehen, und es wird auch weiter kräftig gesprüht…

Wird gerade gesprayt… von HOMBRE

Streetart und Murals in Mannheim – das lohnt sich.
Mein Fazit:

Was hatte ich erwartet? Ein paar nette bunte Wände vielleicht? Das was ich entdeckt habe ist viel mehr,  als Farbe an graue Fassaden zu bringen. Die Initiatoren der Alten Feuerwache haben den Mut, auch unbequeme Themen wie Flüchtlingskrise, Migration oder den Holocoast anzugehen. Alle Kunstwerke haben  ein sehr hohes Niveau.  Gekonnt setzen die Künstler ihre Farbe ein, sehr farbintensiv beim Denker und der Fassade von „New Wave“ mit dem Wolf. Wobei sie die Farben der Umgebung (Balkone, Fensterumrandung) aufgreifen. Im krassen Gegensatz dazu steht das unfarbige Schwarz-Weiß in „Europe“, das die Traurigkeit des Werks unterstreicht. Einziger Hoffnungsschimmer scheint die Rose zu sein. Auch die Umgebung der Murals ist passend, mitten hinein in das bunte Viertel beim Marktplatz, das an Little Istanbul angrenzt und sehr multikulturell ist.

Die Kunstwerke in den Quadraten sind die Keimzelle der „Urban Art Gallery“ in Mannheim. Weitere Murals gibt es in der Neckarstadt-West. Wenn du sie auf eigene Faust erkunden möchtest, hilft dir die Karte von Stadt.Wand.Kunst. 

Die nächsten Führungen in den Quadraten zu Urban Art sind am:

So., 02.08.2020, 14:00 Uhr
So., 06.09.2020, 14:00 Uhr
So., 04.10.2020, 14:00 Uhr
So., 01.11.2020, 14:00 Uhr
So., 06.12.2020, 14:00 Uhr

Sie dauern ca. eineinhalb Stunden. Preis: 9 € für Erwachsene, 6 € für Kinder.
Weitere Infos und Anmeldung beim Stadtmarketing Mannheim .

Magst du Streetart?

Schreib mir gerne, was du so besonders daran findest. Ich habe auch Streetart in Tel Aviv angesehen. Dort präsentieren sich die Graffiti-Künstler ganz anders.

 

Was meinst du dazu? Schreib mir.

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